Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 7 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/4899998-4932193-4932279--145-4900135- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fH.lK.il St mcIi kein' Müll. Krau Dukten ich will in ktni As\l im will in ktiii Allfraiicnliaus. ich will m iiici Muh bleiben." - ..Was htkl.ut Ihr laich denn?" ..Aber hi mci Stilb ith weil! »ich es is mtr mi leer da." ..So leer i" : „Ja. iv ithll mtr was." „Das habt Ihr neulich dem lltrr» (ians schon besaht. und wir habt» laich doch bleich dt» schont» I thiistnhl besorgt." ..I ».*s is schon laue' her. da war der Mucl »och da." ..Als«», was fehlt laich dt»» letzt »och? Wollt Ihr vielleicht »e Lußbaiik habe» oder ei» Kissen? . ..kh brauch kein Kissen im brauch kein' Liißbaiik." . . Ia. dann w eil! ich wirklich nicht . . ." Ich weil! selber »it. aber . . . 's is mtr so feer." Ich komm morgen mal vor und sch mich bei I »eh um. jet/t habe ich.-ktine /eit mehr. Adieu K'oscheii." ..ha", sie druckte der alte» I ran et» Markstück in die Hand ..macht laich mal '» kleines I \trav crhnuhcn. es ist heut so schon." Sie achtete har nicht daran!, dal! die alte Lrau sich nicht In dankt«.. sondern mir mißmiitib mit dem Kopi sjnittelte . . . Sie sah mit ihren hellen Kinderaiibcn in den < da»/ des Nmnners und ei» bchlückeiieTes (ieinlil starke», reiche» Lebens diirclistromte sie. Mas alte h’oschc» sah aut das Markstück herab, das. wie ei» toter Silbertisch auf einer braune» Lrdscholle. in ihrer Hand Ine. ..'» I \trnverbmibcn?'-’ murmelte sie vor sich hm. ..I in mich eihi's ni\ Lxtras mehr im kein Ycrhinibcn. Aber letzt hab ich soviel /aisaim»'». dal! ich liier die schwar/e >clmr/' kauien kan», vvu's >ch.i»ettche an /» kaufe» is. da ärbert se sich, das neid sche Stuck." ..I rau I loktor. ob das recht war,, hißt der Brieftrneer traeen." Anna steckte eine» feuchte», tote» Arm durch die Turspalte und balan/ierte in de» beide», am wenibsteii scifihcn Liiibcr» eine» croßen, etwas uiiheschmiitzteii Brief. „Zeihen Sie mal.” ..An die I ran Ihikter Ster» \\ olikeboren Nummer IJ oder Jl" — dann der Name der Stadt stand in unbeholfene», v:roßen Buchstabe» auf dem strciiibe» Kuvert. I las soll wohl stimme». Anna." --brau I »r. Ster» kannte sich aus in Armeubrieic». Sie oifnete und las: ,.(i.ehrte Lrau Ihikter Wolilhcborc». Nämlich »it. weil es »it eutes l'ssen war oder die Stub /u klein. Nu mal weil der Jakob bhereseher mimet von mein stals von sein I abak Hemmt. Auch ist di i lorsland sehr aiistandib un immer frische Wasch Aber es fehlt mir was un is dises woll das K h ce w ehnt bin das Hier I jneT~Atrsschi»ii'fb W’eiiibstens leden Ine einmal. .Mcchtcnnu u» sj Konnte» I s mache» beerte trau Ihikter W phlbcborc». das se Mer tun Widder /»ruck II» bei meine frau Rosche* was is n Soiau l nberufeti. Aber was der Mensch is hcvv elnit.. das is i ee vv elilit . Ihr vreerter Samuel Iler/." Heil! stiec die /ornrote ihr in die Waiiben. Da hatte 'ie im» alles cvta» um diese» beide» querkopfice» Alte» eine» nihiecn Lebensabend /» verschaffe» mul imii 'J . 