Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 7 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Vs» PUR «LtCKEL VON HAMIRILM i ii n:ki\ i)k:\k vv iükifi uk ieitkn \ <>n I »r. irr.' Micha rd S i I b e r vt I c i t. (ScliluH.) Als sjc noch ein Mädchen von hSiim 1J Jahren War. lulle sie ihr \ater sei»in verlobt und sie ist uneefahr l.ilire verlobt eeblieben. I ine \erlobimc i.utd d.nn.ils in iiidiselie» kreisen in der Weise sinn, dal! die beiderseitigen \ater oder sonstige nnlie Anverw .mdle /iis.iinnienk.iinen und den zukunftiecn I liebund. sowie die von beiden I eilen zu zahlende» Mitcilteii verabredeten. I in den I .dl. d.ilt eine von beiden I .midien voll der Partie /uriiektr.ile. wurde un Stratechl lestee^el/l. d.is mit dein taliiiudisclkT. Ausibiieke ...Knalt" bezeichnet wurde, und dieses Nr.Ilfeld lr.il bei der ganzen Aueeleecnheil so sein iii den Vordergrund, d.di iur ..verlobt" der Ausdruck ..v eikn.d'.l" ca»e mul eabe w.ir. Pcuiecinaii schreibt .m.cli iduckel: ...Mein \ uler lut mich verkiuHt. und kli bin J I.ihre l.uie' un Kual! eeblicbcii." Muiiehem I eser der I cbcnscrinnerunccn durfte is auifalhc irs^heinui. weleli cmües (ievvicht (ilukkel .iuf soeeiunnti. ..eilte Heiratspartien" liir ihre kmdei und .iuf eie u Mesit/ voll < ielel lind < int legt, hie w.eitl.nifiee und umständliche Hehandluiic dieser I Miime wird icdoch durch den ausccprüctcn I a iiiihuisinn und durch die Sorce lur die /ukuiift de Kinder erklärlich. Arnli mul! mau bedenken, dal! der iiiatciidle lies,,/ bei den damalieeii Juden eine noeli eroheie K’olle spielte, als heute, und dal! auch ihr < ITe 11t liches leben davon beherrscht vvur.de. Sie nuiüteii sich u das Mecht. /u leben, und den Schul/ lur ihre Habe und ihren I > vv erb stets durch <rnl.c° i >I»et ei kaufen. Alle die vielen Schikanen und Beschwerden. denen die luden atisgesel/I wäre», konn tut mit durch den < leldbeiitel. reiche < ie^chenke an die M.iJith.ihc!. cinieermaUcu erträglich gemacht werden Arnli diese Zustande eiht < üuckel einfach und cetreu wieder. Aber man wurde ihr persönlich seht unrecht tun. wenn man »nnehmen wollte, dal! sie eine Muiimioiisanheterin gewesen sei. Im ' ie vi »teil fuhrt sie ihren Kindern eindringlich zu (ic- •iiute wie weine viel Hesit/ von (leid und hut ohne die lulitiee I rtullulie det Pflichte» ceceu l iott und vtii Sebenmensche.M zu bedeuten hat.. ' >ie llov. h/eit vv ar ui Hameln. Ihre I Item fuhren tmt ihr und einer Hoch / e > Isgese > Ischaft von etwa nodi keine Postwagen cah. so miiüten sie von Hauern \\ aeen Ins uav.li Hannover mieten. Sobald sie v.ort ankatnen. schrieben sie nach Ilaineln. man solle ihnen W acen nach Hamiovei schicken, (iluckels Mutier nahm an cl.it! der kunftice Schwiegervater t me kutsdie Sv. hiv Ke n wurde, damit die Hraut und ihre l eitle dann lallten konnten. Am dritten! aev kamen aber el.iMti drei oder vier Haiiernv acetr au", die I her de hatten. ..denen es notic ce wesen w.oe elali tu.in sie selbst .mt den Wacca ce le st lia'ie" t ihtskels Mutter war d.triifer recht verstimmt, es taiwi aber Abends ein richtiges t eN mahl statt bei vv eie hem «lei Sch vv ie cet v ater, eie' ein I» bensvv uidicer und wit/n/er Mann. war. durch I t/ahlunc seiner Meise /u. seinen Hochzeit die eilte