Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 1 (5.5.1925)
- Date
- 1925-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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RAffBtKLfHCN ♦ ♦ ♦ Non eilevon S. 11. von Mosenthal. Wenn DasJielchc» dmcli die Strahen huschte i d. .01 die ll.msc r -gedruckt. sich plötzlich wie ein MIi.illen ii der l leie eines Hausflurs verlor, so M li.nuii. Heu die \ orubcrccjiciidc» und warfen einen i limiiticcu Iflick .int das Haus, in dein sie v ereil w and. >ie wühlen. dah dorl eine blühende lung-!>au. eine Jueklielie Mutter oder eine würdige Mato nie im Merheti lau: denn nur dann \erlieli Dasclii kIn n ihre- Kammer im Dort »eben dem I riedhof. viiikbutc am MvrbclaciT'- die I olcmjcbclc und N ir-Ji und kleidete die 1 .eiehell au. Deshalb nannte in.ui sk m der (lenieinde den .. 1 odesemiel": wie die ,Vi<>\e den Murin, so \erkundete ihr l.rseheinen den IikI es war. als ul« ihre I''inner das geheimnisvolle ’ ial au die I lausture /eielu'eti müsse, damit der I oele'eti'. el wisse, wo er eili/ukehreii habe. h’.isi heleheii war eine sicb/iitjahriitc tireisin. v ■ Hustens seinen sie es /u sein. Die Uestalt war Idem und ci-biickt. über dem gefurchten, bleichen , < n su ht s<hlott ein scliwar/.es Hand survifisItiv; die Paare ein. nach indischer X orschriit: eine Haube mit > e rblal.teii gilben Hniidern war auch /ur XX inters- , ut ihn■ vin/uic Kopihedeckum;: ein alter seidener Mi.iwl. der /w isclien ^rim. c'elb und graulich spielte. > aul Mm den dinreii Ilanden vorn /usamnieiiv:efalit. Dabei sjmltelte oder nickte sie beständig' mit dem Kopte, wie un MlMst-ci-sprach. sah keinen der X orebeigehenden an und v;rullte niemanden, als ob sie " uUtc. dal! iln (irull als böses (Inieii vielte. I tid doch li..tie ihr IHkk nichts um dem Stechenden, das ue- AViihnlkh dem ..bösen Hl ick" lAiin Imra) /»geschrieben w i rvl: ihr Xuee warwie von einem grauen Mhleier verdeckt Der Schieier, wie ich mir später ii/.ililcii hell, war aus I rauen gewoben. I s ml um iiiaiichesin.il aut. dal! Iv.ischelclien Ki dein Inischi ndeit < lang /u Sterbenden in ihren duiiiii I inner» IHumen trug, die sie vorsichtig unter >1 lein likli /u verstecken suchte. Selbst zur XV iutus/eii sah kli sie einmal heimlich in den Scliellli.isscheii < i.ii teil schleichen und imt ilashause bleiche lemisui kauten, die sie. wenn sie unbeachtet zu -un glaubte. I.uhehid und mit dem Kopf nickend bcii.uhuti und su dann ängstlich verbarg. Ich ereilet u misli. il.it! ui vier (iemeindc ein imiees M id- - in ii cesimben war. Da man aber nach jüdischem Iv'itus die loten nicht mit Hlunieii schmucke» d.trt null Dasein. Ichen mit I ebenden kaum verkehrte, so l 'iirk .i.li mir. den /u.sanuneiihaiic' uicjit erklären. lialil gab mir eine befremdende, unheimliche S/vi'.c vleii Antsi hltill. Dein V iv Igeprutieii Dulder hi! Di macli. w.u wiede i eine seiner blühenden l-oeldi i dilti Ii ih n I ml entrissen worden. Da ich i den Hivor/U'cteti zahlte, „w eiche an dm hohen I in m.rein eingel.ulen wurden, die erforderliche /ilui/ah! i.Mini.i'it zutu t „ ttesdienst in dem ijrtmv 11 l.aneteii /immer des edlen < ireises Zu ergänzen. ib.mcti es mich, dem I eicheiibegangnis des liebbl hi n Made In ns bei/uw oluieii. die im V ergangenen, llnbst noch in rosiger Hlute stand und mm inr den- i.u■nahenden I euz ihten I ruhling zum Opfer bieten nullte Die l'oimiie Hrtiderscliuft der ..Chew re" w