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Die jüdische Frau · 1925-08-22 · 8 (22.8.1925) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
8 (22.8.1925)
Date
1925-08-22
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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»AS VIERTE Lun Skizze aus dein Familienleben von M. Spektor. (Ali'' dem Jüdischen.I ' .Wozu liahe ich mich beeilt, ihn mit der Hohen P.otsch.iit zu uberrascheu -’" dachte Mira mit lUd.niern, als ihr Mann Jonas das /immer veriasse» hatte, um in das Kontor zu Zellen, wo er als Korrcs|iondent arbeitete ..kh konnte mich nicht beherrschen . . . (ioit. wie wurde er Malt, als er meine I urze Antwort vernahm: Jawohl, es scheint so!”,., t ml in dei lat. hat er nicht (irimd. unzufrieden zu sein? Sechs fahre sind wir verheiratet, und haben schon drei Kinder . . . Nun ist das vierte unterwegs . . her arme Mensch plaict. sich 'Laif-und —NaeJttr erohiit sich keine Ruhe. und alles für die k mder .1 he Kiiiurtnisse M achseii in einem fort. . . I»u wechselst zehn U’iibel. und elf du diclis versiehst, sind sie lim . . . I me Kleinigkeit, was drei Kinder brauchen . . Schon diese ew keil Aminen . . Li. lieber Mumucl. wenn man wenigstens diese Hlacc nicht zu keimen biauchte! hie kosten ein Ileideiiücld. verlangen das beste I ssen und I sinken, und nimteheis mul! mau mit ihnen, wie mit einem ungekochten Li. Wace es. ihnen einen Wunsch abzuschla'-ten. so lassen sie diJi einfach sitzen. Sie sind Herrinnen im lLuise I nd er. vier arme Mensch, ertragt das alles sv hvv eiceml . . . Mit seinen drcilüe Jahren sieht er heute aus, wie ein \ierzi'<er: sein Haar faiurt schon all. eraii zu weiden, wahrend andere in seinem Alter noch uuverheiiatet sind . . . Seine W anken sind ein- :e lallen, ehe llaltuiu ist gehuckt. I alten zeigen sich aut der Stirn, mir die blauen Atmen halten noch.den irnhereii (ilanz bewahrt . . Wer ist daran schuld? kh leeles zweite Jahr bekomme ich ein Kind . . . Schon ehe Ammen allem können einen eraii und alt machen . . Anderseits, habe ich das erste Kind nicht se lber eesiillt? l Umleieh der Arzt es nntersaetc Ivb wollte, dal, meine Kinder die Milch ihrer Mutter tunken . . Aber nach der < ielmrt des /weiten brachte Ion.is die Amme ins Haus, ohne mich erst zu betiaceii . her Arzt iimlt cs wohl sehr entschieden . e toidei I haben . ." 1 I nu KU me ILmd. die ihr über die Wauee fuhr, wickle Mira aus ihren < icdunken. hie Kleine, die in ihren Armen'schlummerte, war erwacht. Ach hott”, net sic erschrocken aus. ..der lisch id noch nicht abcedeckt. das /immer noch nicht nuf- •..er aiimt". mi wollte, das Kind-in die W ieee lernen, aber das Kind protestierte energisch: es hatte Lust, aut den Annen der Mutter zu spielen. ..Na. bleib doch tiefen und schlaf lieber, du kleiner l nhand", aber letzt fiel ihr Hl ick aut 'die lachenden hellen Alicen des Kindes, sie beitete sich hinab und kultte es. Als Mira mit Innus < ilasmaim bekannt wurde, war ii zwanzig und sie siebzehn Jahre alt. Haid fulilteii sie sich zu einander auf eine besondere Weise luncezocen und eimee /eit nachher war es ihnen H.n. dali s,e zu einander celrorten. I.r war damals m demselben Kontor besclia.rtict. irr dem er auch jetzt ai bi itete vu |cl sein Inhalt belruc iuntimdz w aiizie kubil monatlich, was m einem kleinen polnischen Mailichen dazumal tur einen alleinstehenden iimccn Mann vollkommen ausreichte. Miras I Ilern hatten nichts ciCen die Acrbindime. auch die Litern des mimen .Mannes machten keine Firiwetidtuik'cn. zumal die Hraut achthundert Rubel mitbekam, von denen die Hallte gleich auscez.ahlt wurde. Nach dem üblichen Innreren Hrantstand wurde Hochzeit gemacht und ..