Mannheim
Compact Memory

Die jüdische Frau · 1925-08-07 · 7 (7.8.1925) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
7 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
81% known words query
IRI
…/4899998-4932193-4932279--152-4900142
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Und er wartet wie in einer keheimen. brennenden und bekehrenden S-diiiMicht attf den klangvollen Ton ihrer Stimme. IT wünscht. daü sie uiikciabr so zu ihm spricht, ja. I >» kannst mich ent sehen n id I »eine*; Anken sind nun kan/, kul keworden . . . sie sind nun/ kut kcwordem. Aller sein Wünsch zerilielit ohne ITtiilluiik. Nur uas Strejeln-In iliriT Hüllt .I ihr n iniu r Ali in vimt lehendik und ihm kan/ nahe. Nach einer Weile sehwinken in sein (ielior dach noch Worte von ihr. Diese sind fast kark und wie mit (iewalt kestolten. aber von einer unendlichen Darmhcrzikkeit erfüllt. ..W ir w ollen nun heinikehen. W'eibt I 'u. die Drctel wartet auf uns. Sie hat dieses Jahr wunderschöne Dluinen im (iarten. Das ist ein Duft und eine Freude und das Summen der Dienen höret nimmer auf." Als sie dies kesprochen hat. richtet er das Haupt empor und seine klan/losen Anken suchen mit einer tastenden l'mklammcriuik ihr (iesieht. l'nd sei1' Stimme ist in einer zökernden l.iikcw iliheit betanke.i. ..Aber kann ich diese Hlumeti sehen . . . kann ich ■sie sehen?" Da fühlt er, wie sein Arm von der Mutter Hand fest kehalten w ild, als befürchte sie. er konnte damit irkend eine IJnvorsichtikkeit bekehen. „Du wirst die Hlumeti sehen." Sie sakt das mit einer kanz hcstimmtcu_Hcloniink. als wäre.sie auf einemW’eke. der weder nach links, noch nach rechts einbiekt. sondern sclinurkerade auf das Ziel zuführt und sich von keinen Schranken und Hindernissen unterwerfen lallt. Auf dem Heimwck hält er an einer Strabcnkrciizuitk seine Schritte plötzlich an und sucht sich von seiner Mutter loszuntachen. „Ich bin doch diesen W'ek früher immer kecankcn. Immer allein kekaiiken . . . ich weilt das und weil! den W'ek. Fall' es mich allein probieren." Fr draiikt die Mutter von sich. Sie aber stoLit voller Ankst die Worte über die Lippen;.. „Später . . . jetzt noch nicht. Du findest nicht heim." Fr schüttelt das kesenkte Haupt, da er seine Schritte wieder aufninunt lind flüstert: „Ich finde nicht heim, sakst I hi. Aber ich weil! doch, wo ich daheim bin. Soll das nichts sein, wenn ich das weilt?" . . . L'nd als konnte er die Sonne sehen, reckt er das Haupt empor. „Fs ist warm auf dem W'ek- Die liebe Sonne klünzt wohl in aller Herrlichkeit am Himmel?“ Diesen Worten folkt eine tiefe Stille. Nur-das Oeriitisch der ScTTritte ist in ihr lehendik und das Leben der Strabe zittert hastend vorüber, unbekümmert um die Schicksale der leidenden Seelen. Jühliiiks aber bebt doch wieder eine karke Fräkc. '„Warum ist die (iretel nicht mitkcknmmen?" Die Mutter überblickt ebenso plötzlich das (iesieht ihres Sohnes und besinnt sich auf eine Antwort. Und sakt dann kanz leis lind sanft: „Die (iretel wartet daheim auf Dich. Sie hat Dein Zimmer hell lind freundlich kemacht und wartet nun. Dich hinein zu führen." Leber das (jesicht des Hlinden lutscht ein feines Lächeln. Fast w erd kn seine Schritte ein wenik schneller und wie beschwinkt von kchcimnisvollen Kräften, l’nd