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Die jüdische Frau · 1925-05-05 · 1 (5.5.1925) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
1 (5.5.1925)
Date
1925-05-05
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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DAS SCMKNHtim Von Josefa Met/. Hoi der Schaukel eine es lebhaft zu: zwei standen auf dem Brett und schwangen sich hoch, wahrend acht andere darauf warteten, an die Weihe zu kommen. Sie drängten und stieben sich. Anna, Lilli und Lva machten sich nicht \icl aus dem Schaukeln, sie lagen lieber im (iras unter den hüumen und erzählten sich was. Heute nun geschah das alles zum letztenmal. Der grobe (iarten des Ferienheims stieb an ein Roggenfeld und eine Wiese. Mit vieler Freude hatten die Kinder das Wachsen des IJrotes verfolgt. Nun war das Korn gemäht. Die blonden (iarhen standen wie kleine Hütten gegen das matte (irünblau des Abendhimmels, das von violetten Streifen durchschnitten wurde. Mit schweren Bewegungen iflachten die gescheckten und Iwaunen Kühe sich auf den Heimweg, die Kälber stolperten neben ihnen her. Die Wiese mit ihren zwei, drei Bäumen lag da wie eine Bühne nach dem Abgang der Schauspieler: ein nüchterner Raum, dem die Seele fehlt. ..Nu jehen die Kühe weg: die sehen wir auch so balde »ich wieder", sagte Anna. Fs war ein einfaches Bestätigen ohne Wehmut. „Ja. nu is hier alles alle“. Lilli steckte gleichmütig einen (irashalm in den Mund. Lva lag, den Kopf an den Armen, und sah über die Landschaft hin. Dab. man die nicht aufrollen und .mitnehmen konnte! Was blieb einem mm von dem allen?! Lin paar Blumen, diemorgen schon welk sein würden. Und, ja. die Lrinnerung. „Nee. nu ich! Nu aber ich!"-klang es von der Schaukel her. Mit wilder (Her flogen die dort bis in die Baumkronen hinauf. Ihn Ausschöpfenwollen lag in1 der tollen Hast, mit der sie sich bewegten. „In die Stadt is et manchmal auch ganz schon, denn stellt Herr Brinkmann seinen .Iranmiophon ans Lenster und denn tanzen w ir", sagte Anna und roch au der (ilockeiiblume. die sie abgerissen hatte. „Die riecht ja nicli!“ und sie warf sie fort. „Das Schönste war doch s lauge Schlafen nn denn das Baden", meinte Lilli und dehnte ihre weilten. vollen (ilieder. die den Sommer in vielen gelben Tupfen mit heim nahmen. Lva schwieg immer noch. Sie sah mit Herzklopfen nach dem immer kleiner werdendem Stück lichten Himmels, das von den violetten Streifen hart bedrängt wurde. „Sie sollen es dalassen, sie sollen es dalassen", dachte sie. „Wenn ich man bl ob erst mit die Schule fertig war!" seufzte Lilli und steckte den nassen, schlaff gewordenen (irashalm von neuem in den Mund. „Wenn ick fertig bin mit Schule, lern' ick’s Kochen. Meine Mutter sagt, det war’ am besten, 'ne ordentliche Kochin bei 'ne feine Herrschaft, die hat's int." „Nee. ick lerne Butz un denn verdien ick 'ne Menge .leid un denn . . ." Lilli verlor sich in Träume, viel zu phantastisch, als dab sie sie mit Worten hätte ausdrücken können. „Lva. was wirst',, du machen? Träumst de mal w ieder. Lvclien?" Lva fuhr auf. Lben hatte sie mit den dilnklcn Streifen da oben um ein bibchen < irunblau gerungen *> Aus dem leider null! neu .nitci-ltcU-ii liuehe AN e ti r - I o s e". und fast hatte sie es ihnen entrissen. Nun wurde sie gestört, und die da ober, bekamen es in ihre Macht. Ls dauerte eine Weile, bis sie sich wieder zureebtgefunden hatte. „Was is denn?" fragte sie eh wenig unfreundlich. „Was du werden willst, wenn du aus Schule bist? Ick wer' Kochin. un Lilli will Butz machen." ...Ich weib nicli." Schnell sah sie wieder hinauf. aber da oben war alles vorbei; die Streifen hatten gesiegt. „Ich dacht's la". sagte I va müde. „Was dacht’ste. Lva?" „Ach. nichts.” Von der Schaukel her kreischte es; „Du! Immer du! I n ’n andrer soll gar nicli ran! So'n ekliges Ding!" „Nu zanken sie sich", bestätigte Anna. .Morjen abend hol* ich meine grobe Schwester aus.n Jeschütt." Lilli uberlies es ihren Zuhorelinnen, sich auszudenken, was alles sie dann unternehmen würden. „L’n ick jch ubermorjen mit meine Mutter auf's Marcht. Un denn darf ick die Birnen probiern un die Aepfel. ick kenne alle Sorten." Morgen! I eberniorgen! Lva sank ganz in sich zusammen. .Kinder! Kin der!" rief es. Das-war Fräulein Hubler. die Hausdame. Lilli rollte sich erst noch einmal um sich selbst, bevor sie aufstand. wahrend Anna sich straff erhob. I’va blieb liegen. „Komm doch. Lva. essen!" „Ja. ja. geht man. Ich komme gleich.“ Bei der Schaukel weinte jemand, eine trostende Stimme klang dazwischen, dann der fröhliche Ruf: „Abendbrot. Abendbrot!" Die Stimmen wurden ferner. I vu stand langsam auf und sah sich um. Alles versank, trat zurück, wurde schwer, still. Line Birne fiel vom Baum und schlug dumpf auf den Boden. Lva schreckte zusammen und lief davon. Im Speisesaal saMen sie vor ihren Milchschusseln und krümelten Brot hinein. Sie redetu lustig durcheinander. Line sah verweint aus und hatte einen Kratz auf der Backe. Die kleine Toni legte ein Straulkheii neben sich. Vergibmeinuicht. Hahneniub und weilter Klee. „Das prell’ ich nur zum Anicdcnhen“. sagte sie uuu zog den (irashalm. der sie zusanunenhielt, fester um die Stiele. „Das ist recht. Toni", lobte Fräulein Hubler. „Na und ihr andern, nehmt ihr euch auch ein kleines Andenken mit?" „Ja. ich liab’n feinen Stein, ‘n ganz weiben, runden'; den verwahr ich mir und denn schreibe Ich drauf: Zur ITinnerting", sagte Marta die Klassenerste Und liiiniv. der Witzbold rief: „Ick nein»' mir -n Schnuppen mit von die nassen bube vor- >e stern!" Da lachten sie alle, auch die Hausdame „Das Andenken magst du in Berlin nur schnell wieder los werden", sagte sie. (Fortsetzung folgt.» Wir blllen ließ beim Einkauf unterer Inserale iu bedienen und slcß auf tle ju bejIeOen.

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