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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 19. · p. Seite 152

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 19.
Date
1871-01-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 bfefs Separatgemeinden hinausgehende Einheit wahren — und in der Zukunft haben sie Gottlob keinen Loden. Redaction.) Midrid. Daß den Juden der Wiedereintritt in Spanien als Bollbürgerngestattet ist, haben wir schon im Anfang d. I. berichtet. Es verlohnt sich immerhin, den ersten einem Juden dort ertheilten königlichen Bürgerbrief abzudrücken. _ „In Uebereinstimmung mit dem Anträge de« Regierungsministers und den Anschauungen des Regierungs-Departements für öffentliche Ermunterung gemäß, verordne ich Folgendes: 8 1. Dem Hebräer Joseph Obadiah Edery, der; darum nachgesucht, ist hiermit die spanische Ratio» l nalität (Bürgerrecht) zugefichert, u. z. unter der; vierten Klaffe in den gesetzlichen Regulationen. 8 2. Diese Conccsfion tritt nicht eher in Kraft, bi» die dafür interesfirte Person den Eid der Treue für Constitution und Staat und Gehorsam dem Gesetze geschworen. Datirt San Jldefonso den 14. August 1871. Amadeo." So ist seit 1492 wieder ein Jude Bürger in -Spanien. Er heißt Joseph, er wird, dem Patriarchen gleich, vielen seiner Brüder den Weg bahnen, er heißt Obadiah „Diener Gotte«;" als solcher, ohne auch nur zum Scheine — wie Tausende ehemals zu thun gezwungen waren — seine Religion zu verleugnen, wohnt er in jenem Landei (WcPchr.) Wie der Weltwcise Moses Mendelssohn seine Frau gewann*). (Eine Neberlieferung.) Der vielverehrte MoseS Mendelssohn, den man den Sokrates seiner Zeit nannte, war im Bade von Pyrmont. Hier lernte er den Kaufmann Guggenheim aus Hamburg können. „Rabbi Moses," sagte dieser eines Tages, „wir Alle verehren Sie, aber mit höchster Begeisterung verehrt und bewundert Sie meine Tochter. Mir wäre es das höchste Glück, Sie zum Eidam zu haben. Besuchen Sie uns doch einmal in Hamburg." *) AuS Berthold Auerbachs Volksschriften, Stuttgart, Hoffmann'sche Verlags Handlung. Mose« Mendelssohn war sehr schüchtern, denn er war gar traurig verwachsen. Endlich entschloß er sich doch von Berlin aus zur Reise ^und besuchte unterwegs seinen großen Freund Lesfing in Braunschweig, wie in seinen Briefen zu lesen ist. Mendelssohn kommt in Hamburg an, besucht Guggenheim in seinem Comtor. Dieser sagt: „Gehen Sie hinauf zu meiner Tochter, fie wird fich sehr freuen, Sie zu sehen. Ich habe viel von Ihnen erzählt." Mendelssohn besucht die Tochter. Andern Tags kommt er zu Guggenheim in's Comtor. Die beiden Mann« wiffen das Wort nicht zu finden und Mendelssohn spacht endlich von dem anmuthigen und denkkräftigen Wesender Tochter. „Ja, verehrter Rabbi," sa^te Guggenheim, „soll ich Ihnen ehrlich sagen . ." >, „Natürlich." ' „Sie sind ein Philosoph, ein wohldenkender weiser Mann, Sie werden es dem Kinde nicht übel nehmen; fie. hat gesagt... sie sei erschrocken, wie sie Sie gesehen hat, weil Sie . . ." „Weil ich einen so gräßlichen Buckel habe." Guggenheim nickte. „Ich habe mir's gedacht," sagte Mendelssohn; ich will aber doch bei Ihrer Tochter noch Abschied nehmen." Er ging hinauf in die Wohnung und setzte sich zu der Tochter, die am Fenster auf erhöhtem Sitz eine Näharbeit in der Hand hatte. Sie sprachen gut und traulich mit einander; aber das Mädchen sah nicht auf und Mendelssohn nicht an. Endlich stellte das Mäd-! chen die Frage: „Glauben Sie auch, daß die Ehen im Himmel geschloffen werden?" „Gewiß! Und mir ist noch was Besondres geschehen. Sie wiffen, daß, nach einer thalmudischen Sage, bei der Geburt eines Kindes im Himmel ausj gerufen wird, der und der bekommt die und diel I Wie ich nun geboren worden, wurde mir auch meine ' Frau ausgerufen — aber dabei heißt es, sie wird ' leider Gottes einen Buckel haben, einen 'chrecklichen. — Lieber Gott, Hab' ich da gesagt: ein M ä d ch e n , das verwachsen ist, wird gar leicht bitter und hart, ein Mädchen soll schön sein. Lieber Gott! gieb m i r den Buckel und laß das Mädchen schön und wohlgefällig sein." Kaum hatte Moses Mendelssohn das gesagt, als ihm das Mädchen um den Hals fiel — und sie ward seine Frau und sie wurden^ glücklich mit einander und hatten schöne brave Kinder, von denen Nachkommen > noch leben bis auf den heutigen Tag. Für dee Buchhandel in Commission bei Oskar Leiner in Leipzig. — C. Reidels Buchdruckern in Gau-Algesheim. Verantwortlich« Vedactiou und Verlag von Joseph Klingen st ein, Lehrer zu Ingelheim.

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