Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 17.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
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134 sich die Ansichten schon klären. Mhmen nur viele Gemeinde ein solches Jnteresie an der Synode, wie Wien; die Synode würde schon Bedeutung und Leben bekommen. Die Orthodoxen hätten dann auch am wenigsten eine Ausartung zu befürchten. Jndifferentismus ist aber überall vom Uebel. Polen. Es ist bekannt, daß zur Zeit der polnischen Bewegungen auch die dortigen Juden regen Aathcil nahmen und zum Beweise dcsicn wurden in'dm Synagogen, in welchen vormals dmtich gepredigt wurde, polnische Predigten cingeführt. Diese erhielten sich auch später und bis heute. Es gibt vorzügliche polnisch-jüdische Redner. Es heißt nun, daß die russische Regierung den Gemcindcvorständen verttauliche Mitthcilung machte, daß sie wünsche, daß die polnische Sprache wieder aus den Syuagogcn verbannt, und deutsch oder russisch gepredigt würde. Ucbcr dm Brand in Chicago schreibt die Dcborah: „Die Zerstörung, die Leiden, der Jammer, das Elend, die Roth, die das Feuer in Chicago augerichtct, sind unbeschreiblich. Der ganze- Gcschäfkstheil der Stadt, die großartigen Hotels, die Post, die Börse, die Zeitungs- und Tclegraphcn-Gebäude, die Bahnhöse (mit Ausnahme zweier), das Rathhaus und DistrictSgebaude, kurz, die Stadt ist niedergebranut und was übrig ist, sind Privatwohnungen und kleinere Geschäfte, wovon ebenfalls mehr als ein Tritttheil ein Raub der Flammen geworden. Es ist uns unmöglich, hier ein Bild von der furchtbaren Zcrstömng zu entwerfen, oder den Jammer der hunderttausend schwer heiingesuchlen Menschen zu beschreiben; wer vermag's? Wir müsien uns hier aus die jüdischen Angelegenheiten beschränken, obwohl wir noch immer nicht aushörm, jeden Israeliten aufzufordern, so viel als in seiner Kraft, die Leiden Aller, ohne Rücksicht auf Glauben oder Herkunft zu mildern, — Allen als Sendbote des Allvaters kräftig beizu-; stehen. Die Israeliten Chicago's haben im Ber- |; hältniß am meisten gelittm, nicht nur weil der ' ganze GeschäftStheil der Stadt verbrannt ist | und die meisten Glaubmsgenoffm daselbst vom Groß- und Kleinhandel lebm; nicht nur weil vier Fünstheile all?r jüdischen Familien Chicago'» in dem abgebrannten Stadttheile wohntm und jetzt 500 Familien, darunter 300 mittellose, obdachlos und viele ganz verarmt sind; sondem auch noch, weil die Israeliten mit Ausnahme zweier Synagogen (Zion auf der Westseite und Arische Maarib auf der Südseite) und einer Bene Berith Loge (Hillel Loge auf der Westseite), alle öffentlichen Lokale in der Conflagration verloren haben. Das Feuer zerstörte fünf Syuagogcn, und zwar der Genreinden Sinai, Bene Schalom, Northsidc Hebrew, Fünfte Avenue und Beth Hamidrasch Hagadol; die Logmzimmer und Einrichtung der Ramah, Maurice Mayer, Jonathan und Sovereignity Logen des Bene Berith Ordens nebst der Großloge 3fr. 6 und die Loge des I. O.K. B. S. Ordens; und das jüdische Spital, wie berichtet, mit dreizehn Patienten, die ein gräßliches Feuergrab gesimden. Außer den uuglücklichcn Dreizehn sind noch viele Israeliten, besonders junge Männer, dem verheerenden Feuer erlegen. Reich und arm ist gleich schwer heimgcsucht, bestürzt und verwirrt, beinahe gleich hilflos, wenigstens für den Augenblick. Unter den Israeliten ist das Unglück besonders unbeschreiblich groß, was wir ganz besonders Jedem an's Herz legen möchten. Es kann weder zu früh noch zu reichlich Hilfe kommen. DaS große Unglück hat jedes Herz tief bewegt und cs kommt Hilfe von allen Seiten. Sogar in Berlin hat sich der Bürgermeister cntschloffcn, für das unglückliche Chicago etwas zu leisten; wir aber müffcn trotz alledem unsere Glaubensgenossen nicht vcrgeffen. Wir müsien etwas mehr zu entbehren haben für Unglückliche u. Arme, und dieses Mehr beanspruchen wir fiir unsere schwer heimgesuchten Glaubcnsgenoffen von Chicago. In Chicago ist bis jetzt nur ein Central - Comite für die Lesung» der Charitegebildet u. z. von den Bene Berith Logen