's is so leei m me, Stilb" und „W as der Mensch bewohnt is. das is r bewohnt." Da drängte der gleiche Wunsch hindurch: Nur wieder zusammen sei». Sprach das,Herz so. die Seele? Oder war es nur diese starke Macht, die den Alltuh regierte, war es nur die < iew ohnheit. die die beide» Alte» wieder zusammenzw a»b? Sie fühlte ihre» Zorn vergehe». Ls nab auf Lrden keine sehne» (iettldf lind ,-s e'iib lohne e’hernhim I lamil mußte man sich abfinden. Sie las in Ruhe de» Brief noch einmal durch. Ja. diese beide» Alte» das waren die van/ Arme» des Lebens. Die waren immer' mir durch die nraue Lbetie nenannen. Niemand hatte sic aus ihrem dumpfe» bürbaßwaiidern erlöst, keine deutende Hand ihre Blicke auf die Schönheiten nelenkt. die Natur und Kunst auch den Aermsten schenken. Ihr Menschentum war schon im Keim erschlanen worden von de» Klanen des" YITU.'r***4*u», Seufzern der Mutter. Das Leid des Lebens benrüßte sie bei ihrem Lintritt in die Welt, und das Leid des Lebens bi»b ihnen zur Seite durch alle Stunde» ihres Daseins, und sornte nut cjaftir, daß die Lebensfreude ihnen fern blieb. I nd jetzt war es zu spät für die deutende Hand, die ihnen die Wunder des Lebens weise» wollte, jetzt brauchte» sie nur eine milde Hand, die ihnen ihr bißchen Dasein »och lebenswert zu mache» verstand. — Und die h'rnu mit den vertrümTfle» Amten und dem tapferen Herze» eriff nach einem Botten, de» sie mit der Adresse des Asyl- Aorsnmdes versah, und nach reiflicher L'eberkirumt und unter vielen Stirnrimzeln schrieb sie: „Ls ist mir vehr peinlich, aber . . ." und brachte ihre Bitte vor. » Und so sollte denn Samuel Herz wieder zurück-' kehre». Lrau Blaustei» kam und entriß Lrati Dr. Ster» der „Brutstätte der Sünde". So hieß die Deherschrift des dritte» Kapitels im neuen Roma», der w ieder in den ttewolmten Kreisen spielte. „Bitte. Lrau Blaustein, mache» Sie 's heute kurz, meine Irene mul! unhedimtt eine» neue» Winterpaletot habe» und der kostet vier. Kapitel. Sehe» Sie mal" dabei wies sie auf eine Anzahl Seite» in ihrem Buche — „das muß ich heute »och alles übersetzen." ..(iott. Lrau Dokter, ich sair* ja. so '» Chein. wie Sie" .... „Lassen Sie sich kurz. Lrau Blaustein. Kommen Sie vielleicht weiten der Kohle» für Neubereers? I »ie sind bereits bestellt." ..Nein. Lrau Dokter. ich komm . . . Sie wisse» doch, der Samuel soll doch übermorgen zurückkommen . . ." „Na und da hat er beschriebe», er will lieber dableiben, was?" „Lin für allemal. Lrau Blaustem, die Herzaneelebcnheit ist nun erledigt, kein Schritt mehr, kein Wort mehr." „Lrau Dokter. wen» »um nicht wüßt' was Sie alles eetan haben für die beiden, man könnt wirklkJl_J!!cincMU Sie hätte» ’» hartes Herz, aber man weiß" „Lrau Blaustei»“ Lrau Dr. Stern sah auf die I hr „ich bebe Ihnen noch zwei Minute» Zeit ..." „I rau I »okter. ich bi» schon in' »er halben Minute lertib. Also, ich komm' eben von der Herz. Sie ist bew,ß kein buter Charakter, un wenn 's nicli um den Muel war. für ihr vviird ich auch kein Schritt mehr machen ..." „Lrau Blaustem, eine Minute ist schon vorüber.“ „Ich wollt bloß noch sabcn. I ran Dokter. e^s ist mir wirklich nah bcbanben. (ieweint hat die Lrau. als ich ihr besäet hab'. daß der Muel nun bestimmt 6