Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 7 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Stube, wo wir zusammen lacen Fs war Winter mui inein ^elieer Vater hatte ein eroltec G*‘sin4^ so üitH — es uns car eiic geworden ist. I m die Stube ein weiiic cerüumicer^u machen, habe ich midi in meine Kammer hinaufeelcvit. I >a icli doch aber noch sehr junv; war. hat meine Mutter nicht leiden wollen..dal* ich bei Nacht mein Kind mit mir in meine Kammer nehmen sollte. So habe ich das Kind in der Stube gelassen, wo sie eelccc» ist und sie hat noch die Macd bei sich liefen lassen. Meine Mutter hat zu mir eesact. ich sollte mich nicht um mein Kind besorgen: wenn es weinen wurde, sollte es die Mavid zu mir heraufbrimren. damit icli ihm zu trinken nabesie sollte es dann auch w ieder von mir fortnehmen und in die Wiene lenen. Ich bin also etliche Nachte viclegen. und die Mavtd hat mir immer so vor Mitternacht das Kind zum Sännen nebracht. Finmal bei Nacht wache ich ungefähr um .1 Uhr auf und sane zu meinem Manne: ..Was man das bedeuten, dab mir die Mand das Kind noch nicht nebracht bat? ' Mein Mann sant: ..Das Kind wird new ib noch schlafen." Ich aber habe mich nicht damit zufrieden neneber. und bin in die Stube hinabnclaufcn. um nach meinem Kinde zu sehen. Ich nelie über die Wiene und finde mein Kind nicht darin. Da bin ich sehr erschrocken, habe aber doch kein (ieschrei anfannen wollen, damit meine Mutter nicht aufwache. (Man kann wirklich, hier die präcise Darstellunnsweise bewundern: sie gleicht einem gerichtlichen Protokoll!). Also habe ich amiefamren. die Mavid zu schütteln und hätte sie viertle leise aufgeweckt. Aber die Mavid ist sehr verschlafen viewesen. ich habe erst anfanvien müssen laut zu schreien, ehe ich sie aus dem Schlaf britrieu konnte. Ich träne sie: ..Wo hast du mein Kind''1" Die Mavid redet aus dem Schlaf und weilt nicht was sie spricht. Darüber erwacht auch meine Muttei und saut zur Mavid: ..Wo hast du Glückelcheits Kind'"" Aber die Mavid ist so verschlafen ne wesen. dalt sie keine Antwort hat vieben können. Also saue ich zu meiner Mutter: „Mutter, vielleicht hast du mein Kind bei dir im Mett?" Sie antwortet: „Nein, icti habe m e i n Kind bei mir“ — und hält es so fest ui. sich, als wenn man ihr das Kind wennehmen wollte Da fällt mir ein. an ihre Wievre zu neben und nach ihrem Kind zu sehen. Da ist ihr Kind in der Wiene vielevten und hat sanft vieschlafen. „Nun“, sane icli: „Mutter, nieb mein Kind her: dein Kind lien.t in der Wiene.“ Aber sie hat es nicht nlauben wollen, und ich muUte ihr erst ein Licht brinnen und ihr ihr Kind neben, damit sie es recht besehen konnte. So habe ich meiner Mutter ihr Kind neneben und das meine nenonunen. das nanze Haus ist darüber wach newmden und alle haben sich erschrocken. Aber vier Schrecken hat sich bald in (iclächter verwandelt und man hat nesant: „Maid hätten wir den nottselicen Könin Salomo (als Schiedsrichter) not in ncliabt.“ Cliajim und (iliickel Hameln haben die zvvei.iahrine „Kost" im elterlichen b/w. sch wienereiter liehen_ Hause nicht zu lode nenessen. MlM' trennte sieb nach einem Jahre in tiefster kindlicher Lhrerbictunv. und das jiinnv Maar mietete sich ein hübsches Häuss dien für 5t) Tlialer. und sie sind mit Mand und Knecht ins einene Haus nezoncii. „wo sie der Höchste cn.idinlich erhalten hat und, wenn (iott ihr nicht nar so früh die Krone des Hauses neiiommeii hatte, nlaubt sie nicht, da« es ein nlücklicheres und hebet es I liepaar in der Welt neneben hätte“. Sie haben eine imbsche. ehrliche Hnushaltunn nefuhrt. die