(iott und Menschen freuten sich", wie man zu saeeii pilcjiJ.'über das passende, schone Haar. Nach der Hochzeit verdoppelte der Chef aus freien Stucken das< iehalt seines .Angestellten, und das rijehte vollauf zum Leben hin. Ausstattung und Linlichtimvr hatten die Litern beigesteuert. die MiUiiit wurde.auf die HaTiJT^eeeben. Dem jungen Haar floLi das Leben kleiner 1.eilte in bescheidenem (jliiek uu- ■..ctrubi dahin. In der Zw eizimmerw ohntme herrschte die peinlichste Sauberkeit und stiller Friede. Lin lulir nach der Hochzeit kam das erste Kind, ein Ki.abe. und brachte eine gründliche Aenderunv: im I eben des kleinen Hausstandes. Haid erkrankte das Kind, bald die Mutter. Abgesehen von den Unannehmlichkeiten. verschlang das alles viel (ield. Dazu kamen eine Menge nnvorhergesehener. fortwährender Ausgaben. Das war aber alles nichts im Vergleich mit der W onne, die ihnen das Kind bereitete. Jeder I ag war eine Duelle neuer Freude und neuen Lntz.iickens über die Schönheit, die Klugheit und Fröhlichkeit des Kleinen. Als er anfing zu stammeln und die Litern daraus deutlich die Laute ..Hapa" und ...Mama" heraus horten, kannte ihre (ilückseligkeit keine < irenzeii. <»»gleich sie wohl fühlten dali ihr Leben erst jetzt den rechten Inhalt erhalten hatte, beschlossen sie doch nach reiflicher Ueberlegung. dali sie. wie die I »Inge nun einmal lagen, nicht viele Kinder bekommen durften Nach vier, fünf Jahren, so ungefähr. wenn die Linkünfte sich gesteigert haben werden und Mira ihre (iesundheit ganz w ieder erlangt haben wird, dann konnte es nicht schaden, wenn ihnen noch ein Kind geboren wurde. Dann aber nach einer gleich lange» Hause konnte wieder eins kommen. Aber mehr als drei Kinder durften sie nicht haben. Zwei Knaben und ein Mädchen. Sie durften nicht vergessen, dali sie nicht zu deu Reichen gehörten. die sich den Luxus des Kindersegens gestatten durften. Jonas (ilasmaim war nichts als ein Angestellter in einem Kontor mit milbigem (iehalt. und Kinder kosteten < ield. ..I >rci. dasist das Höchste, v as wir uns leisten dürfen", sehlolt der < bitte diese Hetrachtuncen im (iespräch mit seiner I ran. „Wer nicht imstande ist. seinen Kindern eine gute Lrzieli- . uug zu geben, so dal! sie nachher ein gutes Fortkommen im Leben haben, und nicht anderen zur Last fallen, darf keine vielen Kinder in die W elt setzen. Dann noch etwas", fügte er schlichtem hinzu. „Du n,rillt auf deine (iesundheit Rücksicht nehmen. Unser Kind ist schon. \ on wem hat es die Schönheit? Von dir! Wirf imr einen Hl ick in den Striegel, und du wirst zngeben. dali du dir Ruhe gönnen niiillt. mindestens einige Jahre lang." Mira tnutete zngeben. daII ihr Mann vollkommen im Rechte war. I rotzdem waren beide. Hatte und (iattin. nicht erschrocken, als ihnen nach drciimdzw auziir Monaten klar ward, dali ihre Familie demnächst einen Zuwachs erhalten wurde, (ianz wider ihr eigenes Lrwarten fühlten sie sich beglückt. 2

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