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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 19. · p. Seite 148

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 19.
Date
1871-01-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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I — 148 — Erleichterung fordert, müsse mein Bemühen von Erfolg sein. So gut der König von Preußen, resp. Kaiser, für die Theologen der christlichen Confessionen jene Ausnahme statuiren kann, ist der König von Bayern berechtigt, ein Gleiches für israelitische Theologen zu. thun. Im klebrigen »erspare ich mir die weitere Erörterung aus meinen dcmnächstigen Besuch in Fürth und verbleibe Hochachtungsvollst Ihr ergebener gez. Marquardsen. Berlin, den 24. November. 1871. Herr Dr. Loewi sendet nun die ganze Correspondcnz an seine bayerischen College» und fordert diese in folgendem Schreiben zur Unterstützung au f: Fürth, am 27. November 1871. Geehrter Herr Collega! In Folge meines Ihnen jüngst mitgethcilten Gesuches an den Reichstags-Abgeordneten Herrn Professor Dr. Marquardsen hat sich die vorliegende Korrespondenz entspannen. Meiner Meinung nach dürste nun zunächst abzuwarten sein, welchen Erfolg die jüngsten Schritte der Herrn Abgeordneten haben werden. Um jedoch übersehen zu können, auf eine wie große Unterstützung ich bei allcnfallsigcn weiteren Schritten rechnen "darf, crsticheichSie, mir ihre Zustimmung zu den bisherigen Schritten anzuzeigcn, falls es noch nicht geschehen ist. Mit collegialcr Hochachtung! Dr. Loewi. Bekanntlich treten die religiösen Gegensätze innerhalb des JudenthumS am schroffsten in Ungarn hervor. Die Partei des Fortschritts hat ein Kongreßstatut entworfen, das von der Orthodoxie, , die sich unter dem Namen „Schomrc hadath" ^Bewahrer des Gesetzes) constitüirte, aufs Lebbasteste bekämpft wird. Doch bat die Congreßpartei auch unter den Freundxu des Fortschritts — bekanntlich insbesondere an Tr. Leopold Löw — energische Widersacher. Vielleicht bestückten die Letztern Gefahr für die Freiheit der Kewiffen. und die Autonomie der Gemeinden in dem Congreffe. Die den Congreß vertretenden „israelitischen Distriktsreprüsentauten" baben nun ein Circular an die Gemeinden erlaffen, aus welchem uns besonders die nachfolgenden thatsächlichen Mittheilungen interesfire» dürften. Es heißt hier: Die zeitgemäße Erziehung seiner Kinder liegt jedem Juden am Herzen: ist e» doch unter allen Konfessionen die unserige, die auf dem Gebiete der Erziehung die opferwilligste ist. Zum Beweise hiefür berufen wir uns auf die in dem vom Kultusministerium vor einigen Wochen herauügegebenen Schematismus enthaltenen interessanten statistischen Daten, nach welchen die Unterrichtskosten eines Kindes pr. Jahr durchschnittlich betrag e n bei Katholiken . . . . 2 fl. 59 kr. bei Protestanten . . . 3 „ 64 „ und bei den Israeliten 12 „ 67 „ Ein ähnliches Verhältniß zeigt sich hinsichtlich der Lehrergehalte. Während dem der Gehalt eine» Lehrers bei den Katholiken ... 183 fl. 68 kr. bei den Evangelischen . . 198 „ 68 „ durchschnittlich ausmacht, beläuft sich bei den Israeliten da« durchschnittlicheJahreSgehalt eine« Lehrers auf . . . . 329 „ 66 „ Wenn wir aus den statistischen Daten dieses Schematismus ferner noch ersehen, daß auf einen Lehrer durchschnittlich bei den Katholiken .... 77 bei den Evangelischem ... 59 und bei den Israeliten nur 30 Kinder entfallen, so werden mir versucht zu glauben, daß es mit den Unterrichtszuständen der Israeliten ungleich besser als mit denen aller anderen Konfessionen stehe. Wird doch der Lehrer bei uns am besten dotirt und entfallen ja auf je einen Lehrer die wenigsten Kinder, meßhalb der Unterricht derselben auch am erfolgreichsten sein inuß. Die oben angeführten Taten zeugen jedoch nur davon, daß der Jude in der That opferwillig ist, wo es sich um die Erziehung seiner Kinder handelt, und daß dort, wo nur der Keim einer Fortschrittsidec vorhanden ist, die Israeliten die schönsten Resultate auf dem Gebiete der Jugenderziehung aufzuweisen haben.

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