Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 7 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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KIXK UKITKLICHE KHK Von Josefa M e I /.. (Fortsetzung.) Frau Br, Stern hatte sich sehr bemüht, der alten lichtlos l.rhlnhtcn ein biHchen Sonne schenken Frau Herz einen Freiplatz im jüdischen Altersheim wollte, der benachbarten Fro\ inzialliauptstadt zu erw irken. . Nun schrieb man. dal! wohl ein Platz für einen Mann. hie Kastanien zeigten schon ein paar gelbe I in - aber nicht für eine Frau frei wäre. - «er an ihren breiten Hlatthandeii. hie Kahne waren ..Was machen wir da?“ wandte sie sich an mit Obst beladen, her W ind blies leicht, so dall das Frau Blaustein. die, wieder mit sämtlichen Klagen Wasser des Kanals sich kräuselte, und zitternde dcT'Tm^spriKdivcijIleii (iemeindearmen belastet, vor -Swmenreflexe hin und her «litten. I nter den Kafihr sali. ~ ——- ..Köim'ii wir »ich den Muel schicken statt dem Rüschen?“ „Wir können doch nicht den kräftigen Mann hinschicken, hie Frau braucht Pflege.“ „(iott, Frau hokter. wenn die beiden nur auseinander sind, das is schon Pflege genug." „Aber ich habe doch ««schrieben, daß die Frau so schwach ist und «Ute Pflege braucht, henken Sie. das Altersheim nimmt so ohne Weiteres jeden auf, der sich «er» verpflegen lassen möchte, ohne krank oder «ebrechlich zu sein?“ „S’ Alter ist auch 'ne Krankheit.“ „Na. ich will mal sehen" . . . Frau Br. Stern biß auf ihren Federhalter und dachte ein wenig nach — „vielleicht fällt es sich machen.“ „Frau hokter wird's schon machen, hie Frau hokter macht aus ne Frau ’n Mann, wenn ’s sein muH. Adieu Frau hokter.“ — Frau hr. Stern wandte sich w ieder ihren englischen Halhmkeu zu. Sie schrieb ihr Kapitel zu Finde, huiin machte sie sich daran, dem Vorstand des Altersheims den Ilmtausch einer alten Frau in einen alten Mann vorzuschlagen. O her Vorstand des Altersheims wunderte sich doch ein weni«. als der von der Frau hr. Stern so warm empfohlene Mann eintraf. „Sie sind doch noch «anz kräftig und «esund und noch sehr rüstig für ihr Alter“, meinte Herr Freund, der Vorsteher des Asvls. „hie Zähn’ hah ich noch, unberufen, im ne Brill brauch ich auch noch liit. unberufen, uu was mein Magen is. unberufen . . . nur eins. Herr Vorsteher. Rotkohl der bekommt mer nicht.“ „Nun. ich denke die Kost wird Ihnen bei uns schon zusa«en. eine bestimmte Krankheit haben Sie ja nicht, also . . .“ „Lnberufen. nein. Herr Vorstand, ’ne Krankheit hab ich uicli. ich hab nur ’ne Frau, unberufen.“ „Was meinen Sie damit?" „Ich will mer nit bekla«en. aber sc hat unberufen fufzi« fahr mit mir geschimpft . . .“ „Ja. ich hörte. Sie haben im ver«an«enen Jahr die goldne Hochzeit gefeiert, und ich muH Ihnen sagen. es wundert mich eigentlich, dall Sie sich auf Ihre alten Tage noch von Ihrer Frau trennen wollen. Nie Frau I >r. Stern schrieb mir aber, es sei Ihr Herzenswunsch. in unser Heim aufgenommen zu werden,“ „(iott. Herr Vorsteher. Sie wissen garnich, was mer sich in so e langer Zeit zuwidder wird.“ Herr Freund lächelte vor sich hin. Fs war ein wunderliches Stückchen Frdenland. das er mit bebauen half, dieser Abendgarten, der Annen, Müden. stanienbäiimen ging Frau Hr. Stern langsam am l fer entlang. Sie nahm mit allen Sinnen die Stimmung des schonen Spätsommertages in sich auf. . . . Nun. da die Bäume Früchte tragen. Her Sommer letzte (iuaden schenkt. Fnd uns mit seinen goldenen l agen ... ...Ach was." Sie machte eine Handhcwegung als ob sie etwas \oii sich schieben wolle. Immer wieder tauchten diese lyrischen Klänge, manchmal auch nur als wortlose Rhythmen ihr empor, wie kleine Wellen sich erheben, um kraftlos zuruck/usinken und im grollen Meer zu verschaumeii Mas war Tändelei, halbe Kunstlerschaft. \erdrangte die klaren (iedanken und lenkte \on den Hingen des Tages ab. Sie konnte sie auf ihrem ernsten Lebensweg nicht gebrauchen. Aber wie sie sich auch wehrte, sie tauchten immer wieder empor: wenn sie durch eine schone Landschaft ging oder gute Musik horte, ja. selbst im'Tempel zuweilen, wenn alles in Andacht versunken war Lud sie trugen sie aus den (ileisen des Alltags fort in unbetretene Länder, wo alles Klang war und Harmonie. Luft und Stille. Lin zaghaftes „Nu. keim’ Se mer uicli mehr. I ran Hukter?“ lieh sie aus ihrer Träumerei auffahren. Röschen Herz sSll. in ein dickes Wolltuch gewickelt, einen Warmkrug zwischen den Fingern, auf ihrer Bank. Sie sali ganz in sich zusammengesunken. grau und trostlos da, und wirkte wie ein tru* her Fleck auf einem schonen, leuchtenden Bilde „Ich war so in (iedanken. ich hab Luch wirklich nicht gesehen. Lin herrlicher lag heute“, entschuldigte sich Frau I »r. Stern. „Lin lag ist wie der andere, schlecht sind se all mit ‘minder.“ — - „Na. Röschen, wer so wie Ihr -mitten ui der schonen Sonne sitzt, der sollte sich nicht beklagen.“ „Was hab ich von der Sonn? Sie ist da oben, uu ich bin hier unten und krieg wenig genüg Wärme davon ab.“ „Ihr seid nun mal ein bißchen frostig, habt zu wenig Blut, aber 's wird schon noch reichen. Röschen. Sonst gelits IVielt doch jetzt gut?" „Was heillt gut?“ „Na. Ihr habt I ure .Ruh und I ureii F rieden, und der Samuel ist gut aufgehoben im Asvl " „Wie tncr's nemtnt." „Was soll das heillen. hat er mellt alles was er braucht?“ „Fr hat “ „Ja. das ging mm mal nicht anders Sie konnten l ucli nicht nehmen, weil sie nur Flat/ für einen Mann hatten Hie Hauptsache war aber doch, dal) Ihr auseinander kamt. Aber wartet mal . da fallt mir ein . . ich hab so was gehört, als ob im Altfrauenhaus ..." 5