Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 18.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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139 vom 1. Januar 1870 bis 1. Juli 1871 umfaßt, ] gibt Zeugniß, daß durch den Krieg wohl die Sitzungen des Centralcomites in Paris aber nicht die Tätigkeiten der Alliance' unterbrochen waren. Die Schulen im Orient, die Ackerbauschule in Jaffa, die ComiteS — insbesondere das Grenzcomite in Königsberg für die westruffifchen Juden — setzten ihre segensreiche Thätigkeit ununterbrochen fort und das Stammcapital hat sich nur unbedeutend vermindert. Die festen Fonds und Bestände sind nicht angegriffen worden. Deutschlands, d. h. der deutschen Juden Theilnahme an dem Werke der ge« sammten Jndenheit ist durchaus nicht unbedeutend, aber doch noch lange nicht im Berhältniß zu der Gesammtzahl und der Intelligenz derselben. In einzelnen ganz großen Gemeinden steht man der Allianz noch vollkommen fremd und IheilsnahmSloS gegenüber, während die Zahl der Mitglieder allerwärtS in keinem Verhältniffe zu den großen Aufgaben der Allianz und der Zahl der deutschen Juden steht. Wir wiffen wohl, daß diese große herrliche Vereinigung der Judenheit in Deutschland noch ihre sehr gewichtigen Gegner hat. Aber mit diesen rechten wir hier nicht. Wir möchten jetzt, wo, wie wir gerne glauben, die Influenzen und Verstimmungen des Krieges auf die Neige gehm und das jüdische Herz wieder in seine Rechte tritt, gernemahnend treten vor die einflußreichen Männer im deutschen Israel und diese zum Wiederangriff i anfeucrn. Wir erinnern nur an die eine große Aufgabe der Allianz, an die Aufrichtung, die Cultur der westrussischen Juden. Wohl wiffen wir, daß z>v,Zeit noch ein unaufgeklärter Zwiespalt oder sagen wir besser eine Zwitterstcllung herrscht zwischen dem projektirten und mit der göttlichen Hülfe bald orzanisirtcn deutschen Gemeindetage und der Allianz! Aber — soll die Sacke der Juden Westrußlands durch diese sich auf gleicher Linie bewegenden Institutionen Roth leiden? Beide sind berechtigt; beidekönnen uneingeschränkt neben einander bestehen; beide haben ihre heiligen, wohlberechtigten, sich nicht berührenden und auch nicht divergir^n« den Aufgaben und beidekönnen sich ein« > ander unterstützen! Aber die Hände dürfen nicht müsfig in den Schooß gelegt werden. Wir fordern die Männer, welchen die Verbrettung der Allianz in Deutschland eine heilige Angelegenheü ist und die Vertreter des Gcmcindebundes gleichermaßen auf, Miteinander in Verbindung zu treten, um endlich die Verhältniffe klar darzulegen und sich definitiv zu orgänisiren. Eine andere dritte Richtung, welche eine engere Verbindung der deutschen Mitglieder der Allianz und selbstthättgere Wirksamkeit für diese anstrebt, wird dabei ebenfalls sicher zu ihrem Rechte kommen. Wir, die wir der Allianz in Deutschland von Anfang' an unsere Theilnahme widmeten und ihr treu bleiben werden bis ans Ende, nicht minder aber zum Gemeindebunde stehen, haben wohl ein Recht, so zu sprechen, und sind be» reit, mit allen Kräften für Klärung der Angelegenheit zu wirken! CorrtSjumdenZkn lk Ikitungsnstchrichten. Ingelheim. Den Lesern unseres Blattes dürste es bekannt sein, daß die Freunde des verewigten Professors Dr. Herz von Erlangen damit umgehen, i demselben ein Denkmal zu setzen -und wenn die Mittel weiter reichen, eine Stipendienstiftung zu gründen. Zu diesen Freunden zählen nicht blos die hervorragendsten Profcfforcn der Universität, die Mitglieder des Fortschrittsvereins, sondern alle Bürger Erlangens, arm nnd reich.-Herr Dr. Leopold Stein von Frankfurt hielt zum Andenken an den Verstorbenen, im Bethause der Emmanuel-Westend-Union am Samstag den 4. November über 2. Buch Moses, 18, 21 einen Vortrag, der nun gedruckt vorliegt. Er würdigt den Verstorbenen, der „groß als Jude, groß als Gelehrter und groß als Mensch" war in der bekannten ausgezeichneten Weise des Redners, welcher hier zugleich als Landsmann und Freund des Verewigten sprach. Der Ertrag dieser Rede (Preis 18 kr. — 5 Sgr.) wird der Herzstiftung zugewendet.