Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 7 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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im entferntestetud;ira11 zu denken, ihren W’itweiistubl zu verrücke».- Nach zehnjährigem W ifweiisiaiide .ilier entschlicht Me sieli zu einer W iederv erheiraten^ find zwar mit dein damals sehr reichen Bankier liirrz (Ccrvc) l.cvy. wie wir bereits ungegeben haben, in Met/ Sehr eingehend schildert sie und in kulturell sehr bemerkenswerter Weise das häusliche leben. Sem Kontur hat. wie sie wohl etwas übertrieben erzählt. voll (johl und Silber gesteckt, so dall man nach dem Anschein ganz anderes hatte erw arten sollen, als wie es leider gekommen ist. ..I r ist schon lange Vorsteher der tiemeinde gewesen und nach seinem llehhl ist mau wirklich aus- und eingegangen. .ledermann hat ihn geehrt und gefürchtet, luden sowohl, wie Nichtjuüeii. I ine /eit ist so wirklich in grober Veigmighchkeit d.ifimgeg.mgeu. denn es hat mir an nichts gefehlt; mein Mann hat mir (ield gegeben, soviel in der Ilaushaltung aiis/ugeben notig war. Ic'.i habe aber gefunden, dall dfe lungfer im Mause I len und Meister gewesen ist. und dall sie alles untci ihren Händen gehabt hat. alle Speisen, ganze I lute ur't Zucker und andere Sachen, so dall sie mich gar niJit gefragt hat, was sie kochen oder machen sollte." I 'ies gefiel mir natürlich durchaus nicht. Ihre Stiefkinder, die schon verheiratet waren, haben ihr auch gar oft anzuhoreti gegeben, was für < uites und Angenehmes sie von ihrer seligen Mutter gehabt hatten. I iiügen von ihnen hatte diese wirklich ihre II nishaltung ganz ausgeh.ilten. „Ich konnte nun solches nicht tun und habe meinen Stiefkindern nichts anderes von lltwuren geschickt, als was olfentlich war. wenn wir etwas besonderes gehabt haben. Wenn ich am Treitag für 1 » Kcichsthalcr (ungefähr I Trane) Sabbatobst gekauft habe, hat man mich nusgelacht und gesagt, dall sonst immer für mehr als 1 K’eichsthaler Sabbatobst gekauft und jedem Kinde e.tn/e Korbe voll ins Haus geschickt worden seien. Ich habe mir solches eine Zc't lang gefalle» lassen und habe doch < iott gedankt und gemeint, mein langes Walten in meinem betrübten Witwenstand gut angelegt zu haben, wenn mir auch alles mir „eine I reude mit Zittern" gewesen ist;" I s kam aber doch bald zu einem Zusammenbruch di s (iesch'iftes ihres Mannes. Auch ihre Solmj verloren dabei t ield. „Wie habe ich mich", so berichtet sie weiter, „gegu.'ilt. mein Mann hat sich verbergen müssen. Als die vjrcdiloren es gewahr wurden, haben sie .< <icrichtsdieucr ins Haus geschickt; die haben eine Inventur gemacht und alles bis zum K'egal an der Wand aufgeschrieben und versiegelt. so datj sie mir nicht Gneise für eit"' Malilz. it gelassen haben." Me hat in der Stube gewohnt, dann hnhui sich die .U icrichtsdieucr auch auigehalten. und sich als die Herren gefühlt. Niemand hat ausnm) eingehen elurteil. Habe sie am l äge einmal Weggehen wollen, da haben sie sie untersucht, ob sie etwas bei sich hatte, bildlich hat l.evv einen Akkord mit seinen Creditoren gemacht. Hie haben gesehen, dall er ihnen alles hergegeben, was er gehabt hat. I'a haben sie selbst Mitleid mit ihm gehabt und haben sich erinnert, dall er in seinem Wohlstand soviel t uites getan hat. Aber das l ngluck hatte (ilückel und duen Manu so schwer getroffen. daU sie wirklich oft kein Hrot im Hause gehabt haben, t.r hat sie bei seinem im lalirc 171.' statteehabten