Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 9 (8.9.1925)
- Date
- 1925-09-08
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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V Mar. schüttelte zweifelnd den Kopf. _.AN ir hier Juihen wohl alle, (inlt sei B:mk ~ oder, soll ich saitcn ..leider?" — nie das Herbe der l/esit/lnsiekeit kennen gelernt, l'nd wer an seinem sec'll/kstcn (ielmrtstae .ruf eiii so mihtewcrnndcU's. Livientnm‘blicken kann, wie unser \erehrter tiast- -reber heute, der mac sich wohl auch einmal am Luxus einer unbesessenen I*reiide eenuc'en lassen." Sanitätsrat >ctks dunkler Kopi senkte sich nachdenklich vor dem blonderen rimrs. ..Bas Anwachsen in gesicherten; sorgenlosen Verhältnissen. die allein unsern Kindern eine gute Kinderstube ermöglichen, ein Metallglanz, der sie v ergoldet unbeschadet natürlich einer guten christlichen Lr/.iehung " Klang da nicht ein Lachen durch den K'.imn? so schrill, dal! selbst der auiw artende I >iener gewohnt in diesem wohlgesclmlten Haushalt gleichsam blind und tailbslimim. nur »a-iiii’ii t tnliiw, nln itm ergeben, durch's /immer zu huschen, im Servieren des Nachtisches imie hielt und erschreckt aut seinen Herrn blickte.'an dem er mir eine steif gemessene Art kannte. Peinliches Sehweiten lastete plötzlich grau über dem eben noch so farbenfrohen k’atim. Selbst die 'hüten der Tisclidekuration schienen einen Angenblick den Atem anzuhalten. War da mit taktlosem Hinget' an eine Ihr gepocht worden, die ihnen allen hatte \ erschlossen bleiben sollen? Hie guten Bekannten, zum Teil sogar die I reunde des Hausherrn nannten sich alle Iner. Auf wieviel (ieschäftsgebieten hatten sie mit einander gearbeitet, an wie mancher 1'esttafeJ mit einander gezecht in den zwanzig .lahren. seit Kommerzienrat Arnold vor den Toren dieser Seestadt sein-!:r<»l.tes! laiidelsimternehnten begrimdete. Als weitblickenden < ieschäftsmatm \on tadelloser Lhrenhaftiekeit kannte ihn jeder Itter, her Mensch in ihm w ullte sich den I. ingangsformen ihrer Kreise anzupassen. Was er daneben vielleicht noch war. ob er etwa hinter dieser f iewolmhcitsmask .■ anders dachte, als ihnen hier geläufig? Man wullte nur. dali ej keine Yerwandiscltah am Orte hatte, wunderte sich gelegentlich, dar! dieser damals stattliche Vierziger bis heute .lunegeselle geblieben war. als der er einst mit seinem nt Lpgland erworbenen Vermögen hcriibercckouimen. War da am Lude etwas in der Vergangenheit - dieses Mannes, an das man nicht rühren durfte? Irgend ein dunkler T'leck. dessen Sichtbarwerden all diesen mit der tadellosen Lhreifweste einen weiteren T'reimdschaftsverkelir unmöglich gemacht hatte? Lingefroren wie die Trenndesreden seinen der goldklare K'heinw ein in den tiläsern. Keiner trank mehr seit -dieses seltsam grelle IMImlacheln im Kaum v erklungen. Arnold, der einen Augenblick versunken m sich hineingehorcht, schaute aut. Seine scharfen, grauen Augen lasen die (iedankeii von den gesenkten Lidern der andern, l uddiesmal war's ein feines, lautlos wehmütiges Lächeln, das unter dem ergrauenden Schnurrbart um das glattrasierte Kinn spielte. ..Ich darf die Herren beruhigen. Lin loses haftet nicht au meiner lugend: nichts ist in meinem Leben. dessen der Mensch Arm» Arnold sich zu schämen brauchte. I ur den k o m m eizienr.it allerdings, der seit zw anzig lahren des Yetlr.,iie»s und