a, 11Os t. iikht v 11 sammelt, als ich beklommen die mit wi klu n I cpiMcheii belegte Stiege huiaiischritt. \ui wiiiici einzelne st.unieu stamm itn XX artezimmer. ich lehnte schüchtern am Stiegengelätider des X orplatz.cs. Ibt sah ich die beiden jümteren Tochter schwarz, gekleidet und mit gesenktem Hlick auf die I ur eines Seiteiigemaches zuschreiten, die sie scheu und bellend öffneten. Tin dumpfer Dunst von Wachskerzen und Däucherwerk drang aus dem /immer und unwillkürlich liehen die Mädchen die Türe bul'b geöffnet /wischen zwei auf schwarzen Leuchtern brennenden hohen Kerzen stand in der liefe des /immer-, der noch geöffnete, mit einem schwarzen Hahrtuch verhüllte Sarg. Die beiden Mädchen beugten sich hinab und fällten nach dem Hahrtuch, um die Zuge der geliebten Schwester zum letztenmal zu selten, da trat aus der dunklen Tiefe des Zimmers Daschelchen hervor lind wehrte sie. mit dem Kopf schüttelnd, ab. I »hörbare Worte w urden getauscht: die Mädchen liehen es sich, nicht ohne sichtbares XX iderstrebeti gefallen, dah die Alte mit einer liätimwollenen Schnur vom Scheitel bis zur Solde ihnen das ..Mail nahm". Wie eine Harze seimitt sie mit einer Sclieere über ihren Häuptern den Laden ab. ivlt weih nicht, welcher (iedanke diesem jüdischen < iebratich zugrunde liegt. Man darf dem Toten kein I icbespiand der Lebenden, keine Hlume. keinen King mit ins (irali gebe», damit die selmende Seele die Zuriickeebliebeiien nicht nach sich ziehe. .Aber das I.ängenmah jüngerer Xerwandten legt man ihm v leiclisam als ein Symbol des Loskattfs in den Sarg. Als nun die Mädchen mit verhüllten Dcsichtcrn am Tuhcnde des Sarges niedergesunkeit waren, da -all ich. wie die tireisin. die -ich völlig unbemerkt glaubte, rasch mit der Sclieere nach ihrem eigenen Haupte fuhr und unter der Haube ein Löckchen ihres silberweihen Haares abschnitt. das sie vorsichtig zu den /iisammeneerollten Schnüren des ..Malles“ gesellte. Dann schob sie das Hahrluch am Hauptende ein w eilig zurück, legte leise tastend das Liebespfand unter das Haupt der Lntsclilateneli. und dicht an das t ihr der loten gebeugt, (icbetc oder tfrühe murmelnd. nickte sie mit dem Kopf und hob die Linke wie sehnsüchtig winkend zum Himmel empor. Die Schritte der heranualicndcn llriiderscliaft erweckte sie; sie erhol) sich rasch, die Lurchen ihrer Wangen waren von 'Tränen durchrieselt. Die Mädchen schlichen stumm davon. Litt Murmeln von eintönigen ( ebeteii. dazwischen die dumpfen Schläge des Hammers auf den tannenen Deckel des Sarges und der traurige /tig setzte sich in Hewegtiiig. An die I ensterscheibeu gedrückt, weinten die Schwestern u ihre weilien Taschentücher den letzten (iruh: der greise X ater Mich in seinem Zimmmcr Verschlossen. Ich muH gestehn, dah meine t iedanke» nicht bei den Trällernden, nicht hei der jugendliche» Leiche, sondern allein bei der seltsamen, unheimlichen (ireisin weilten. Die Tiircht. die ich einst vor ihr empfand, batte sich in tiefstes Mitleid verwandelt. Ich fühlte, dah ihre lllmueu. wie ihre Tränen nicht den Lremden galten, und daII sie die Llocke ihres Silberhaares ins tirab gesandt, weil sie das Hüiabgezoeeti werden ins schattenreich nicht fürchtete, sondern ersehnte. Ich nahm mir vor. nach Duschclchcns Schicksal zti forschen. XX as ich von der Mutter und von der alten Tante V.hantle, die die Chronik der (iemeindc war. erfuhr, das will ich mit/utiilen und zu schildern versuchen.