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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 20. · p. Seite 158

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 20.
Date
1871-01-01
Page
Seite 158 (sequence 6)
Language
German
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158 Anordnung gelangen lassen. „Der Verwaltungsrath des württemb. LaiideSvcreinS der Kaiser-Wilhelm- Stiftung für deutsche Invaliden bat, wie an die christlichen Oberkirchenbehördcn, so auch an die israel. die Bitte gestellt, eine Anordnung zu treffen, daß die Erinnerung an die für Württemberg so schweren aber auch rühmnnd opfervollcn Schlachttage des 30. November und 2. Dezember 1870 auf eine entsprcchende Weife' kirchlich gefeiert und damit die Mahnung zu Gaben für die Invaliden und die hilflosen Hinterbliebenen der Gefallenen verbunden werde. Tie isr. Dbcrkirchenbehördc glaubt im Sinne der Israeliten des Lande» zu handeln, wenn sie diesem Wunscke bereitwilligst entgegenkommt. Demgeniäß erhält der Rabbiner drn Auftrag,^§abbath-Channcca den S. Dez. über^folgende Stelle: I. Buch der Maccabäcr 3,58—60. „Judas ermahnte sie, gerüstet zu bleiben, sich als Männer zu beweisen, und auf den folgenden Morgen zur Schlacht gegen die Heiden bereit zu sein, die sich versammelt Kälten, ihrem Polk und Heiligtbum ein Ende zu machen. Denn es sei beffer, mit dem Schwerte in der Hand zu sterben, als -das Unglück des Volkes und des Heiligthums zu sehen. WaS aber, setzte er hinzu, im Hinimel der Wille ist, da» geschehe —" einen entsprcchenden - Vorttag zu halten und zu freiwilligen Svenden für die württemb. Invaliden und die Hinterbliebenen der im Felde Gefallenen zu erniabnen. Beim Ircitngabendgottcsdienst ist der Gemeinde von der freier Kcnnkniß zu geben und diejenigen, welche äm anderen Tage zur Tchora aufgernfcn wcrdem, zu ersuchen, ihre Spenden dem genannten Zwecke zuzuwenden. Tie eingehenden Gaben und Spenden sind von den Kirchenvorstehcrümtern direkt an die Kaffe des württ. Landesver« eins der Kaifer-Wilhclm-Stiftung einzufendm. Der Rabbine wird Sorge tragen,,daß Gleiches in allen Synagogen feines Bezirks 'geschehe. Schund. Jordan. Bern. Der Nationalrath der Schweiz hat folgende Artikel in die Berfaffung ausgenommen. Art. 47. „Die Glaubens- und Gcwiffensfreiheit ist unverletzlich. Niemand darf in der Ausübung der bürgerlichen oder politischen Rechte um der Glaubensanfichten willen beschränkt oder zur Vornahme einer religiösen Handlung verhalten oder wegen Un« terlaffung einer solchen mit Strafen belegt werden. Tie Glaubensansichten entbinden nicht von der Erfüllung der bürgerlichen Pflichten." Art. 48. Der Nationalrath gewährleistet die freie Ausübung gottesdienstlicher Handlungen innerhalb der Schranken der Sittlichkeit. Der Bund und die Cantone behalten sich die Handhabung der öffentlichen Ordnung > und des Frieden« unter den Confefsionkn, fowi gegen die Eingriffe der kirchlichen Behörden in hie Staats- und Bürgerrechte vor. Der Sonntag wird als Tag der öffentlichen Ruhe anerkannt.! Paris. M. Schwab, der bekannte Herausgeber ‘ der Revue JSraelite, beabsichtigt die Herausgabe de« jerusalemischcn Talmuds in französischer Uebersetzung; er hat den ersten Tractat Berachot schon vorbereitet. Padua. Das hiesige Rabbiner-Collegium ist aus Mangel an Schülern, wohl auch aus Mangel an Geldern geschloffen worden. Ter Oesterreichische Staat hat die Anstalt aus öffentlichen Mitteln ge-; gründet nnd erhalten, Italien unterstützt sie nicht, weil Trennung des Staats und der Kirche Staatsprincip ist. Die ganze italienische Judenhcit hat sich nicht als stark genug bewiesen, die einzige Pflanzschule für seine Rabbiner und Lehrer, seine einzige ' Pflanzstätte jüdischer Wissenschaft zu halten. Dies gibt zu denken. Aber es ist bei Ihnen in Deutschland auch nicht bester. Tie Hochschule in Berlin ist immer noch nicht zu Staude gekommen. Die Breslauer Schule verdankt zwar den letztwilligen Bestimmungen eines ohne Erben verstorbenen reichen Mannes ihr Bestehen, aber vor Allem den Bemühungen.eines Rabbiners (Geiger) dafür ihrr Entstehung. Sü 1 wenig kennt und schätzt jetzt Israel seine Wiffenschast, und die Männer der Wiffenschast waren früher, — i cs ist noch nicht zu lange her — sein Stolz und Adel. Es wird mit den Rabbinern so werden, ja es ist theilwcifc schon so geworden, wie mit den Lehrern: Männer mit verdorbener Carriere werden : sich dazu bestimmen und dazu gewählt werden. Männer ■ von Beruf, Genie und Charakter wird man in Zu- 1 kunft selten unter ihnen finden.. Die schlechte Hono-; rirung, die untergeordnete Stellung, die geringschätzende | Behandlung, welche man diesen Männern im Amte! zuweist, geht damit Hand in Hand. So erklärt > es sich auch, daß die größten Gemeinden ihreRabbinatsstühle vakant lasten; man bedarf des Rabbiners; nicht, oder der schlechteste ist gut genug. i Plymouth. Der bekannte Missionair Stern, jüdischer Renegat, hat hier auch in einer Versammlung I mit der Taufe eine» spanischen Rabbiners aufge-! schnitten. Er stieß aber aus ungläubige Gemüther! und wurde dementirt. Ueberhaupt ist man sich auch > in England der vergeblichen Bemühungen für die I Bekehrung der Juden bewußt und fängt an, dm l enormen Kostenaufwand für solche eitle Zwecke laut zu tadeln. Ja es werdm sogar in diesem Lande Stimmen und zwar geistliche Stimmm unter dm Christm laut, welche dem Judenthum im Gegensatz zum Ehristmthum eine Zukunft verheißm.

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