l aune vv tederhersteMte I lTe \ erstunmuuu loste sich ,m eitel (icluchter und Freundschaft" auf und die Hochzeit wurde in Lust und Freude vieleiert, (iltikkel. damals noch ein Kind von kaum 1-1 Jahren, blieb bei den Sclivv ieviereltern zurück. Aber die l .hefuhinng im sclivv ieeerelterlichen Hause ist ihV nicht schwer geworden, denn ihre frommen Schwiegereltern waren hochachtbare Leute gewesen und haben sie sehr ent gehalten. ..mehr, uls sie es wert gewesen sei". Nach einem Aufenthalte von I Jahr in Hameln zoej das I liepaar nach llambiirc zu ilucii I Item, denn ihr V ater hatte ihnen ihr J Jahre ..kost verschrieben", d. In. er hatte sich nach damaliger Sitte schriftlich verpflichtet, dem jumieii Paar 1 Jahre laue Wolmmur und Kost zu ceben. und davon haben sie < iebrauch ec'macht. Die (ieschäfte ihres Mannes in Hamburg bestanden vorzugsweise im Handel mit Juwelen und < ield. Ls war aber damals das (ie schaft. speziell mit Juwelen ein schwaches: Hünier (d. i. verheiratete Leute) und Verlobte bei Nichtjuden uaicen weni'i oder car keine Juwelen. Die Mode war damals, dal) mau rein noldeite Ketten truvr und wenn man etwas schenken wollte, so ist es in «ield gewesen. Obzwar daran nicht so virolter Verdienst war. wie an Juwelen, so handelte er doch vorzugsweise mit (ield und lief von Haus zu Haus herum, um (ield einzukaufen. Dieses hat er denn au (iold schmiede oder an Kauileute w eiter v erkauft und schön daran verdient. Ir hat trotz seiner revien ge schüft - liehen Tätigkeit' nicht verfehlt, alle Taue einen Abschnitt aus dem Talmud zu lernen, und er hat auch lüuvie Zeit an jedem Montavi und I »onnerstni: erci.istct. bis er atifiuv; croUe Meisen zu machen. Dabei hat er sich sehr abeeuualt. so dal! er schon in seinen iiincen Jahren sehr kränklich ccweseu ist und viel ..eedokterf hat. Fr war ein demiitivier und vreduldicer Mann, ein lieber und getreuer A ater. Wcr.ii er in seinem Zimmer eebetet hat. und es wäre jemand gekommen, um ihn irgendwohin zu rufen, wc etwas sehr billig ein/ukauteu. so hätten sie oder das e.uiz Hausgesinde doch nicht das Herz gehabt, zu ihm zu gehen und ihm davon zu sagen. (ilcicli mich ihrer Finkehr in Hamburg ist sie guter Hoffnung geworden und ihre Mutter (sie soll leben!) mit ihr zugleich. Fs trug sich dann folgendes recht amüsantes (.hiipropos zu. über welches w ir sie selbst wörtlich berichten lassen, zumal es zugleich ein Streiflicht auf die damalige Lebensweise wirit. Sie schreibt also: ..Der liebe (iott hat mir zu rechter /eit gnädiglich zu einer jungen Tochter geholfen. Ich bin noch ein iunges Kind gewesen. Obschon mir solch ungewohnte Sachen sehr schwer angekommeii sind, so bin ich doch höchlich erfreut worden, dal' mir der Höchste ein hübsches, gesundes Kind gegeben hat. Meine getreue, fromme Mutter hatte ihre Niederkunft auf dieselbe Zeit ausgerechnet. Sie hat aber eines grolle Freude darüber gehabt, dal! ich ’.u- «rst ins Kindbett gekommen bin. so dal! sie auf mich iunges Kind achtgeben konnte Acht Lage darauf ist meine Mutter ebenfalls mit einer nmgen Dichter ins Kindbett gekommen. Wir haben keine Muhe gehabt voi I enteil, die gelaufen kamen und die Merk« urdigkeil sehen wollten, dal! Mutter und 'luchter in einem Zimmer im Kindbett lagen? Fs war eine kleine l