lode im I lend und in l rubs.il sitzen lassen, wenn auch vollkommen schuldlos. Sie wellte wirklich zu Zeiten l icht, wo sie l lUctknmmcn finden konnte. I in I amiheuvatei. namens Jakob Murpur. hat ihr ein Kienes Kämmerchen bauen lassen, worin sich aber kein Ofen oder Schornstein befand. Sie durfte wohl in seiner Küche kochen und auch in seiner Wimersiube sein aber wenn sie zu Hett gehen oder sonst in ihre Kammer gehe» wollte, tnul'te sie 22 Stufen hinaufsteigen, was ihr natürlich gar schwer angekommeii ist. so dall sie die meiste Zeit uupalllich gewesen ist, Also auch wiederum: „Sic trassit gloria imiiidi." bildlich hat ihr Schwiegersohn. Moses Krimibach-Schwab in Metz, sie aufgefordert, in sein Mails zu kommeti. rr'tfölfinijr ein Zimmer geben, dal! an der Lrde wäre, so dall sie nicht die hohen Stufen zu steigen brauche. I »er Not gehorchend zog sie auch im Jahre 1715 zu dem Schwiegersohn und der Tochter. Sie taten ihr alle Lllre in der W'elt an: von allem wurde ihr das Meste aus der Schüssel vorgelegt, mehr, als sie sich wünschte und begehrte. Sie flüchtete deshalb, dall ihr solches, (jott behüte, au ihren \ erdiensteii. deren sie gar wenig habe, abgezogen werden vvürde. Wenn sie von der Synagoge, wo für die Seele der frommen Mutter des Schwiegersohns I'sahnen gebetet w urden, nach Hause kommt, findet sie ihr Lssen, drei oder vier (ierichte. alle mögliche» Leckerbissen, „die ihr gar nicht gebühren". „Ich sage meiner Tochter oft. lall mir doch nur ein wenig stehen“: aber meine Tochter antwortet mir: „Ich Jvoche um deinetwillen nicht mehr oder weniger." Mas Lhepaar Moses und bst her Krtimbach-Schw ab muH auch sonst ein hervorragendes gewesen sein. Heim es w ird v on ihnen Dilles einem jeden mit wohlwollendem Auge und in blire gegeben, sowohl l'lettgaste». d. h. schnorrenden Juden, als auch ganz, „ehrlichen" (iüsten. d. Ii. solche», uie eingeladen worden waren. Aeullcrst interessant ist die Schilderung von dem Leben und Treiben der jüdischen (iemeinde in Metz. „Als ich hierher gekommen, war Metz, eine sehr schone fromme (iemeinde. Wenn auch bisweilen manche I Differenzen vorgekommen sind, so sind solche doch alfe bei der (iemeinde oder bei dem U’abbiner geschlichtet worden. W ir müssen es uns leider versagen, hier noch weiter auf die vielen, in »lannigfacher Hinsicht interessanten biuzelhciten einzugehen, welche dieJieukw ürdigkeiten" in groiler Tülle enthalte». Ans dem ganz kurzen Auszüge, den wir gebracht haben, ersieht man. dall die „Niederschriften“ ein spezielles, einzig in seiner Art dastehendes „document humain" einer schlichten, frommen, braven jüdischen brau strnTr ^Itc dneb Vieles liiit offenen Augen gesehen, beobachtet und v ielerlei erlebt hat. wenn auch - nur in einem verhältnismällig engen Kreise. Man sieht weiter,, dall dieses Huch eine Art (ieschicht speziell. Kulturgeschichte zweier jüdischer (iemeinden aus der, Zeit von lMö I7J4. in welchem Jahre ( ilückel verstorben ist. darstellt. Wer sich ein wenig in den jüdischen ( ieist und in die jüdische Mentalität deutscher Juden der damaligen Zeit vertiefen will, wird da ein weites Leid linden. Hemcrkt mag blos noch werden, dall die bdotio» der „I »enkw ürdigkeiten" hauptsächlich auf einer Handschrift der frühere» Merzbachsehe» Bibliothek in München beruht, sie ist von dem Sohne der (ilukl.el. Moses Hameln, damaligen Wabbiner in Heyersdorf. Wort für Wort von der eigenhändigen Handschrift seiner Mutter abgeschrieben worden.