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Die jüdische Frau · 1925-05-22 · 2 (22.5.1925) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
2 (22.5.1925)
Date
1925-05-22
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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* Aut die verschiedenen 'Anfragen, wo#ln Abonnement*- u. Gclö*endungcn zu richten mlnd, melaen n>lr fröfl. auf öle letzte Seite de* Umschläge* unserer Zeitschrift Hin I ruhluibssonnc durch jmibes Laub zitterte. die Alicen durcli einen brunseidenen Schirm beschützt. l'nd Reinchen beb.mn. die Suiten zitterten unter ihren hellenden 1 'inbern. .alles Blut war aus ihren dtirchsiehtieen Wüiiben bewichen. Alter bald hatte sie die Außenwelt vergessen, cm uz versunken in das machtibe loiistuck: kühn und sicher schleuderte ihr I luiteti wie \Vüribeschosse die schweren l’assaben des Alleci'>-Sat/es hervor. .Immer aufmerksamer 'lauschte der Meister, schuh den Schirm von den Alleen und betrachtete das erblühende Kind, das die sielcnvollen, diirchbcistibten Blicke von den Noten i ni|ioreerichtet Ijatte und wie durch Intuition das herrliche I oiibeinäldc zu improvisieren schien. Mühsam keuchte das mittclmäHibe Instrument, wie ein . müdes l’ferd. \oi.i einem stürmischen Reiter bcilflbclt; da. als der Alleerosatz beendet war. rill er -plötzlich aus Rcinchctis Hand die <reibe und bot ihr seine eibene, die im beoffueteii Futteral auf dem Klaviere stand. Wie ein Schauder durchrieselte es da's Kind, als sie das durch Meisterhand beheilibte Instrument ansetzte und I rau Spolir wolilbcfüllib , l. clielnd die Akkorde des Addabio ansclilub. l'nd h’einchen erbritt den Hoben und spielte: Orbeltöue entströmten der wundervollen Amati. eine brolk I rane trat in die boldhlonden Wimpern des Mädchens und die Noten zerrannen allmählich vor ihren Blicken. I »je (ieibe entblitt ihrer Hand und sie bedeckte verwirrt die Auben mit den Händen: aber da hatte sie der Meister auch schon mit beiden Armen um die Mitte befallt, hoch emporbchoben und einen Kult auf ihre Stirn bedruckt. ..Kommen Sie so oft Sie wollen und spielen Sie mir vor", rief er aus. „Sie haluii von < lott. was eine Künstlerin braucht, und das nhribe wollen wir schon dazu ttm! Ich danke Ihnen", sabte er zu Madame Biidinb. die ihm beiuhit danken wollte: „ich hasse die Wunderkinder, aber das blonde < leschopchen du. ist kein Kind, der io|!e Ion verrat eine brolle. reife Seele!" >o w ar min h’einchen eine Schülerin Spolirs bcv oiden: mehrmals wöchentlich unterrichtete sie der Meiste! und die bunze Gemeinde sprach davon und überhäufte h’nscheleheii mit < ilt-.kw duschen. Man wollte ihr eine andere, lichtere •iuitibcre Wohnmib miileii. aber sie wies es zurück und h’ciuelien bat ih hentheh. Me in dein Mubchcn dir alten Svnabobe zu lassen, an das Me und ihr Mütterchen belohnt waren „Nicht wahr. Mutterleb', wir bleiben hier!"? u i sie mit stürmischer Hast, und wahrend sie die Anne um die Mutter sclilaiib. fl"b ein verstohlener Bhik durchs Fenster in das eiibe (iahehen hinaus. ..Gewiß. mein bebeiisehtes Km dl" aiivvortete die ’blu'ekliclie Mnttei. Ihr (ilnck hatte sie stattmit Hochmut mit tiiGter I >ennit erfüllt. Sic war von mm an das Muster shtupiiloser I rommibkeit. Sorbfaltib tiub sie die Haare unter dem schwarzen Band viisucht. bebleitete icden Ion von der (ieibe ihres Abbotles mit >i beiisspruchen und I 'sahnen, die sich unwillkürlich d-Cu Melodien fubteii. und Reiuclicn