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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 21. · p. Seite 163

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 21.
Date
1871-01-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 2) dessen Glaubenslehren und Vorschriften dienen in Bezug auf alle religiösen und cermoniellen Angelegenheiten den Gemeinden zur unverletzlichen Richtschnur. 8- 6. Ein Vorsteher oder Beamter der Gej mcinde, welcher eine mit dem Schulchan-Aruch nicht ' übereinstimmende Abänderung einer Gcmeindeein- , richtüng ober Hebung beantragt, verliert äugen- > blicklich sein Amt.! 8. 12. Bei Streitigkeiten, welche ausschließlich administrativer und financieller Natur sind, wählt jede streitende Partei zwei weltliche Mitglieder zu Richter und dies: einen Rabbi zum Präsidenten. 8- 22. Die Untcrrichtscommission. welche von der Gemeinde gewählt wird (der Unterricht in den weltlichen Lehrergegenständen unterliegt der Oberaufsicht des Staatsschulrathö) entscheidet über -den religiösen Lehrstoff — Mikra, Mischna und Talmud. Wir brauchen nichts mehr. Von der Thora ist im ganzen Statut nicht die Rede; nur vom „unfehlbaren Schulchan-Aruch." — * * ♦ Puck, Montagszeitung für die elegante Welt, enthält einen immerhin bemcrkenswerthen Artikel, den wir seiner Originalität willen, hier wicdergeben: Hofrath Philipps in Wien hat den Satz ausgestellt, es sei in fünfzig Jahren so weit gekommen, daß man dann, im Gegensätze zu der jetzt auf der Tagesordnung befindlichen Emanzipation der Juden, von einer Emanzipation der Christen werde sprechen müssen, denn bis dahin würden die emanzipirten Juden mit der ihnen eigenthümlichcn Raschheit der Ausbreitung die völlig Tonangebenden der Zeit, die Christen dagegen die von de» Juden unterdrückte Racc sein. Und wenn auch der citirte Gelehrte die hier oben wiederholte Behauptung selbstverständlich nicht im völligen Ernst machte, so liegt in ihr doch eine tiefe (!)Wahrheit(!!), die nicht unterschätzt werden darf. So wie heute die Verhältnisse liegen, kann bereits nicht mehr geläugnet werden, daß die Juden eine abgesonderte (?!) Macht im Staate bilden, eine Macht, die den weitestgehenden Einfluß ausübt, denn sie gebietet über die weitaus größten und zweckdienlichsten Mittel, — über das bewegliche Geld, ja sie haben den flüssigen Theil desselben fast völlig in Händen. Darauf gründet sich ihre unbestreitbare Macht; das Geld ist ihre Domaine, daß sie es geworden ist, nicht ihr Verdienst, sondern eine Folgewirkung der verkehrten Maximen, mit denen seit Jahrhunderten die Juden behandelt worden find. Der rechtlos gestellte Jude des Mittelalters bedurfte de« Geldes, um sich die Erlaubniß zum Dasein zu erwirken; er hat sich nicht wie der begüterte ^Christ im Wohlleben gewälzt, sondern seinen Besitz verheimlicht, denn er wußte, daß er keine Stunde sicher! sei, ob er nicht wieder durch Hingabe eines Theils oder des Ganzen seines Vermögens sich die Luft erkaufen müsse, deren er zum Athmen bedurfte. So wurde bei den Juden das Geld zur Schutzwaffe. Andere Zeilen sind gekommen, die Elemente sind geblieben, selche, als noch die Verhältnisse den Juden zum Ringen nach Besitz gebieterisch zwangen, für ihn Lebensbedingung geworden waren; der Jude blieb das, wozu ihn die Abscheulichkeit der mittelalterlichen Staatsweisen gemacht, aber die äußeren Umstände wurden anderer Art, die Rechtlosigkeit der Juden hörte auf. er mußte nicht mehr um seinenackten Lebens willen Besitz haben, er bedurfte de« Geldes nicht mehr znm Schutz. Aber er befaß es schon, als mildere Sitten austauchtcn, und fortan verwandelt sich da« Geld der Juden zur Trutzwaffe. Er will auch Macht, nachdem er sich einmal das bis dahin noch in Zweifel gewesene Recht zur Existenz erstritten; dazu mußte ihm wieder der Besitz verhelfen und — er hat ihm dazu geholfen; heute gibt'S kein nennenswerthes Finanzunternchmcn mehr, welches ohne jüdisches Geld prospertren kann. Und was ist dcß' Ursache? Die Christen mit ihrer VcrfolgungSwuth Andersgläubiger, mit ihrem widersinnigen System der Absperrung aller Nichtchristen vom Regiment. Man verstopft einer intelligenten Nace im Staate alle Kanäle, in denen sich ihre Thätigkeit ergießen könnte, bis auf einen, und wundert sich dann, wenn, die unterdrückte Race in diesem einen Kanäle die Herrschaft an sich reißt! - Jetzt sind die Juden emarizipirt; als die letzten

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