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Die jüdische Frau · 1925-06-07 · 3 (7.6.1925) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
3 (7.6.1925)
Date
1925-06-07
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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1INIII Her wehende Wind vcriini: sich in ihren ei.uien. stinkenden Hassen. die hohen, ver^chachteltt ii llauscr v erM’v. rrteii den Mich .Uli die ziehenden Wolken, die 1)1.me -Hohe. < iclmckt schlichen ihre Männer, ihre schonen Trauen welkten truh. von zehn Kindern, die sie* cebarcti. starben sieben. 1 otes. br.iekices W.isser waren sie. aheesperrt \om llu- •eiidcn l eben draiibcti. aheedamint \ on der Sprache, der Kunst, dein < leist d r anderen, Ihck miteinander aben sie, in tibh r S v rir.inlichkeil. 'eder kannte ledes Heimlichkeit, klaHchsiiditic. mißtrauisch rieben sie siJi. die cclahmtcii Hevvcelichkcitc». scheuerten sie sieh wund einer .tm .indem, einer des andern I eind. i'ner im andern verlil/t. heim ledes e'ii/elneii kleinster l'ehler oder > neeschick konnte das l'nhcil aller vv erden. hoch mit der sicheren Witterung, die sie.inr das None, lur das Morgen hatten, spurten sie die .uil'.ere l mschichtmnc der W eit. den Lrsatz der »iehnrt iiikI Wurde durch 'das t icId. Sic hatten es erfahren: In l nsicherheit. Rechtlosigkeit, l ahrnis gab es einen ein/igen >child. /.wischen l.juter wankeiiaem. v ersageiidem < ii iiticl ein em/iges bestes: < ield. den Inden mit < lelvLhiellen die W ächter nicht an den lorcii des (ihcttos. der lüde mit < ield stank nicht mehr, keine Helmrde mehr set/te ihm einen lächerlichen. spit/en Hut auf. hie bürsten und groben Heilen brauchten ihn. sie konnten nicht Krieg und I'egnnent lullten ohne ihn. Sltcr die dicke Masse der. < ».druckten. hechtlosen und die ein/einen Mächtigen, die stol/en .luden der law ante und der grollen Seestädte., die die llanvielsstralieii l.uropas und der Neuen Welt bcherrschtv ii und in ihren Kontoren über Krieg und brieden v ntschicdcii. und die verschmutzten, verkommenen, niedrigen, lächerlichen luden der deutschen (ihcttos. eile imlisehcn I eihar/te und Minister eles Kalifen, des» I’e rserscliahs. des Sultans von Marokko in Ilen - liehkeit und grobeili < ilanz. und in hreck und Verachtung der lausige l’obel der polnischen Jwdcn- •t.ulte, ehe Hankier.s eles Kaisers und vier bürsten, umworben und umliabt in ihren Kabinetten, und der I lausieriude der 1 andstrahe. mit Hunden gehetzt, von den Str.iüemimge n und der Polizei in widerwärtig. komische I rmedrigung geprellt, alle hatten sie ein sicheres, heimliches Wissen gemein. Sielen war is nicht klai. ausspicchen batten es nur vv eilige können, manche hatten sich gegen die deutliche b.rheimtms gew ebi I. Aber im Mut stak es .dien, im innerlichsten < ieltihl. es war via: das tiefe, heimliche, sichere Hevv ubt w hi von vier Sinnlosigkeit, der Wandelbarkeit. dem l nwert der Macht. Sie waren solange klein und gering gesessen unter den Volker» der I rdc. zwerghaft, lächerlich in Atome verspcllt. >ie w übten. Macht üben und Macht erleiden ist nicht das Wirkliche. Wichtige. Zersplitterten nicht einer utn »len anderen die Kolosse vier (iewalt? Aber sie. die (ievv a I t I o s e n . hallen vier Welt ihr (ies i v. h t g e g e b e n. Und es wußte» diese Lehre von Eitelkeit und I'-elanglosigkeit der Macht die (iroben und die Kleinen unter den luden, die breien und die Heladenen. nie l ernen und die Nahen. Nicht mit deutlichen Worten, nicht mit mebbarein Hegriff, aber von Muts und (iefuhls wegen. Hies heimliche Wissen war es. das ihnen plötzlich jenes rätselhafte, milde, überlegene Lächeln um die Lippen legte, das ihre Leinde doppelt-reizte.-weil sie es als zersetzende breebhei* deuteten, und weil all ihr (iraus und Marter davor versagte. I lies heimliche Wissen war es. was die" luden einte und ineinanderselunolz. nichts sonst. Heim dies heimliche Wissen war der Sinn des H ii c h es. Hes Huches, ja. ihres Huches. Sie hatten keinen Staat, der sie zusammenhielt, kein Land, keine Lrde. keinen König, keine gemeinsame Lebensform. Wenn sie dennoch Lins w aren, mehr Lins als alle anderen Volker der Welt, so war es das Huch, das sie zusammeiischw eibte. Hraiine. weiße. schwarze, gelbe Juden, grobe und kleine, prunkende und zerlumpte, gottlose und fromme, sie mochten in stillen Stuben ihr Leben verbocken und verträumen oder in farbigen» goldenem Wirbel herrlich herfahren über die I rde: tief versenkt in ihnen allen war die Lehre des Huches. Vielfältig ist die W elt. tibcr sie ist eitel und Haschen nach Wind: Lins aber und einzig ist der < iott Israels, das Seiende, das l.’ebervv irkliche .laltve. Manchmal wohl überwucherte ihnen das Leben dieses Wort, aber es stak in jedem, und in den Stunden, wo sie sie selber wurden, wenn sich ihr Leben gipfelte, war es da. und wenn sie starben, war es da. und was von einem zum andern flutete, war dieses Wort. Sie schnürten es sich mit (iebetriemett um Herz und Hirn, sie hefteten es an ihre Türen, sie er- < Mieten mit ihm ihren Tag und sie schlossen ihn mit ihm: als erstes den Säugling lehrten sie das Wort, und der Sterbende verröchelte mit dem Wort. Aus dem Wort sogen sie die Kraft, die gehäuften Uualen ihres Wegs zu überdauern. Hies alles verging, w as blieb, war daN SV ort. Sie hatten das Huch mit sich geschleppt durch zwei Jahrtausende. Sie hatten es allen Völkern vermittelt. und alle Volker bekannten sich zu ihm. Aber die einzige» rechtmäbigen Hesitzcr. Lrkenner und Serwcvser waren sie allein. Sechshundert.siebenund vierzintausenddreihundertiindneunzehii Huchstaben hatte das Huch. Jeder Huchstabe war gezählt und gewogen, geprüft und erkannt. Jeder Huchstab war bezahlt mit Leben, tausende hatten sich martern und töte» lassen um jeden Huchstaben. Nun war das Huch ganz ihr eigen. T'nd ui ihren Hethäusern. an ihrem höchsten Leiertag. riefe n sie. bekannten sie. die Stolzen. Iierrenhaft Schreitenden so überzeugt wie die Kleinen-, (letretenen. < leduckteii: Nichts h a h e n wir. » u r. das Huch.* Sabbathanfang Her Abend sinkt . . . Hu bist allein. Nun zündest du die Sabhathfeicrkerz.cn l nd flehst deü brieden' in dein stilles Heim . . . Ich hab den brieden nicht. Mutter! . . . Zünde auch mir ein Sahbathlicht! 1 lieodor Zlocisti. 4

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