dies Fächeln kleicht einer Drucke, die mit starken Dokett in das Leben hineinfuhrt und von der man sakcn konnte, sie trotzt allen Sturmen. Als sie durch das Darlehen keilen, welches wie eine köstliche l inralmnnik das kleine Haus verziert, kommt ihnen wie ein sanfter Strom ein viclfaltiker Dluuieiiduft eiitkckcn mul ist kleichsam wie eine milde Hand, welche lieblich die (lesichter strekhelt. Ist aber auch kleichsam wie eine Stimme, die vi unnennbar klinkendes Ionen duuli die I uft /nur labt und wie eine weiche. iMinbechi..kte \ lolmso nute verschwele ' lud diese Minime sendet den vv imdcisamc.il Drillt der Liebe aus. „Siehe. Du sollst kcknillt sein. Mies \ ei lassene in Dir lall zerrinnen zu einem NiJitniehr. Mies I eidende schlitte aus Deinem ller/eii und die lace lall Dir froh sein und heilet. Denn die 1 lebe ist mit Du. Die schvv iiikende Musik beflukelt die Schritte des Dlindeu. I nvermittelt reillt er sich von dein \tn der Mutter los und stellt kanz still. | ,,, impulsives Lauschen pr.ikt sich auf seinem Dcsicht. 1 ml kit.c Schlitte hoinmeti ihm naher. Da ueikt sich sein Oberkörper vor und wie ein Schrei stobt ihm das Wort über die I ippen; „(iretel. wie ist es mir. . . . dab Du da bist." Lud kein Wort weiter. Die Amten weiten suh und werden kroll und schon, so dab man s.uei: konnte, nun haben sie doch noch einen vv umlcrs.nm n Dian/ bekommen. Die leinen I rauenhaiide cr/utcin in den seinen, die starr und uiihevv ekheli vorkcstivskt sind, als warteten sie aut das Detraiiteln luinmlis«.hei I ropfeii. lud die blonde, schlanke (iretel nukt iIim.ii blühenden Leib, neikt lieblich ihr Haupt. Alle Wo, te. die sie sich vorkeiiomnieii hat. za sakcn. ersticken schon im Innern. (iauz leise und fast uimierklich ttopteln ein paar Irwinen auf die /iisaiiiinciikeprcblcn Hände Von ilkeiTtbiVti schwellt ettre Iculcf lullte Sehnsucht. l'nd die Mutter steht lautlos daneben. Di'iieki beide Haiidtlachen ins (iesieht und inan weih nicht.’ was in demselben kcschieht. , Ihre Seele aber betet. In die krolle Andacht druiikt stell behutsam hie tels Stimme. „Wir wollen hnieinkehen". sakt sie fast tut sich. „Ls wird noch alles so sein, wie es war . ei kundikt sich der Dlinde. (iretel lächelt ein wenik und da sie die Mein stiiien hinaiilkehen. erwidert sie: „Fs ist noch alles so. nur dab wir jetzt Dluiiie n haben, . . . viel Dlumeii. die das kuiize Haus itoli »ml heiter machen. Du wirst Dich nucktreuen." „Deine Hände haben dieselben ins Haus ke. trav-eo------ " „Meine I lande . . . tnr Dich." „Wie werden sie schon sein. Aber idi . . “diese Anken." ... , . Seine Stimme bebt schmerzhaft aus. Die ein. Hand zittert auf der Stirne. „Du wirst sehend weiden und siehe, wo vvvT den viel I reude und (iluck haben. ' „\ iel Freude und (iluck . . wenn Du es s.iksi. wird es so sein." Sein < iesieht ist dein ihren zukewandt' und eine wundersame K’ckuiik hekumt m ihm zu Walten und das Feuer seines Höffens schw illt wie i nie lull brennende Fackel auf und dnrehlemhlv I klar und lein die nicderkcsunkcne Nacht. I nd die?somie der Liebe überstrahlt jeden l'iavl den er innerlich vor sich sieht, so, dab ihm .dl« Aeiikstlichkeit zerrinnt vor den warmen Dluteii «I« s neuen Lebens. 13

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.