Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 1 (5.5.1925)
- Date
- 1925-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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% In den westfälischen Zeiten, als Köiii« J£rome in Wilhelmshohe, das man Napoleonshohe nennen muhte, residierte, herrschten auch in unserer Stadt alle Moden der Kaiser/eit. Fran/.osen errichteten "glanzende Kaufläden, französische Schneider sclutit tut die Zwickelkleider und ..kurzen Taillen französische Maarkräusler losten die dcutsclteu Zöpfe und drehten Löckchen und schkin«eii Haarschleifen ä L'lmpcratricc. Zu dieser Zeit nun war eine jüdische Friseurin in-tfie (iemeinde gekommen, die sich Kachel nannte: natürlich ‘sprach sie ihren Namen-französisch ans. und man hänete ihm. da das Persönchen klein, zierlich und bewe«icli war. das heimische Diminutiv an. wodurch der Name Kascheichen entstand. Im schlechtesten Französisch mit jüdischem Tonfall erzählte sie jedem: ..Je suis de Metz!“ Ihr pere sei Khntor an der «rollen Svua«o«e. ihr mari. monsieur Piccard. sei bei der «rollen Armee, sie sei nur zum Yer«nü«en «ereist und frisiere pour Passer le temps; sie sei une femme respektable und tres religiöse! Doch tru« sie nicht nach Art jüdischer Frauen die Haare versteckt, sondern ä la I Ltus zu kleinen schwarzen Löckchen auf«ebauscht. und zwei bewegliche schwarze Au«en funkelten aus dem kleinen, brauhen (iesicht. Sie lief zu allen Damen, auch bei den Behörden und der (Ieueralität hatte sie «eschäfti« zu tun und ..mon mari" war ihr drittes Wort. Man kümmerte sich aber nicht viel um den ..mari“ und fra«te nicht lau« nach ihren Antezedenzien. denn sie bewährte sich bald so trefflich in ihrer Kunst, daß alle Frauen und Mädchen auf den Bällen in der „Kessource" nur von Kaschclchcns Hand frisiert erscheinen wollten. 'Auch fand selbst die spitzeste Zun«e ihr, außer den liäufi«eii Besuchen des Militür«ouvernements. nichts vorzuwerien. Als die ..französischen Zeiten" zu Lude «in«eii. kehrte sie wie sie sa«te. nach Hause zuiiick. ihren \ater zu besuchen: von ihrem ..mari" sprach sie nicht mehr. Nach weni«en Monaten aber kam sie wieder. Ihren Vater hatte sie verloren, ihren Mann nicht wieder«efinden. aus dem bew ««liehen Mädchen w ar ein stilles Weibchen «eworden. Fin \ierjähri«es Toehtcrchen. Namens Keine, war alles, was sie aus der Heimat mitbrachte. Die Zeiten hatten sich ««ändert, man tru« schlichte Kleider und schlichte Zöpfe ä la Kur1 Prinzeß: statt der Bälle und Maskeraden waren Arbeitskränzchen und fromme Frbauun«sstunden Mode «eworden. Die Aufnahme fremder Juden in‘die Stadt- «emeinde war sehr erschwert durch die Polizei, ja , f «äuzlich verboten, wenn sie nicht reichliche f’xistcnzmittcl nacliweisen konntcfi. Kuschclchcti hatte, einen schweren Stand. aber ihr zur Sutc stand eine sie«reiche l urbitterin: die kleine* blonde Keine,. Uas schönste Kind aui I rdeiP Der hebrais.he Name zu und Malke. Kwjüra. iran/osjsji Keine, wurde sofort IN ..Kciiichen" übersetzt und paßte v ortrc itlivli auf das rosi«e. durchsichti«e Kind, das sn run und zierlich wie ein Por/ellanprinzcßchen a»ss.,|, mul alle Welt •'»lächelnd an der Hand der arnihcheii Mutter «n e I »ie Trauen und Mädchen blieben aut de i Mi.iPc stehen, um Keincheii zu herzen und zu küssen, wenn sie im Jareoii der Mutter «rußte: in kurzer /eil nt sie So «anz l.ieentum der I iemeinde «ewoiden. daß man sich rastlos bemühte, ein Plätzchen lur Kasch- « Ichen zu linden, und es auch endlich fand > >as Frauenbad brauchte eine Dienerin. In der allen >vi.a«o«e. in deren Kellerraum sich das ntnelle Bad befand, war ein baufalli«es Ziminerchen im dritten Stock, das die (iemeinde her/ustellen sich entschloß. Hier wurde Kaschelchen installiert: «c.