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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 18. · p. Seite 138

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 18.
Date
1871-01-01
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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138 wir von dem erstgenannten Artik^ nur erwähnen, daß die Quintessenz!darauf hinausläuft, die Juden als die Bmorzuätm und Begünstigten, die frommen Geistlichen, insbesondere der römisch-katholischen Kirche» als die Unterdrückten und Rechtlosen darzustellen, so keimt man die geheime Quelle, aus welcher dieser trübe Strom fließt. Man könnte die Herren, die solched zu sagen und zu j schreiben wagen, wohl auffordern, die Zeichen der j Zeit zu beachten — und die Inden ungeschoren zu! lassen. Sind es die Juden die dem bayrischen Cul-; tuSminister Lutz, dem bayrischen Schulmeistersohn, j die vernichtenden Worte in den Mund legten, die er so j eben im deutschen Reichstage -sprach? Vielleicht hat! der Sohn des katholischen Lehrers, der eine so j glänzende Carriere machte, RemineScenzen aus seiner j Jugendzeit, die ihm lehren, daß die Juden doch i nicht so schlimm sind, wie'andere im Finstern ichleij chend'e Feinde der gesellschaftlichen Ordnung und des Staates. Wir können cs wohl begreifen: Art läßt nicht von Art nnd die heutigen Judenfeinde, die treuen Söhne der früheren, der Eisenmenger und j Consorten, mögen in ihrem gistgeschwollenen Herzen! eine Thatsache nicht verschmerzen können: die langsam aber sicher sich vollziehende Gleichstellung der Juden in allen bürgerlichen und politischen Beziehungen. Sehr traurig und sehr schlimm für diese Leute; wir bedauern sic aufrichtig; es wäre ihnen jedenfalls leichterzu Muthe, wenn so ein klein wenig JnquisitionSgericht noch nebenher ginge. Tann könnten sie auch die „politische" Gleichstellung vielleicht verschmerzen. Aber, o Jammer, der Jude wird nicht allein nicht verbrannt, er wird sogar in dieser sündhaften Zeit bürgerlich gleichgestellt; er emancipirt sich auch von Innen heraus und mit seinem Fleißc, , seiner Intelligenz, seinem Ernste und seiner Nüchternheit versteht er eS, in allen Lcbenskrcifen sich Achtung und gesicherte Stellung zu verschaffen. Ist das sehr schlimm? Und die Börse, diese Welt- und Geldbeherrscherin ist es besonders, die den Zorn der Judenfeinde herauöfordert. Ja, der arge Börsen« schwinde!, der so eben in dem kleinen Staate Belgien die Gemüther in so große Aufregung verhetzt, daß selbst die Stühle der so sehr klerikal gesinnten Minister wackeln! Die Börse ist eine jüdische Institution, denn sie wird von Juden beherrscht, sagen sie; aber die belgischen Schwindeleien waren doch keine bischen?!! Der belgische Börsenschwindel war frommer Betrug, ging aus von Lagrand«Dumonceau, dem päpstlichen Grafen; er sollte eine Agitation sein gegen die Judenbörse von ganz Europa; doch hat man noch nie in dieser einen ähnlichen großartigen Betrug, ein schamloserer- Getreibe aufgedeckt. Darum — laßt die Juden ungeschoren und kehrt vor Eurer eigenen Thüre, die Zeitrichtung ist Euch einmal ungünstig. Sie wird, wenn der Genius der Menschheit wacht — und er wird wachen! — Euch nimmermehr wieder günstig werden. — Wir bemerken nur Eines noch, was vielleicht die Herren, welche in Judenhaß machen, stutzig machen könnte. In der Abstimmung über die Kanzelagitation im Reichstage haben sich die jüdischen Mitglieder des Reichstages — Lasker (Führer der Nationalliberalen, gegen die eigene Partei, die mit ,„Ja" stimmte) und Sonnemann — pon ihren Parteien getrennt, und mit dem Ceutrum, den Ultramontanen, mit „Nein" gestimmt. Es mag dies als Beweis gelten, daß die Judm sich nicht zu Haß verleiten lasten, auch da, wo sie gehaßt werden. Ein Abgeordneter — Maltzahn — sagte: zu dem Stande der Geistlichen gehören alle Geistlichen, auch die Juden; er wollte wohl sagen: die jüdischen Geistlichen, Prediger und Rabbiner. Nun, diese mögen sich da» schon gefallen lasten, denn sie werden nie in die Lage kommen, daß man ihnen gegenüber von 'diesem Gesetze Anwendung macht. Aber — sind die jüdischen Geistlichen von Herrn Maltzahn auch in anderen Beziehungen als gleichberechtigt anerkannt worden? Die jüdischen ReichStagömit« gtiedcr mögen wohl von dem GesichtSpunfte bei ihrer Abstimmung geleitet worden sein: — wir wissen davon zu erzählen, wohin Ausnahmsgesetze führen! Die deutschen Berichte der Alliance isr. universelle sind jetzt in den Händen der Mitglieder. Der deutsche Bericht, der dm Zeitraum

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