Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 20.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
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156 dar Wachtel ab, wie ich jede Interpellation wegen Mithilfe des Rabbiners der ^-äas-Iisrael in Berlin zurückgewiefen habe. Selbst wohlgemeinte Warnungen, daß ich mich keiner Illusion hingeben möge, mit einer derartigen Richtung irgendwie auf neutralem Boden vorwärts zu kommen, habe ich unbeachtet gelosten, denn ich ging strikt im Sinne und Geiste des Ge» meindebunde« vor. . ES muß endlich doch einen Punkt geben, wo jüdische Herzen einen gemeinsamen Schlag cmpsinden, wenn auch die Köpfe auseinander gehen; es muß möglich sein, unserem .Religionsstamme denjenigen Parlamentarismus beizubringen, der jede Nebcrzeug« ung ehrt und anhört und dem Individuum sein angeborenes Recht läßt, wenn nur sonst gemeinsame Berührungspunkte da sind. Diese Voraussetzung hat sich auch glänzend gerechtfertigt. Denn unter den 90 Gemeinden, welche bis jetzt zur Gründung des Geineindebundes angemcldet sind, befindet sich eine gute Zahl höchst respektabler orthodoxer Gemeinden im Allgemeinen und orthodoxer Vorstände im Besonderen, welche einerseits keinen Anstand nehmen, den gemeinsamen Zweck zu erstreben, gemeinsam mit Gemeinden des entschiedenen Fortschrittes; so wie andererseits von entschieden fortschrittlichen Vorständen meinem Bestreben nach Neutralität in »angegebenem Sinne in wärmsten Ausdrücken Zustimmung ertheilt ward. Dieses ließ mich auch in Augsburg, wo jene Mahnungen um Warnungen an mich herantraten, die Erklärung abgeben: Ich kenne fdnc Fortschritts- Schnorrer und keine Rückschritts-Schnorrer — ich kenne keine Fortschritts- oder Nückschrittsbeamte; der Beamte, der seiner Gemeinde langjährige gute Dienste geleistet, soll Pensions-Anspruch haben; so wie -die Durchführung der vollen Gleichbcrechttgung der Juden nicht blo« Einer Parteilich« tung zu Gute kommen darf. Dieses Princip habe ich vor den drei zahlreichen Versammlungen während der Mesten vertreten unter; Billigung der alle Richtungen umfassenden Auditorien | und dieses Princip werde ich gemeinsam mit den Ausschußmitgliedern aufrecht halten, bis wir unser Mandat in der nunmehr nahe bevorstehenden con« ' stituirenden Versammlung des Gemeindebunde« niederlegen -werden. Im Geiste dieser Pflicht der Geschäftsführung , des Gemeindebundes darf mich der strenge Ton, in welchem Herr W. gegen die von mir nicht gut gekannten, von Ihnen hochverehrten drei Männer der „Colonisation" schreibt, nicht beirren, ebenso Menig wie das auch von Ihnen erlassene „Anathema" gegen würdige Rabbiner und hochgeehrte Gelehrte der fortschrittlichen Richtung, der ich anzugehören die Ehre habe. Herr Friedrich Wachtel aber ist derselbe, der unter dem Beifall aller Blätter Ihrer Richtung gegen Fritz Reuter so warm da« Wort für das Judenthum geführt und ist derselbe Königlich Sächsische , Gerichtsreferendar, der so eben ein glänzendes Kid« dusch-Haschem gegen das Sächsische Justizministerium ,■ durchgeführt, indem er eine Verkümmerung seine« i Rechtes als Richter, au« konfessionellen Gründen, : mit seinem freiwilligen Austritte au« dem sächsischen Staatsdienste beantwortet, obschon das Ministerium; ihm wegen seiner ausgezeichneten Amtsführung ausnahmsweise Gehaltserhöhung zusprach. Derselbe Herr Friedrich Wachtel (nicht Theodor : Wachtel, wie der „Israelit" druckt) ist daher im eminentesten Sinne ein „guter Jude," der mit demselben energischen Eifer indolenten Gemeinde- Vorstehern, wie berühmten Schriftstellern und Ministern die Wahrheit sagt; und der sollte seine literarischen Arbeiten einer Ccnsur unterwerfen? Herr Gerichtsreferendar Wachtel liefert eben in seiner Person den Beweis, daß wahre moderne Bildung zu intelligentem Eifer, zu wahrer Begeister-; ung für das Judenthum, zu jedem Kampfe, zu je« i dem Cpfer für dasselbe bereit macht. Andererseits! ist cs tief zu beklagen, daß Sic Männer mit chimärischen Projekten in Schutz nehmen, welche der christlich-germanischen Presse, ja selbst sonst liberalen Blättern neuen Stoff zur Schürung des Judenhasses geben, gerade an der empfindlichsten Seite, der nationalen, wo auf die „Sonderbestrebungen dieses fremden Stammes" hingewiesen wird und das ffür ein Projekt, dessen innere sachliche Haltlosigkeit und schwärmerische Planlosigkeit der Herr Dr. Lehmann in dir. 49 de« „Israelit" so gründlich selbst nachweist und aä absurckum führt. Nachdem fi^ das, was wirklich in Palästina für die intcllcctuellen und ökonomischen Bedürfnisse unserer dort lebenden Glaubensgenossen zu thun, das Mögliche durch die Alliance israclite universelle in die Hand genommen ist, kann ein so/chimärische« Projekt der drei sonderbaren Schwärmer, als welche« es nach den Auseinandersetzungen des Herrn Dr. Lehmann zu Mainz selbst erscheint, keine andere praktische Folge haben, als RisckmS zu machen und die Wirkung des im letzten National-Kriege vergossenen jüdischen Blutes in der Presse paralisiren; und eS kann, nach meiner Meinung, nicht laut und öffentlich genug von jüdischer Seite dagegen Verwahrung eingelegt werden. In diesem Sinne hat die Arbeit des Herrn Wachtel meine persönliche Zustimmung. Wenn der-