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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 18. · p. Seite 142

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 18.
Date
1871-01-01
Page
Seite 142 (sequence 6)
Language
German
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142 Kreuze", Tr. Blumenstein, wurde von demselben besiegt und überwunden. Sicherlich hat das rücksichtslose, radikale Vorgehen der verstorbenen Tr. Heß zu dem unerwarteten Ausfall der Wahl beigetrogen. Die Extreme berühren sich ja gar oft im Leben. Ob nun die getroffene Wahl von Seiten der StaatSministeriums, das doch als staatliches Organ ein mitzahlendcr, somit auch ein mitzählender Faktor ist, bestätigt werden wird, bleibt abzuwarten. — In dem dem Grvßhcrzogthume Weimar benachbarten Hcrzogthume Meiningen, allwo die meisten Israeliten in den Thüringischen Herzogthümcrn wohnen, bewegt sich daS isracl. Cultus- und Schullebcn unter der umsichtigen Leitung des dortigen LandrabbincrS Tr. Dreifuß in gedeihlicher Weise auf fortschrittlichem Wege. In der größten Gemeinde des HcrzogthumS, in der Gemeide Walldorf (etwa 400 Seelen rählend) wurde am pcrwichcnen Sabbat Bereschith der dreijährige Cyclus eingeführt. Tiefe strebsame, dem besonnenen Fortschritt stets mit Wärme huldigende Gemeinde wurde vor einiger Zeit in einem andern jüdischen Blatte (Allgcm. Zeit. d. JudenthumS) von einem oberflächlichen und unwissenden Scribler verunglimpft nnd mit ihr, freilich in mehr versteckter Weise, der obenerwähnte Landrabbiner des Herzogthums. Daß übrigens die isracl. Gemeinden des Herzogthums mit der Lenkung und Leitung der Cultus« und Schiilangclcgenheiten von Seiten des LandrabbincrS ini Allgemeinen zufrieden find, geht daraus hervor, daß der Vorstand der'jungen, gedeihlich aufblühenden Gemeinde Meiningen dem Landrabbincr Tr. Dreifuß freiwillig und ohne alle Anregung von dessen Seite die Reisekosten zur Augsburger Synodalversammlüng ersetzte, was auch gleichzeitig beweist, daß die Augsburger Synodalversammlung nicht, wie deren Gegner glauben machen wollen, ganz spurlos und ohne alle Beachtung an den Gemeinden vorüberging. Auch hat die Gemeinde Walldorf dem obenerwähnten Landrabbiner bei seiner, vor einiger Zeit erfolgten Ueberfiedelung nach Meiningen einen ehrenden Nachruf in einem Localblatte gewidmet. Wir führen diese Thatsachen nur darum an, um darzuthun, wie der vernünftige und gemäßigte Fortschritt, namentlich hei Landgemeinden, bessere und dauerndere Früchte bringt, als das radikale Fortstürmen auf reformatorischem Gebiete. DaS obenerwähnte Ergebniß der RabbinatSwahl im Großherzogthume Weimar würde sicherlich günstiger für die Sache der religiösen Reform ausgefallen sein, wenn der verstorbene Landrabbiner Dr. Heß in Lehre und Leben weniger radikal gewesen wäre. AusKurhcsskn, 29.Rov. Ein Unterbeamter -in F. ist beim Consistorium beschuldigt worden, schon seit Jahren ein Verhältniß mit einem Mädchen jüjüdischen Glaubens unterhalten zu haben, was derselbe mit dem Hinzufügen bcstättgte, daß ihm von dem Mädchen bereits 3 Kinder geboren worden seien, welche im Judcnthum erzogen würde». Hierüber ist nun großer Lärm im Lager der Frommen entstanden, welche eine völlige Trennung des protestantischen Beamten von dem israelischen Mädchen zwar nicht anrathen können, aber eine solche gemischte Ehe vom Standpunftc der Moral aus verdammen zu müssen glauben. Gegenwärtig suchen sie nun den in Unglauben verfallenen Mann, sogar mit Hülfe seiner Vorgesetzten, dazu zu veranlassen, daß er das Mädchen zum Uebertritte zum Protestantismus bewege und auch die Kinder taufen lasse, „damit das unmoralische Verhältniß wenigstens in ein ethisch-christliches umgcwandclt werde". Sollte sich der Beamte zu diesem Bckehrungsgeschäfte nicht verstehen, so ist ihm der öffentliche Ausschluß aus der Kirche in nächste Aussicht gestellt. A Frankfurt o/W., 30. Rov. Mit großem Vergnügen haben wir aus einem Organe der Orthodoxie ersehen, daß die Saaten der Augsburger isr. Synode auch dort aufzugehen beginnen, indem zu einer erhöhten Feier des nächste Woche an uns hcrankommenden Chanukkah - Festes aufgcfordert wird, bedauern aber -sehr, daß wir auch diesmal insofern von der Orthodoxie abwcichen müssen, als wir am 25. Kislew d. I., Donnerstag Abend nächster Woche, uns nicht dazu verstehen können, ein Zweitausendjähriges Jubelfest zu begehen, wenn auch, „Zweitausend Jahre an dem kommenden 25. Tage des laufenden Monats Kislew verflossen sind", wie uns erzählt wird in dem „Lei-

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