Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 2 (22.5.1925)
- Date
- 1925-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DER CCSCRICHE DER JÜDISCHEN IDCENDREWECDNC IN DEUTSCHEAND Aon Robert llirschleld. Merlin. l>as t'ltiüc des neunzehnten J.ilir■hundert'» brachte auch der Jugend die Frnuchteruiig aus dem materialistischen Traum, in den die technischen und sonstigen Fortschritte das ganze Jahrhundert versenkt hatten. ..Rückkehr zur Natur" war ein Losungswort, und darum nahm die Freude am Wandern w ieder zu. die Lust, sich gailI-ungebunden in der Natur zu he wegen. die Fesseln des gesellschaftlichen Zwanges abzustreiten. Mit mitleidigem Lächeln und boshaftem Spoft wurden die ersten begleitet, die als „Wandervögel" durch die Wälder und I »öfter zogen, ohne Sinn und Verstand, nur um zu wandern, ohne Ziel und ohne Zweck. Miese W anderer landen sieh etwa um lülin zu allerhand Münden zusammen, die absichtlich das Wort „Verein" mieden, um damit den losen, nicht sntzungsgemäßeii Zusammenhalte, in dem sie zueinander standen, zu kennzeichnen. I »er Alt-Wandervogel und der F. V. waren die ersten großen Organisationen, denen dann eine ganze Reihe folgten, die aber alle dasselbe Ziel im Auge hatten, das.dann auf der großen Tagung auf dem Holten- _ meißner löl.t formuliert wurde: „hie Jugendbcwei'iuit.' erstrebt eine Lebensreform aut der (irnndlage der inneren Wahrhaftivrkeit“. diese beiden Forderungen H.ebensreiormund innereWuhrhaftigkeit sind von der Zeit au als die Kennzeichen der wahren Jugendbewegung angesehen worden. Von den (iruppen der Jugendbewegung sind scharf zu scheiden die .lugciidv ereilte, die teils gesellschaftliche, teils politische, teils religiöse oder andere Ziele verfolgen. hie jüdische Jugend schloß sich natürlich den Wandervögeln an. soweit sie für die Art dieser Jugendbewegung Verständnis und Neigung hatte, l’nd in den ersten Jahren war es ganz selbstverständlich, daß keinerlei hnterscliiede unter den Konfessionen gemacht wirden. Aber die politischen Parteien bemächtigten sielt bald der Jugend, und der Antisemitismus trieb doch viele aus ihren (iruppen hinaus, und zw ang zum Nachdenken über die Frage, ob nicht die (iründung besonderer jüdischer Münde notwendig sei. Fs war selbstverständlich, daß die nationaliüdisehe Mevvegung ändli die Jugend erfaßte und sic von ihren deutschen <iettossen möglichst gn trennen v ersuchte. So tauchte >'»!»» zum erstenmal eine Vereinigung auf. die jüdische Jungen und Madel zu samtnettfassen wollte, in Form eines Wandervogel blindes, der sich „Mlau-Weiß" nannte, hie Namen der (iründer und Führer zeigten ivdem Kinidiven sofort. daß es sich um eine Part«.ieründttug handle und hielt die Nicht-Zionisten von der Vereinigung fern Auch die offene Absage diet klein 1ö| | auf einer großen 1 agttng des f\ V den luden zuteil wurde, führte noch nicht zur IBildung > igener jüdischer Münde. Aber die Stärkung des religiösen Cu iultls. die v.ährend des Krieges auch tmscre indische luvend erfaßte führte notwendigerweise Zu einer Stärkung der Jugetidv ereioe einerseits, und zu dem Wunsche sich auch als indische Jugendbewegung zu ore misiereu andererseits. I ml so entstanden unabhängig voneinander zuerst j>, Mred.ut .her Kamerad", der sich durchaus auf den Moden vier Ingetulbevv egnng stellte, das heißtnach Art des Wandervogels smiic Mitglieder durch die l cbcusieform zu einer atideieu \uifassung von den Aufgaben dis’lebetis fuhren wollte. siJt im Wandern und anderem >port betätigte und dabei die Pflege indischen Wissens und indischer Art als wesentlich und wichtig hc/cichnctc und betrieb. In Merlin entstand, wie gesagt, unabhängig davon, aus den Kreisen des Indisch I iberulen higendv ereius der .. Indische >portveiein Käme i.aleii", der sich v eieinsmaßig unglaublich schnell et weiterte und daran zugrunde ging. Aber aus seinen I runnnern entstanden in Verbindung mit den Mres .lauer Kameraden und mit einigen < ileichgesmnteii aus den anderen I eilen des Reiches der ..Jüdische W nndcrbuird Kameraden". .Auf seinem ersten Mundestuge in Metzlersreuth versuchte dieser, seine Ab sichten oder vielleicht auch I emh iiZ'-n dadurch zu bezeichnen, daß er sich ..Kameraden, deutsch-uidi scher Wuiidcrhund" nannte. I r stellte sich damit in I evv iilitcn (iegens.it/ /um Miau VV eilt, der sich in/w i sehen ganz offen als iiatioiial-uiihsch bekannt hatte Auch sonst entwickelten sich die beiden Munde die. abgesehen von einigen >plitterorguinsatiolien. die einzigen indischen lugendbiwcgimgs Munde in I 'eiitschland geblieben sind, immer weiter auseinander. Wahrend der Mlau-Weiß durch sein im I ebruat JO.'.t veröffentlichtes (leset/ unbedingte I nterwer Hing unter die Mefehle vier Füllrc r forderte und seine militärische Organisation immer straffer durcligefuhrt hat. sind die Kameraden durchaus auf dem Moden der Jugendbewegung geblieben und haben sich insbesondere von allen Mevormundimgen durch die ...Alten" freigehalten. Wahrend der Mlau-Weiß im < irunde genommyü nur eine lugeudorgaiüsutinu der zionistischen AVreiuigung ist. stehen die K.inieiadelt in ihren I endenden zwar dem Lcidjcil-V etein sehr nahe, lehnen es aber ab. sich von diesem oder von irgend einer anderen indischen Organisation ins Schlepptau nehmen zu lassen. In der ulk rlet/ten Zeit zeigt sich'dem kuiiihgen in der indischen lugend das deutliche 11inst rc bc-n aus den Jugetidv ereilten hei au» zur higeiidbtw egnng Schon die Mildung des lung-Indischen W anderbin des aus den neutralen higendv i reinen ist ein klarer^ Mevveis dafür, aber auch m den liebet.den lugend vereinen hat man eingesehen, daß die Arbeit m kleinen < iruppen nach Art vier lugctidhcvy egnng ertolg i eichet sei. hie Munde der lugi ndbevvcgung wollen ihn An^. banger nach vielfacher Richtung beemilussen. Sie wollen den ganzen Menschen erfassen, mit all seinen Strebungen und Mi Strebungen. h.iruni wird auf dui I leimabeiiileii alles besprochen, vv as einen Hingen Menschen bewegt hie I ragen dis Selbstlu stimmungsrechtes dej lugenil spielen dabei naturgemäß eine große Rolle, und für inlm Kenner der lugend ist is selbstverständlich, daß auf diesem (lehnte licht weitgehende Forderungen aufgi stellt werden. Aber jeder Kenner der lugend w.eiß auch, daß dnsis stürmische V ei langen nach eigener < n Stallung de Lebens von eiiiein hohen Selbstveruntviorthchkeitsgelulil hervoi gerulen und getragen wird daß es diy wahre < ir.uiidlage lukli t zu eiiniii kraftvolk n. selb ständigen I eben, das wu-unsenr lugend aufs innig