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Die jüdische Frau · 1925-06-07 · 3 (7.6.1925) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
3 (7.6.1925)
Date
1925-06-07
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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lallt, laue zarte und sülle Nuance ist Lion Ferne htvvan«er Helmuten, indem er die sclnme. reine, un scliuldsvolle Jüdin Naemi. die ..Rose \on /.ion" und „Lilie im T‘al". die Wilhelm Hauff als Schwester des inachtivten .luden einiuhrt. Kraft poetischer Lizenz in eine Tochter des viel nciurchtcteii Linan/dirchtors umwandelt und sie somit ein < >pfer der ruchlosen Atmosphäre werden lallt, in der ...lud Süll" seihst atmet mid einzin atmen—■ztt—keumvu-wafMU.- Lrxt rachdenr-sein Kind, der höchste Hochmut und die tiefste Demut seines Lehens, der Wollust des'rohen und weihstollen fairsten, seines hcrzonlichent iouucrs und Herrn, zum Opfer gefallen, hält Leopold Süll Oppenheimer .Liukchr und linkehr. Ilis zum l ode Naemis. der den schuldbeladenen < ieist Süll Oppenheimers entsühnt und ihn zum freivvillinen Märtvrer macht, hat Lion l'euchtw amter die historische tiestalt des ...lud Süll" so schroff und erharmmutslos hczeiclmet. dal! kein llakenkreuzler ihn in dieser Charakteristik iihertreffen konnte. Lin Streher: nach ol>eu kriechend, nach unten tretend, devot, zynisch.' und immer nur e i n Ziel im Amre: die LrholnuiH der cineren Person zu nie Healmteii Wurden, und den (!aroh crHrimmcnden Aerner der Andern, l'nd trotz allem, hei allem dennoch der „Ho f i n d". oifentlich Hefürchtet. heimlich von jedem verachtet »ad amiespicen. L.in Typus, der — ahnesehen \oti seiner tienialität unsterhlich und. aiisHcstorhen ist und -- leider alle Zeit unter uns „wandelt im ivsinen Licht“. lenseits aller künstlerischen \ aleitrs. die in der individuellen Darstellumr des ...lud Stiel” liefen, eignet dem Roman Lion Lenchtwanners aber ein weit über den Tan hinaus, reichender, man möchte beinahe suHcn: säkularer Wert durch die weltgeschichtlichen Parallelen, die das profunde Welk aufzeiHt. I.ion I euchtwaiiHer erzählt von Ritualmordcn im schwäbischen Ländle, künstlich inszeniert, um die dorti• e .ludenschait durch die immer „zunkräitiHe Palole" des Ponroms zu dezimieren. Lr lällt den Schaiidruf der Menschheit: „llepp. Itepp". der zur hohen Ja cd auf das Ldelw ild. den Menschen, den ..Ifruder Mensch" höchstselbst, auf ruft, durch Zeit und Raum erschallen. W olle n w ir. k ü n n e n vvirwaHcn. zu behaupten, dall in unseren vom Hakenkreuz Heschändeten danen und Häusern ein ander e r (i e i s t w ehe als der der freien Reichsstadt LiUiuitcn. allda man den unschuldigen luden Jeclieskel SeliHUiann l'reudental der scheulllichen Moritat zieh und ihn dafür bestialisch millhandeltc? Zu Zeiten des ...lud .Still" und seines polternden soldatenschiiiderischen llerznns stand Strafe des Hochgerichts. viiko:. der l od durch den '■'traun dein vern cssetten Juden in Sicht, der sielt mit einer christlich v eboreiten I rau oder JiuiHfrau in Liebe ersinn. Lud I eilte? Allda die Renendc von den ..Weisen von Zion", der Arierparanraph und die Illutsproben- Mieorie herrschen? Heute verwehren die Statuten der II u r s c h e n s c h a i I e n tedcin die -Mitcliedschait. der in seiner As/eudei:z die lenitinie VerbinduiiH mit einer i a r b i n e n oder .1 u d i - sc heil I rau auf weisen kann. Man sieht furvv dir: die Kiilturncschichlc hat vveiiit: Phantasie' und Heiner! selten neue Unfälle. I nd selbst wenn wir des 'on l'euclitvvatiHer mit allen Mitteln eindriiiHliehen Mudimns anschaulich darHestellten Kulturkampfes zwischen Rom