Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 20.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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159 Cincinnati. Die Angriffe, welche das Christenthum L la Renan und Strauß auch in Amerika seitens seiner gelehrten Bekenner erführt, mehren sich. Es ist ein bezügliches Buch The Jesus of History erschienen, welcher sehr gerühmt wird. Zwar von einem Anonymus, aber dies nur, weil solche Versuche trotz der Freiheit de« Landes noch schüchtern auftreten; besonders wenn die Verfasser solcher Bücher Amt und Stellung bekleiden. Ft Ul He ton. Lustschlösser. -Alte Geschichte« von I. (Fortsetzung.) Bis tief in vie Nacht hinein blieb die Gesellschaft beisammen. Trotzdem sein Geist anderweitig beschäftigt war, hatte Lehfeld durch sein Mitgehen, sein Uebersehen de« verletzenden Spottliedes und sein Spiel sich viele Freunde unter den Anwesenden erworben. Er war seit lange nicht mehr so glücklich gewesen. Als sie weggingen, sagte er leise zu Marx: .Ich hab's." .Was haben Sie?" .DaS Eckschränkchen." — Wochen waren seitdem vergangen. Wie das ein Getriebe war in der jüdischen Gemeinde Dernheim, wie es bisher noch nicht vorgekommen. .Der Lehrer hat Chanukka mitgefeiert im WitthShaus und Wein (Nesech) getrunken und Violine gespielt," sagten die frommen Feinde. .Der Lehrer ist doch bräver, als wir glaubten, man muß ihn nur kennen," sagten die jungen neuen, aber warmen Freunde. In den dem Feste nachfolgenden Wochen kamen verschiedene anonyme Briefe an von Orten, in welchen sich Lehfeld früher aufgehalten hatte. Da und dort sollte er verbotene Speisen genoffen, den Sabbath entweiht haben. Man erinnerte sich, daß er einmal mit seinen Schülern einen Spaziergang in ein anderes Dorf gemacht und dort sie mit Milch und Brod traktirt habe, — natürlich für sein eigenes Geld, — aber in nicht koscheren Gefäßen. Damals hätte man sich deffen gefreut, weil die Kinder sich so sehr glücklich fühlten. Jetzt wurde e«, zu dem anderen gelegt, eine Todsünde. Parteien bildeten sich; die Freunde und - die Gegner kamen hart aneinander, Lehfeld wußte nichts davon; ihn beschäftigte das Eckschränkchen. ,Wo war Veilchen und wie konnte er ihr das Geheimniß mittheiten? Tie Rührigsten der Gegner waren Klappermosche ' und Rabbi Pinechas. Es schien, als hätten .sie kein wichtigeres Geschäft, als Lehfeld anzuschwärzen. .Ich gehe zum Rabbiner," sagte der Erstere. .Ich, Moses Allmann, will . sehen, ob ich noch länger den Poschea Israel1) vor dem Omed *) und der Thora sehen muß." Hinter den Männern aber standen die Frauen: Frau Maßmann und Frau Allmann. Tie üppige, auf ihren Mann stets eifersüchtige Frau Maßmann ärgerte sich über persönliche Zurücksetzung. Ter Lehrer war so stolz; er hatte sie gar nicht beachtet. Sie war ihm doch so freundlich entgegengekommen, denn ihre Kinder -r-" sagte, I und .Er ist ein schöner, junger Mann," dachte sie. Unv | Frau Allmann — ihr war der Mensch ein Dorn im! Auge, weil er nicht ihr und ihrer Töchter devoter! Diener war. Sie hätte es nicht gerne gesehen, wenn j eine ihre Töchter ihn anders als wie einen Untergcordj neten behandelt hätte; aber Lehfeld gab so gar keine j Gelegenheit dazu; — und wenn ihre Töchter bei , einer öffentlichen Belustigung erschienen, wo er zugej gen war, da tanzte er mit ihnen nicht mehr, als mit! irgend einem armen Mädchen. , .Er muß fort," das war ihr Refrain bei ihren i Zusammenkünften; und sie verstanden es, ihre Männer, ' die Vorstände, aufzustacheln.! Noch wiegte sich Lehfeld in seinen Träumen, als | eine Aufforderung des Rabbinen kam, sich vor ihm i wegen verschiedener Beschuldigungen zu vertheidigen. Lehfeld ging. Er wußte nicht, was er Unrechtes j gethan haben sollte und ging mit ruhigem Gewissen. Als er auf diesem Wege vor .Bierfranz" vorüdergehen mußte, trieb es ihn, einzukehren. Er traf den Wirth allein und lenkte das Gespräch auf das Eck schränkchen. .Ei, ich Hab' den Schlüssel verloren," fugte dieser/ .doch weiß ich allerdings, daß Friß in ein kleines Büchclchen alle seine Geschäfte eingetragen ~ und dort hineingelegt hat. Auch anderes Geschrist hatte er darin. Aber ich glaubte, wenn es Werth hat, wird schon Klappermosche danach ftagen und dann hätte .ich cS auch der Tochter Feiß' gesagt. So aber — nun, wenn Ihr glaubt, bringt mir die, Tochter meines verstorbenen Freundes Feiß und ich will ihr ° das Schränkchen öffnen. ') Sünder gegen das Religionsxesetz Israels. *) Vorbei erstuhl. »