\isseiihaft waltete sie ihres neuen Amtes, handelte nebenbei ein wem« mit alten Spitzen oder versuchte bei besondereil (ielc«cnhcitcn ihre alte Kunst au den fett - «länzenden Haaren . ihrer Nachbarinnen. Wie ein Koseiipilän/chen an einer verfallenen Mauer wuchs Keincheii in dieser Ktiine auf. «epfle«t und «eliatscllelt voll ab«ottischer Mutterliebe. Irotz des modri«en Stübchens, in dem von verwitterten Balken ««stutzte» Haus des dunklen (laßchens. tu dem die Sonne nur die Diebel der Dächer streilte. leuchtete das Mädchen wie von innerem Sonnenschein und hüpfte mit ihren «oldfarbi«en Saili.uischuheii >o zierlich über das schmiitzi«e spit/iee Pilaster des (i.iltcIleus, als ob es das Parkett eines l.mzs.i.ds «wäre. Mil ihrem Kleidchen durltc kein I lecke heu sein, durch ihre «oldblonden 1 laute war stets ein farbi«es Band «esclilun«eti. denn die Trauen und Mädchen beschenkten sie mit Blumen und Scliiiiuck. wählend Kaschelchen selbst zur Winterszeit sich in ihren seidenen Shaw I ä la dauphin einw ickelte. den sie aus besseren Zeiten aus Metz. mit«c hr.iclit halte Ahet sie verlan«te nichts anderes, sie wäre «ekrankt «ewesen. hätte man sie und nicht ihr ..•«ebcnschies Keincheii" beschenkt. In secli«er Mutterliist betrachtete sie das Kind und hatte nicht mit Madame D.oldschmidt oder mit Madame I eidel. den reichsten Frauen der (iemeinde. ««tauscht' ---—4F«rPsetZH‘H; ToKn-i— - Aus anderen Zeitungen. . Das Frauen Wahlrecht in der berliner (iemeinde. In einer der letzte» berliner Kcpr.iseiUautcii-bitziingc» ist. wie aus unserem bericht hervortun«, die I v tigstclliirig des m.neu (ieineitidesl.itiits fiir die nächste Zeit in Aussicht gcstiilt worden. it.is neue Statut wird ohne )ed enZweitel auch das I r.iucriw.ihlrecht lur die berliner t iemeinde bringe» Nachdem lur die Wahlen zum l.andesverh.illd den I rauen die W alilbci« chtigung Kcwiihrt worden ist. war es vollkommen sichet. Iah das neue (iemeilidesiutut den ('rauen auch das W.diliecht Im die Keprasent.intenversammlutu: nicht vorenthalten wurde. In l'.rmeller be/iehhiig sind die (iemeindehehurdcli msolern nicht in ihren bntsehlussen frei, als hekauntlicli noch immer das ludencesetz von |s«7 gib. nach diesem die W ahlberediligimg . ul die männlichen Mitglieder beschrankt hleibt. Nachdem ledoeh in Reich und Staat das aktive und passive Wahlrecht det I rauen in weitestem t inlange d'irchgc-fuhrl ist. kann wohl nicht he/weiielt werden, d.ih einer entsprechenden statijariscliert bcstimmung die < ic-nchmigung der Aufsichtsbehörde» nicht versagt hlciben wird. Dali sämtliche Parteien mit dem I iauenwahlreeht als einer feststehenden l.itsachc rechnen. beweist die k’iKksichlllaluiiv die In i den W .dilv "ibe r ritiinke'' Ulf die Pude dieses lallles si.it (liinle: eie Neu.v.iiil >', r kein asciitautciiv el'.immhiug aut die' Itweileiwn.!e >"AV liier /.lll dureil tlm/unahliie der wc'hk.lee , < i e r idem U redet genommen wird. , Nach det I Hl w ic k'uiig eiet M.k In v e I i.i.'tn •-e ' ■ i> > '. .11 ‘ Maat in deli Icl/teu I.einen el.eit wdil . ei 1 an ■ ve e 1 d> elah eine gloll/ilglge Ve »eie 1 nng eie > k| n, n ,e " s,' ».ei,, ke ilen mein htgcguiu wild. Da- , U eie 1 V. .1, ■ . v - , himdelle I 1 aiieliw al'll e l’l wird m d« 1 /• etiin.e : -e!.- •' . eie e Re prrtse lllailteuv e rsammliing eene w e 0 .'. Ve V' '.e r VMliulell Nicht nur eile gl diele / -M de 1 \V ale e 1 .■ '.die zum I eil aktivere I m-ielhmc de I ■ 01! 1 - Io ■ li. ■•: / . eie I ie meinde.rugi'ie genilie ite 11 witel lllieu V b ■ k 11 eie Man el.de» det < Kille Itlde V e 111 e 11II1., lind 1 i >e bi-' e o. e l.t.el reuigen ehe mit «le r Mit erbe it . Ir.me- I d , 1 n; . ■ ■. v e r Ir elung ge Mia. In wor«l«li viiie). sitiel - r -leb •' . 1 » Sn d lll V I .|| ihr- III t nur lll MI die I le 1111 ",.U lee li n de1 " e n»e r e ' Sinn« zwelleilos eine elhebh Ile be e ne.! . eie. I le 1 e mde a 1 e!' etw.eitel weiden kann A kt 1 b ell bürge 1 I .elflll 11 nb 1" . n, .> e , .>«1 7