und der Reformation nedeiiken. der das dermaline Deutschland zerrill und zerfrall: a ussen wir.uns nicht Hestchen. dall auch heute wiederum ähnliche HeweHiniHen am Werke sind, und dall man auf dem Wons \aticanus w iederum mit der Weltherrschaft liebaunelt ' „Roma locuta". Heute, wie vor zweihundert Jahren. I nd wenn man einen. Staatsmann jüdischen Hintes (denn ein Staatsmann, erster OrdnmiH war Leopold Suli Oppenheimer, auch wenn er das ihm offiziell annebolene Staatsamt harlliackiH verweinerfe. weil ihn der.Kitzel der Macht um -Ml Silit. Txtimkuv..^•-u.illLiirie lnr innt uns efbru-fter er ihn neiioU) heute auch nicht mehr in einem eieens für ihn errichteten Katin. mit Prunknewandern bekleidet, unter dem Johlen des Rubels, der .i^so lanne vor ihm nedieiiert und nckrochen, an hausluÄien tiakeii atifliaiiHt. so nibt es doch Immerhin nCAvisse Heis|)iele. aus denen sich hinwieder Analogen herleiten hellen. Nämlich, wenn halbw uchsine JuiiHeii den jüdischen Minister und von aller Welt Hcnchleten Staatsmann in offenem Automobil ,.a b k 11 I e n", wie das Rotv,älsch dieser völkischen Kreise derlei laten bezeichnet. Wir erkennen aus dem Werke I euclitwanners fürwahr mir die Jahrtausende alte Antinomie zwischen Christ und Jude, zwischen \olk des ..Alten Hundes" und dem allzeit kriensnewaltin über Israel dahiniahreiidcn l.doin. I nd Hcrade. wenn I euchtvvanner dieser Antinomie nedenkt. wird er zum pathetischen Sauner und Seiler, holt er erhabenste und sulleste lone aus seiner Dichterharfe. In solchen AuHcnblickcn verspürt man wohl au^li durch das Medium des Herzens, nicht des Hirnes, di e Zusammennehorinkeit des Dichters mit eben seinem \ ulke, dessen (iesetz in ihm ist. iii.ih er auch seine SntzmiHcn aullerlich millachten. Der Leser urteile selbst : „In den Städten des Mitte luieers. des Atlantischen Ozeans, salien die Juden nroh und machtiH- Sie verwalteten den Austausch zw isclien < >rlent und Okzident. Sie lannten übers Meer. Sie rüsteten die. ersten Schiffe nach Westindiern Ornamsierteii den Handel mit Sud- und Miltclunieriku. I rschlossen lliasilieu. IleHrundeteii die Zuckerindustrie des westlichen Lrdteils. I.enteil zur Lntvv icklmiH Ne vv Yorks die Limdumcntc. Aber in I leutschlaud sahen sie klein und kümmerlich. Im vierzehnten lallt hundert waren sie hier in mehr als dreihundcrtuiidiunizin <iemeinden erschlnncn. erdrosselt, lebendin beHraben worden. Die leberlebenden waren zumeist nach Polen ausne-' wandert Seitdem sahen sie spärlich im Römischen Reich. Auf sechshundert Deutsche kam ein Jude > Hier raffinierten Plackereien des Volkes und der llehordeii lebten sie enn. kümmerlich, dunkel. Iiiiihcneben jeder Willkür. I ntersant war ihnen Handwerk und freier He ruf. die V Urschriften der Aemter draiiH' teil sie in verwickelten Und v et w mkelteii Scliaelier und Wucher. Heschraiikten sie im I inkauf der Lebensmittel. liehen sie den Hart nicht scheren, steckten sie in eine lächerliche cruicdr inende I rächt. Pferchten sie in etineii Raum, verrammelten die I ore ihres (ihettos. sperrten sie zu. Abend um Abend, bewachten > in- und Ausn.mn. Dicht z u summe n::e-.- piellt sahen sie: sie mehrten sich, aber man ip'imte ihnen nicht weiteren Raum. Da sie nicht in die llreitc bauen dürften, schichteten sie in die Hohe. St »ckwerk um Stockwerk. Immer eiiner. dusterer, verwinkelter wurden ihre (lassen Nicht llaum. nicht Oras. nicht Hlimie halt. Raum: ohne Sonne smnden sie. ohne Luft, einer dem andern im Licht in dickem, sc liehe ne r/euneNelein Schmutz Abne-sc luuirt waren sie von der fruchtbaren Lide, vom Himmel, vom 3

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