Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 19.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428704-5428758-5433899--3776-4899976- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wendet sich an das sittliche Gefühl der Einzelnen, und empfiehlt nur das Ersetzen der Levirath-ehe durch die Chaliza. Auch alle die Autoritäten im Talmud, welche den Ausspruch des Abba Saul billigen, empfehlen nur die Chaliza und geben ihr den Vorzug vor der Leviratsehe. „Das Gebot von Leviratsehe hat den Vorzug vor dem Gebot der Chaliza; das war früher, als man es um des Gewissens wegen that; jetzt, da man es nicht des Gewissens halber thut^ sagten sie, daß da» Gebot der Chaliza den Vorzug verdiene vor dcrLevirathsehe" (das. 39 b). Weil man nämlich, wie dort weiter ausgcführt wird, dem Abba Saul bei« stimmte, hat man der Chaliza den Vorzug gegeben. Aber niemals wurde Abba Saul's Ausspruch dahin gedeutet, als ob er die aus äußeren Motiven geschlossene Leviratsehe eine verbotene Verbindung nenne. BarKapara, welcher dem Abba Saul beistimmt, empfiehlt ebenfalls nur, die Chaliza der Leviratsehe vorzuziehen. „Drei Dinge soll man mit Vorliebe thun (eig. an ihnen haften). Chaliza, Fricdenstiften und Auflösen der Gelübde."') Es wird also die Chaliza nur gleich dem Fricdcnstifteu, gleich dem Auflösen der Gelübde als höchst verdienstlich gepriesen, nicht aber als Pflicht gegenüber der Leviratsehe, und diese wird nicht als verboten hingestellt. Also auch au» den Worten Abba Saul'ü, welche in Hyperbolischer Mise (xcru prSi) die Eingehung der Leviratsehe, wenn sie aus äußeren Motiven geschieht, tadeln, läßt sich der schwere Vorwurf des!TP)7 ticn für Denjenigen, welcher sich ans Gewissenhaftigkeit an das Bibclwort gebunden glaubt, nicht deduciren, auch abgesehen davon, daß die Leviratsehe bereits faktisch nicht mehr existirt, es also eine Verpönung derselben nicht bedarf. Bayreuth. - Dr. Fürst. '1 1 Jebmnotii 109, ii. Cxrrrrsponbnt^m rk Ztitnngsmchnchtkii. Aus Preußen. Sehr geehrter Herr Nedycteur! Wenn, die Wahrheit uns sonst über Alles theucr sein soll, wie unverbrüchlich heilig muß sic uns vol lends da fein, wo es gilt, durch sie einen Wehrlosen, der sich selber nicht verthcidigen kann, ich meine einen Verstorbenen — zu verthcidigen. Nehmen Sie darum als Ergänzung zu dem Berichte Nr. 16 über den seligen Dr. Heß die wörtliche Mittheilung eines glaubwürdigen, achtbaren Mannes, der durch seine amtlichen Beziehungen zu dem Verstorbenen mehr als jeder Andere im Stande ist, in jener viel besprochenen LeviratStrauuug ein Zcugniß und Urtheil abzugcben. Jener glaubwürdige achtbare Mann schreibt mir: „Jene Trauungögeschichte ist zwar wahr, er hat aber-nicht gewußt, daß Kinder vorhanden waren, was bei seinem damaligen Zustande sehr natürlich war." So weit mein Gewährsmann. Bemerken muß ich noch, daß das Wort: nicht auch in dem Schreiben des Mittheilcnden unterstrichen ist. Welche Ausdehnung haben doch die Altrabbinen den p ’in gegeben! Die Sippe der sogenannten „Gesetzestreuen" hat sich von diesem Ausspruch emancipirt; wo cü ihrem Egoismus paßt, haben sie sich vom talmudischen Standpunkte radikal losgesagt. Pcstb, I^December. Das „Amtsblatt" publicirt das Organisations-Statut der autonomen jüdifchorthodoxen Confcffion in Ungarn und Siebenbürgen. — So wäre denn die Scheidung zwischen „Congreßjuden" und „Schulchanaruchjudcn" — denn die orthodoxe „Confession" ist auf den „Scbulchanaruch" gegründet, .nimmt diesen als unumstößliche gesetzliche Grundlage an, — vollzogen und sanctionirt. Wohin da» führen wird? 400,000 Juden, die sich in drei Parteien' oder doch noch mehr spalten — dcnil^der Chassidismus ist jedenfalls auch eine Macht und viele der Reform zugeneigte Juden stehen außerhalb des Congresscs; — Was werden diese für Unheil und Chillul haschem machen? (Dahin, zu einer definitiven Spaltung möchte es 'auch die deutsche Neuorthodoxie und ihr indifferenter Troß bringen. Tie angestrebte Bildung eine« „orthodoxen" GcinciudetagS ist der Anfang davon! — aber Gott wird uns vor diesem Unglück behüten. Mögen sie immerhin in großen Genrcinden eine sanatisirtc Masse zur Bildung von sogenannten orthodoxen NeligioiiSgesellschaften treiben; der gesunde Sinn des Volkes wird doch die über