mußte ihr d.is i tpii i bruibin„ain >abbat die belichte ieibe ruhib nu I utter.il schlummern zu lassen, spiacli man ilu bewundernd von dem Kinde, so wehrte sie kopfschüttelnd und mit kiem Gemurmel: „I 'nheschrieu und unberufen“ ab. als fürchte sie den Neid der bösen Mächte, und nur ein bliiekselibcs lächeln erbänzte das. was ihre Worte zu verschweiben bebeten hatten. Man lud Reinchen in Gesellschaften, man wollte I'rohen ihres vielgepriesenen Talentes hören; sie sclilub es ab. sie habe noch viel zu studieren, bevor sie sich öffentlich hören lassen dürfe: die Mutter war glücklich über diese Weibcrmib. sie wollte sie allein haben, ihr alles auf Erden sollte auch ihr ebenstes l.ibcntum sein. Wenn Eiibclbrccht zuredete. Reinclien könne sich bereits mit jedem Virtuosen messen, so schüttelte Raschelchen heltib das Haupt. „Mein Reincheti darf nicht wie andre Musikanten applaudiert werden", sabte sie. „filier mein Reinchen muß man Bruche machen!“*) L'nd das tat sie mit Bück und Mund, wenn im kleinen, von einem Oellümpchen beleuchteten Stübchen die (ieibe Reinchens erklatib. die läibclbrecht auf einem alten Spinctt bebleitete. das man beim Trödler bekamt hatte, und auf dem die verbriffetien Noten der Leihbibliothek aufbesclilaben laben. I >auu saß Rasclielchen in der dunklen licke des Zimmers und murmelte kopfnickend ..Gott! Allmüchtibcr! das Kind! mein Reinchen — mein Tachsehid**) mein Bijou! Lau ko,»!***> Gott! die Sechic!?i) wenn mein Vater das hörte, er war' mir alles mauehelSS) — hö'r einer den Ion! — Bas ist KischevSSS) und seh' einer das Gesicht! banz, wie er! — Der ChcinSSSS) von Josef! Mein Reindien mein’ Perl. Gott erhalt' dich. Omen weomenSSSSjO" so mibofähr lauteten die 'Texte der Mutter zu den Melodien des Kindes. I hinn lächelte wohl Reinchen. bliicklich über die Aiisrufimben der Mutter, verstohlen dem Begleiter zu. Beim dieses bliickselibe Stilleben hatte nur den eiuzibcn Zetiben Eiibelbrccht. Als ihr erster Lehrer bebleitete er mit stillem 'Triumph die Fortschritte der .iiuiben Künstlerin, die er als seine „Eriindtiiib" betrachtete. Ber schlanke, zwatrzibjähribe liiitblinb mit dem hellblonden Haar, das, schlicht hinter die Ohren bestrichen, in den Nacken herabfiel., mit den beröteten Watiben und den w asserblaucn Auben. die durch eine Brille ohne Fassmib zutraulich lierv orblickten. hatte sich nach und nach seiner kleinbiirberlicheu Familie und den Kreisen seiner Kollcbcn auf dem „Fclsenkeller" bauz entfremdet und verbrachte jede Stunde, die seine Beschäftibiuib inj Theater, und die bescheidenen Lektionen, die er zu beben verurteilt war. treiließen. in dem kleinen Stübchen der verfallenen S\nab<>bc. Bort war es m> heimlich, wenn ein Sonnenreflex vom Giebel des hohen Nachbarhauses durch die weißbcwaschenen T'eiistervorhäiibe blitt und die beiden Basilikum- Mockcheii .im Fensterbrett dem Lichtschein entbcbcu dufteten, oder wenn abends die messiiibene Oellampe auf der weißen Serviette des Tisches ihre hellen Kreise an der niederen Becke des Zimmers * s,liebelte und Reinchen vom Schemel des alten Lehnstuhls. auf dem die Mutter eiiibenickt war. Iiastib .uiispraiib und dem eintretenden Freund die feinen weilten Händchen eiitbcbcnstrccktc. (Fortsct/uiib folgt.) ■' Sieii: -i-iijmi. "l IKrzbl.itt. *•*) Nicht semesl.!i ivIiiii. SJ I ri-iulc. SS) \ i-rziilicii. §S§) Hexerei — ssss) < II.1.-11 S>sss> -Villen, .iiiieii. 6

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