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Die jüdische Frau · 1925-09-08 · 9 (8.9.1925) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
9 (8.9.1925)
Date
1925-09-08
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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.1T tl __Vtm Hans Btto L~tt \i.rl>im J. Pid. InuifiMchciidcn Ausfuh- i.tuiii '•uni du •irund/iiKc eines \iirlf.mcs. die i!if \crl.i-vcr. der scli"l Kein ludc ist. in \er- •. ’iiede neu KreneM der deutschen JuKc-neJhivt eHlilit »eli.ilieii li.il. I Me deutsche lugeiidhcw egung stellt kein einheithches iclnlde d.ir. Sie /erl:1111 in Lcbercinstim- 11uj1114 mit den politischen. w irtschattlichen lind religiösen Strömungen unserer /eit in einzelne Ri<htun- 4eil. deren /leie naturgemäß weit auseinaiiilcrgehen.! nies ist jedoch .dien diesen Richtungen gemeinsam: I Mis Streben nach einer besseren, glücklicheren Menschheit. I in die I rage: .Jugendbewegung und Rasse“. .der Mehliger: .. lugendbew egung und Judentum". duck t ii betr.ieliten /n können, müssen wir zunächst einmal all die kleinlichen (irundc und Argumente, die im i.Hihlischc n I a^esk.mipi eine Rolle spielen, schart .nrnckweisen ... Wahrend der wirtschaftliche und der religiöse \ntisciintisinns beide haben in vergangenen l.ihrhnnderteil eine recht bedeutende k'olle gespielt heute'kaum mich in l.rw aguiig gezogen werden, tritt der U'assenantisemitismtts krall in l.rschciiiung. I s entsteht die Frage. ,,b wir heute Überhaupt imch \ini einer ..Kusse" sprechen knnneii. Angeiangen \<>ir den sturmen der Volkerwanderuni: kminen wu durch lahrhunderte eine durch Kriege und friedhelle IJe/iehlingeii bedingte Vermischung der Volker und Kassen feststellen, dal! also nach meiner Ansicht Menschen reiner Kasse nicht mehr zu finde» sind. Man lese nur einmal das Huch Wilhelm Jenseits: I lunnenblnt ", das im Reclum-Verlag in Leipzig erschienen ist und uns in I orm einer Lr/ahhing einmhrt tu diese /iisnminciihange! Wichtiger ist die I rage. ob die in. I leutschland lebenden luden auch in I leutschland heimuthei e c li t i c t sind. Wenn ein Amerikaner nach Licutsclilund kommt und sich hier naturalisieren lallt, ist et ohne weiteres heimatbcrcchtigt. Weshalb sollte nun dei lüde, der aus < inli/ien. Rußland. I rankreich UTVO HASSEAFHAGE g g o w . Kaulseiorr ' oder irgendwoher kommt, eine Ausnahme bilden? Oder weshalb will man jüdische Familien, die oft langer in I teiitschland leben als diejenigen, die angeblich das Deutschtum in Erbpacht genommen haben, unter Frcmdcnrceht stellen? Der Jude, der in D e u t s c h I a n d I e b t u n d a r b e i t e t. d e s s e u Kinder hi Deutschland geboren sind, dessen Muttersprache die deutsch e S p rache ist und der m i t s c h a f i e » will a li der < i e s t a 11 ii n g des d e u t s c h e n R e i - c li e s . ist a u c h i n D e u t s c h I a iv d hei m a t - berechtigt! Daran w i r d nicht zu r ii t*-! e I ii sei n. In der Jugendbewegung sind unzählige Juden tätig, die wie ihr überdrüssig sind des öden, verflachenden Lehens unserer /eit. Sie wolle» kämpim*- ■Seite an Seile mit euch lur die neue Menschheit.AVer von euch wagt cs. diese Menschen auszuschließeii. \ on der neuen tiemeinschaft? — Ich weil!, viele jüdische Menschen, die mit euch kämpfen wollen, sind euch unsympathisch. Ls ist etwas Fremdes in ihnen. Ich weiß weiter, daß ihr häßlich, abstoßend zu diesen Menschen seid und sie aus eurer Mitte verjagt. Weshalb tut ihr das? Wollet ihr nicht versuchen, alle Menschen zu verstehen? Ich bin viel mit solchen Menschen zusammen gewesen und ich habe erfahren, daß es meist ^wertvolle Kräfte sind, die wahnsinnig ehrlich für ihre Idee eiutreteii. lind die ihr zurückstoßt, weil sie nicht wie ihr romantischen Schwärmereien nachgehen, sondern tatkräftig am Neuen arbeiten wollen! Liebe Freunde! Ich warne euch vor euch selber! Ihr sprecht immer von (iemeinschaftsgeist. von (ieiTTemscriaftsgefühl. Lntscheidend für den Kampf der Jugendbewegung ist der Wille zur (i ein einsc h a f t! Lud wenn ihr mit Menschen zusammeugefiihrt w erdet, bietet ihnen die Hand, auf daß sie mit euch kämpfen. Ihr steht einer Welt von Vorurteilen gegenüber! Ilrecht sie! IJrecht besonders das Vorurteil gegen die Juden und zeigt, daß sie euch gleichberechtigte und gleichwertige Mriider sind! 1 MOM.TIKRZ1ENRAT ARNOLD Lr/ahluiig von I liekla Skorra. Im Np.tisoimi usti ,ihl. draußen im vornehmen I audliausv lei tel. laßt hochragendes- Kristall einer bmggeselleiilafel in blaugoldenen Kelle ven aufletichtcn; spuvßt in Sitbvrgniben von dem I dehnelall des l.tilgeiats über weichen, milchweißen Damast Nut Ins /ii di n Möbeln dort hinten reicht seine I klitkiutt nicht mehr. Die lecken sich dunkler und schwel ii noch als sonst all den Wanden empor, .ns holen sie m der hatten .Männlichkeit ihres Stils .dlem I i stiichheileieii Itot/. das bezahlte Ilauenhande geschickt lui I c siesstunden III diesen Kaum -e/anbei I Nut die Amsel, die der Hausherr täglich nach •eii'ei I'inetstnr.de zu inttern pflegt, lugt neugierig ••ii den /.weigen des llhitahorns durch die geöffnete \ e iuiiduitii. Salieii denn die dort immer nocli bei ihrem Sektfrühstück seit dem hohen Mittag'-' kam mau immer noch nicht, ihre gebührenden Brosamen aiis/ustreiien? Mit ärgerlich mahnendem ..Kiwit". ..Kiwit" flog das I ievlein davon. Leber des Hausherrn (iesicht. das bis dahin ernster geblickt hatte, als zu der weiiiirnhe» Festlichkeit -einer tiäste stimmen wollte, huschte ein Lächeln: .Sie werden mir nicht glauben, aber dieser Vogel, der nur täglich mit lustigem Schnabelklappern mich au meine < iast freundpf lieh teil mahnen kommt, gibt mir mehr wirkliche Freude, als die Kostbarkeiten aller Lander, die Sie hier rings als mein l.igentum sehen. Freiwillig kommt er. und ich muß täglich von Neuem um seine (iunst werben. Wie schnell verliert doch alles seinen begehrten Reiz im ruhigen Besitz, den uns niemand streitig macht.“ 10

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