Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 19.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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147 AuSnabmsstellung zu fordern. Ich füge dabei hinzu, daß natürlich die Verwendung der Rabbiner als jüdische Feldgeistliche in erster Reihe steht, sie sollen i und müssen ganz dieselben Rechte wie der katholische oder protestantische Geistliche haben. Sie haben, hochverehrtester Herr, sich an mein GerccktigkeitSgefühl gewendet und ich bi» stolz daraus, so lange ich politisch denke und bandle, vor Allem dem Principe konfessioneller Gleichberechtigung treu gewesen! zu sein. In diesen! Sinne werde ich auch ferner handeln. Mir scheint es jetzt Aufgabe" der Herren Rabbiner ans Bauern zu sein, sich mit ibren Kollegen im übrigen Deutschland in Verbindung zu! setzen, um für den Uebergang alsdann bis zur neuen > Reichsgesetzgcbung einen gemeinschaftlichen Antrag zu entwerfen, de'' mit den christlichen Geistlichen ' Gleichberechtigung verlangt, so lange diese noch! solche Vorrechte haben. Lin Plaidiren für die ab-; solute Fortdauer jenes Privilegs würde ich nickt empfehlen, da, wie gesagt, die Urberzengung des Reichstags dagegen ist. Indem ich bitte, mit dieser ' vorläufigen Antwort bis auf mündliche Auseinander-! fetzung vorlicb zu nehmen, verharre ich vcrehrungsvoll Berlin, den 21. Rovcmber 1871.! Ihr ergebener (gez.) Marquardsen. Diesem Schreiben folgte das von Dr. Loewi: Fürth, am 24. Rovember 1871. Hochverekrj ter Herr Professor! Ihre freundliche Zuschrift vom 1 21/28. l. erlaube ich mir wie folgt zu beantworten: 1 I. Ich danke Ihnen für die Erledigung meines Gesuche«, für die gütigst mir ertbeilte Auskunft nicht! minder, als für die Vertretung im Reichstage. H. Ich erkläre mein vollstes Einvcrständniß mit den von Ihnen entwickelten Ansichten; auch ich verlange nickt mehr als Gleichberechtigung mit den Geistlichen anderer Religionen; für die Fortdauer des Privilegium« de« geistlichen Standes zu kämpfen, können wir den Geistlichen der herrschenden Religionen getrost überlaffcn. Ich zweifle nickt, daß auch meine AmtSgenosicn diese Anschauung mit mir theilen. III. Eine Bitte an den Reichstag dahin, der Grundsatz der Gleichberechtigung der Rabbiner mit den Geistlichen anderer Religionen möge gesetzlich ausgesprochen werden, halte ich für nicht räthlich; wichtiger scheint mir, die Verwirklichung diese« Princips in den einzelnen Fällen sorgfältig zu überwachen. Indem ich für Ihren wohlwollenden Rath danke, behalte ick mir vor, mit meinen Amtsgenosien weiter noch in Berathung hierüber zu treten und seiner Zeit da« Ergcbniß dieser Berathung Ihnen vorzulegcn. Für jetzt bitte ich nur, darüber zu wachen, daß die die Eremption der Geistlichen statuirende Verordnung entweder beseitigt oder auf Rabbiner und RabbinatSkandidaten gleichmäßig ausgedehnt werde. ES drängt mich, zum Ccklusie nochmal« Ihnen und allen den Herren, <\e sich um die Sache angenommen haben, Dank und Anerkennung für die im Intcrcsie religiöser Duldung entfaltete Tbätigkeit auSzusprcchen. deutsche Volk durch seine Vertreter in den Tagen seines Glückes den religiösen Anschauungen einer geringen, sonst viel geschmähten und verfolgten Minorität Achtung erweist. zeigt cs sich der Glücköstellung unter Völkern würdig, die eS »ich mit Gottes Beistand errungen. Von Herrn D r. B a m b c r g e r darf ick wohl annehmen. sein Dank für die von mir ausgegangene Anregung wurzle in der bei seinen GlanbenSgenosien zum Durckbruch gekommenen Uebcrzeugung der ihnen zukommendcn Gleichberechtigung; ich bitte, diesem Herren zu versickern, daß wir in Bayern uns unserer Gleichberechtigung und gleichen Verpflichtung gegen unser Vaterland 'auch zu der Zeit vollauf bewußt waren, als diese« uns nicht als seine Söhne anerkennen wollte. Verchrungsvollst Ihr ergebener gez. 2oewi. Endlich schrieb Dr. Marquardsen: Hochverehrter Herr Doktor! Als Nachtrag zu meinem Schreiben möchte ich. ehe es mir vergönnt ist, mit Ihnen mündlich das weitere Vorgehen in der Angelegenheit Ihres hochwürdigen Amtes zu beratben, darauf Hinweisen. daß die faktische Ausiechterbaltung der Exemtion für Ihre KultuSbcamten in Bayern Sacke der bayerischen Regierung sein wird. Ich rede deßhalb noch heute mit den hier anwesenden Ministern und ick denke mir, wenn man Nachweisen kann, daß auch bei der J«r. ßonfesfion da« Jntcreffe de« Kultus die betr.