Kinder mehrten sich, aber auch die Geschäfte und Hab und Out. ( in diese Zeit errente der falsche Messias Sa - +* a tat Z c w i die-Aufmerksvitttkert-tler natr/t-o (odenschaft. insbesondere auch vier llatnburner. und (iliickel nehorte zu seinen hcceisterlcu. wenn mc'it sonar fanatischen Anh.innern. Man wird mJi Iimsichtlich dieses Sabatai Zewi. dessen Glanzperiode in die Jahre Im>5 bis 1»*7 fallt, erinnern, daü er zu erst in Jerusalem und anderen'(irnltcciucmdcii Jvs Orients als Mcssi,^ und Lrloser der Juden anerkannt wurde. Speziell die portugiesischen luden in Ilm;.- biirvi und Amsterdam wurden \ oii dem < it.mz und dem Schimmer, den das vermeintliche Mes.i.i.- konivitum jenes Abenteurers den luden verliuh. mächtivi amrezovien. Mei den deutschen Juden m Hamburvi zeivite sich die Meceistertinc und das Verlanvten nach Lrlosunn ihrer bedruckten-Latte, ent sprechend, nicht so laut und lärmend, aber dafür um. so wahrer und inniner. Unsere < iliickel nahm die Mevveviunvi und die an sie neknupften Lrw artuncen sehr ernst und beklaute in ergreifenden Worten die Sündhaftigkeit des damaligen < ieschlechts. die das Fehlschlanen dieser schonen Hoffnumi verschuldet habe. „Aber dem Höchsten hat es", so schreibt sie. ..noch nicht gefallen, uns zu erlösen. Wir wissen wohl. da(J der Höchste es uns zuvtesavit hat. und ueiin wir von Grund unseres Herzens fromm und nicht so böse wären, so w e i U i c h vievv ib. elaM sich < iott unserer erbarmen wurde. Wir wollen hoffen und zu Dir beten, viroher (iott. dab Du uns einmal tm» wer vollkommenen Lrlosunn erfreuest " Im Laufe der Jahre wurde die älteste Ine liier Zipora. heiratsfahivi mul es kam zu ihrer Verhcira tunvi. Sie wurde mit Knssinann (uuiipertz in Am* tudam verheiratet, einem >ohn des reichen l.lia-Uwe. und erhielt „,_,on kcichstlialer in holl.uidiseheiii Geld als Mitviiit. Auberdcm sollte der \ater auch noch 11Hl keichsthaler als Meitravi zu den Kosten der Hochzeit vieben. Die Hochzeit fand m Ueve statt, m glanzvollster Weise, und sonar ein preubischci l’rinz. Prinz Friedrich. damals Id Jahre alt. der spatere Kurfürst Friedrich III. von Mraiidenburc. seit ITol Konivi Friedrich I. von PreuUen. wohnte ihr bei. Nach der Trauunn führte man den Prinzen, das Geiolce des Prinzen und sonstige \oruehme in l'.lia Cleves virohes Prunkvtemach. das mit coldonetn Leder ausneschlanen war. und darin stand ein nroher lisji. aut dein die feinsten Leckerbissen waren. Der N.lm Mordechai war damals 5 Jahre alt; „es nab kein schöneres Kind in der Welt" - und man hatte ihn sehr schon und sauber nekleidet Alle die Vornehmen haben ihn schier uutnefressen und besonder der l’rinz hatte.ilm_slcis-bev-*Je^4laml cchn+tvn: AVfenun die Vornehme» von den Konfekten und I ruchten nenessen und auch wohl von den Weinen ectrnnken hatten, hat man den Lisch abdecken lassen unu Innauscetracen Dann sind verkleidete Leute Inneuivie kommen und haben sich car schon präsentiert mul allerhand Possen ccinacht die zur Lrvo.it/liclikeH gedient haben." Nach <1 uihricer. sehr eluckliclur und von Gott cesecneter I lle, ist Cliatim loso mtolvie eitles f ,i falls ücstorbeu und sie betrauerte ihn tief und uuirichtin. „Wenn", so s.mt sie. ..mein selivjer Ni.n.-i auch c'enuc Geld und Gut z.urucknclasscn hat. ->> ist' dies doch eenen den cmlteii Verlust seines I >»!> s car nicht zu rechnen. Gott moce uns vvu.de, erireueti. wie er uns Leiden cebracht und Du. ein, ,ce' (iott. wollest Dich meiner Waisen erbarmen' Aiiici' Glucke! fuhrt als Witwe das Geschäft weiter unter Leiden, mancherlei Kummer und Sornen. ohne J