Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 8 (22.8.1925)
- Date
- 1925-08-22
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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schafter. der wctfcn seiner vielen kiftenarten bei den I lanien sehr beliebt war, sich im übrigen nichts d.iratis machte, wie er überhaupt auf die Reden anderer nichts nab. was schon von jeher der Fall sein soll, wie mir eine mit ihm befreundete ehemaline Rinaer lanzeriu sante. 1 »ein Alter nach folnt jetzt Richard Reti. ein cJitcr 1 nnar. der in W ien lebt:. mit seinem nroUeu Kopf, den vollen schwarzen Haaren, den etwas tief lienenden Annen, macht er nanz den Kindruck eines Raubtieres, erst recht, wenn man ihn beim Spiel beobachtet Dann blickt er unverwandt, fast stier, auf das Brett. er scheint die (iedauken seiner (ienners hinter dessen Stirn hervorsaunen zu wollen, kein Iflick fallt nach links oder rechts, selten erhebt er sieh, höchstens v;ibt er ein dumpfes. Unheil kündendes Knurren von sich, wenn der Karin im Saale einmal wirklich zu toll wird. Sonst als Spieler nefurchtet. nelann es ilun diesmal nur. auf die nleiche Punktzahl wie (irünfeld zu kommen, er war eben indisponiert. sozusaneii: doch das schadet seinem Ruhme durchaus nicht, er spielt trotzdem 22 Partien blind, d. h. ohne das Brett mit der jeweiligen Stellung vor Augen zu haben, er gilt doch als der einzige, der im letzten Jahre mit dem Weltmeister Oapuhlauca 1 übrigens der erste nicht jüdische Weltmeister) fertig wurde. Und als Mensch?_Man möchte es kaum glauben, dalt er in dieser Figenschaft ein nicht nur liebenswürdiges, sondern beinahe gütiges Wesen zeigt, sich vern und durchaus nicht etwa einseitig unterhalt und sich so viele Freunde gewinnt, wie es ancii mir mit ihm erging. aber das gehört nicht 'hierher. I nd mm zu Akiba R u h i n s t e i n . dem Mann mit dem langen schmalen Schädel und der hohen ''tim. dem Intelligenz und I nergie schon auf den “Ml^rctinii'tMii.-J-H'sicitU/in'en geschrieben steht. Kr 'teilt kurz, vor seinem 4.J. (ieburtstage. hat ein I eben voll Ruhm und (ilanz hinter sich und auch noch eine Zukunft, obwohl er keine starken Nerven besitzt. Bis vor drei Jahren war dieser schwarzhaarige Pole der gefährlichste <iegner des Weltmeisters Wenn er auch seitdem etwas nachgelassen hat. kann man doch wohbkaum von einem Aufgeben seiner großen Pläne sprechen; das zeigte sich erst diesmal wieder, wo er nur eine Partie verlor und an dritter Stelle landete. Bewunderswert an ihm ist vor allem. daß er trotz seiner Nervenschwäche diese Quälgeister völlig im Zaume hat, sich nie von ihnen beherrschen lälit und so neben l>r. 'larrasch, den wir noch kennen lernen, der -RnhtttsJe-wmH—So verschlossen und unzugänglich er in und bei seinem Spiel isu. zeigt er sich auch außerhalb dieser Beschäftigung: er arbeitet öfters mit geschlossenen Augen, seine Devise ist Denken. Denket, und noch einmal Denken! Daher ist er auch ein Meister der ruhigen kalten U'eberlegungskunst. Käst not least: Dr. T a r r a s c h . genau 20 Jahre älter als Rubinstein, ist ein geborener Breslauer, lebt aber schon lange als Arzt in München. Kr ist der Altmeister des deutschen Schachwesens, ein erprobter Kämpe, von dem alle dicW/lodernen gelernt haben. Kine untersetzte, trotz seiiles Alters tadellos aufrecht gehende (iestalt mit einem interessanten (iesjeht und vollem weißen Haar, das gar nicht zu seinem noch so jugendlichen Wesen paßt. Ruhig wie kein anderer sitzt er seinem (iegner gegenüber, nichts kann ihn aus der Ruhe bringen: selbst wenn er nach langem Kampfe einem Jüngeren unterliegt. und das ist nun einmal nicht anders möglich. — gibt er es ihm in höflichen Worten kund, in denen man beinahe eine gewisse Freude über die 'Dichtigkeit der jetzigen Schachgeneration zu verspüren glaubt. Man kann von ihm mit Recht sagen, er hat mit der Zeit Schritt gehalten, und das ist heute wohl das höchste Lob. das man einem Manne spenden kann, der über sein bestes Alter hinaus ist. Dr. I arrasch gilt daher noch heute in allen Schachfragen als Autorität, die zu befragen keiner versäumen will, der die Ordnung liebt; und wer mit ihm irgendwie in Berührung gekommen ist. wird sich gern daran erinnern. Wie nett und freundlich er war. noch als Alter ein (icntlcman. der für alle Kragen der Zeit ein nicht mir geheucheltes Interesse zeigt, der sogar — mit der Jugend einen Jinnnv tanzt, wie er cs auf dem Fest des Schachklubs ..Morphy“ in Breslau tat. — Und was will man heute mehr!- MIITT1E1RSCIIAFT Von Oer I rud. Ich gehe durch den Sommer, glückv erstummt. Mein Merz ein jauchzend stilles kiedchen summt. Ich trage meine Käst nur wie im Traum. I »er Rock umhullt sie warm, es wippt der Saum. Ich 'ehe Kinder au mit neuem Blick, Der sucht in ihnen meines Kinds Beschick. Uh seh mit atidetm Aug' die Männer an. I nd affe sind sie X ater. Mann für Mann. <ilückstruukcn. müde sitz ich auf der Bank. Die Arme schlaff, die Finger weiß und lang. > Sie tasten scheu am Kei.b nach meinem Kind, Da zuckt e$ auf; ich lächle tränenblind. In hellem Raum seh ich ein weißes Bett. Und Schvvcstcrnschiirzc. Haube, blank, adrett. Km Arzt sich freundlich mir entgegenneigt ( Und mir ein schreiend-pralles Bündel zeigt. Das leg ich zärtlich an die volle Brust. Des Mutterglückes werd ich stolz, bewußt: Der Kiebste ist verklärt, er lächelt fein. Da schreck ich bang empor.-Ich bin allein.