der fronndschafilickcn-lWmrHHhcit auserlesener Kreise dieser vornehmen Stadt ge vv itrdigt worden für diesen allerdings, waren die I rkhnisse meiner Kindheit und lugend eine seltsame Vorbereitung ..Ls fiel vorhin das Wort-..von einer eJit JmsiiichenTTTfehuiie" meine Herren, es wirdSie w eiliger die Tatsache. als llire zw aiizigialirige l u Kenntnis derselben in I rM.umen setzen ich bin Jude! Jawohl. Kommerzienrat Arnold, det ungezählte Summen-parteilos ev uiKclischen. katholische n und indischen W olrltatickeits.inst.ilteu zu-cew endet!.at. ist Jude!" ..Sie nahmen das für tolerantes W e lihnrge rtmi- Jes eliem.ili's'en Auslandwanderers, kh tat uielits. du Sie olue weiteres mich als von Ihrem Blute an -allen. Ihren lirtmn klnrziistelleii. Imfncli. weil inieli niemand danach gefragt hat." ..Ach werte Trennde »l.irf nh Sm mtcli enrsnrr' "Weiter so nennen? meine Jugend aal so viel. s. -auimerlich viel von Hall und Vvrucktunc gegen den l.eimatloseii Juden erfahren mnl ertragen müssen, e'all Sie vielleicht v cr/cihlieh linden werden, wenn mein v. lnidceschla. euer Kücken sich recht »lurdtsoimcii lassen wollte von lahren des (aaclitet i.nd Lmw orbenw erdeiis. i nd.doji!mr innen" Indes alle* ihn ^ustan feil. Tils w are da einer, dem sie noch nie gesehen, prellte ehe Hand des Si»r»> Iiei s -ich gegen den bunten I »rdcnsschmuck. den fürstliche l'.uikbarkeU verschiedener Lander dein tiroi'- I an 111la1111 auf den schwarzen Track gehängt. ..Ihci unter dem bunten Lind hab’ ich midi 'gesehnt nach diesem Augenblick. I'all er heute gekommen es war nicht vorbereitet, nicht Absicht war's Lilie harmlose Phrase, wie die unseres ver_ ehrten Snnitirtsmtrs von ..der -guten christlichen I r Ziehung", und dann ..die gute Kinderstube ‘ tausendmal hingeworfen. tausendmal gehört; heute an diesem i»o. f lebin Ist.ege. via das leben als et-wns Al'gesciilossvues hinter mir Jiegl sie traf mich heute anders, nfl von via innen etwas ans Iacht kli weil!, dal! ich nun die Pflicht habe. Ihnen zu ei klaren. Abei nicht liivr bei den ungemütlichen >pm,-»> ^enosseuei I afelfre»den. Bail idi div He'ivi lütten Ne folgten ihm in das behagliche I »ainuiei lieht des K’aiielizimmers.' von vlessen breitem l enster d»e (ilasmalci eüeii einen violetten Ihuist tiaumerisch um alle I hnge woben. Im dimkelsteii I eil des K’amnes seinen < lasten abcewaudl. 'wandelte dei llaiishcii rul.ielos, wie im Selhstcesprach auf und ab I s w.u seiner Seele eine Not vv cndichcit. einmal v»>, Men scheu, vor vliesv u Mviischeii. zwisehvn vlei vii ei zw anzig lallte gelebt, die V v i gangv-nheU hervor ,uvvalz.eil. deren Harte srdi unserriickhar m setiien Innern, scharfkantige \ e i stemermicen. zwischen väv weichere Materie des > >e ge uw.», isle hens geschoben. I r erzählte »nd in die I edetpolste, dv i rslul» sessel geschmiegt, den llav aiiad.impt gv nutlv er sanken von sich blasend, hatte n doch all diese v ->, > clmieii llaiiseateii das I inptmdeii. als w.jie-it sn » .Aren schwarzen I lacken und dei stete u \S urdv ihrer hohen I l.dskragen mitten m einen VAnhe^ sturm und \\ olkeuhi lieh Inne U'ge rate n. und nnitllv >! mm zum eigenen I nlse l/eli. gegen ihr lebenslang an erzogenes Kulim v-seii. barhaupt und barmt» »I odi v\ asserlaclii n und l .ilfte ntie sse linicvn eines N.ii i . i e igm sse s s,di hmdurchpe itsc!>v n lassem >1 ortsetzung i"igl l N