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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 17. · p. Seite 131

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 17.
Date
1871-01-01
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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131 Tugenden war, während von derselben Stelle einem Talmudgelehrten aus dem Hannövrischen am Pesachfeste eine Grabrede gehalten und dabei ausdrücklich hervorgchoben wurde, daß dieß bei ausgezeichneten Menschen gestattet sei! Die Achtung vor den beiden Todtcn verbietet uns, die Parallele zu ziehen, obwohl der Letzte uns und vielleicht noch vielen Anderen fremd war, während die Zeitungen Bayerns widerhallen von ccTRrnp, das wir Dr. Herz zu verdanken haben. Schmerzlicher aber war für uns die Mißhandlung Frankels an seinem Ehrentage. Der Seminardireklor Frankel und seine Schule gehört weit mehr der Orthodoxie als uns an. Sein ganzes Leben ist auSgcsüllt durch talmudische Studie», freilich in einer Weise, wie sie dem finsteren Zelotismus und dem absoluten ObscurantismuS nicht behagen. Wir wissen ganz gut, daß die so ernst gepflegte Breslauer Dichtung für die Dauer unhaltbar ist, wie alle Halbheit. Wissenschaft, wirkliche, wahre Wissenschaft führt unzweifelhaft zum Fortschritt, auch wenn das nicht in der Absicht des Forschers liegen sollte. Das Wort'Stahls: „die Wissenschaft muß umkehren," ist darum ein in sich unsinniges, weil ein in sich widersprechendes, denn ^Wissenschaft" und „Umkehr" oder auch nur „Stillstand" sind zwei durchaus und unter allen Uinständen sich ausschlicßende, unversöhnliche Gegensätze. Doch, davon reden wir hier nicht. Wie dem auch sei, es war eine religiöse Pflicht, einem Manne, der auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft zu den Ersten gehört, an seinem Ehrentage, seinem sicbenzigsten Geburtstage, die' Freude über die ehrenvolle Anerkennung .nicht zu schmälern; dem Greise den vollen Genuß der wohlverdienten Auszeichnungen für treue Pflichterfüllung nicht zu rauben. War cü Recht, mar cS da an der Zeit, diese Gelegenheit zu hämischen Angriffen, zu Hohu und Berläumdungen zu benutzen? — Das hat dieselbe Orthodoxie gcthan, mit der man in Breslau so gerne liebäugelt, so gerne gemeinsame Sache macht! Mögen die Herren daraus erlernen, wohin sie gerathen. Wir deuten das nur an, um unseren oft ausgesprochenen Grundsatz auch hier zu wiederholen: Achtung, Schonung und Ehrerbietung der wahrhaft frommen, ehrlichen Oithodoxie. Aber mit der heuchlerischen Rotte der Gefärbten, der Gekauften und Käuflichen kann kein Bund geflochten werden. Das möchten wir insbesondere all denjenigen Männern sagen, welche bis jetzt noch glauben, daß mit diesen gemeinschaftliche Bestrebungen möglich seien. Das sagen wir insbesondere auch den Pertretern des deutschen Gemeindetages! Diese Orthodoxie hat an dessen Stelle einen orthodoxen Gemeindeverband angeregt. Wir haben allen Grund zu glauben, daß man dadurch nur die Bestrebungen des allgemeinen, parteilosen Gemcindctagcs paralysiren und das Zustandekommen desselben unmöglich machen will. Das sagen wir auch denjenigen, welche von uns verlangen, daß wir Alles ignoriren sollen, wa» von dort ausgeht. Wir müssen dagegen bemerken, daß wir das im.Interesse vieler wackerer Männer nicht dürfen: die geheimen Schliche und Wühlereien müssen aufgcdeckt werden, um wohlverdiente Rabbiner und Lehrerin ihren Stellungen zu schützen und segensreiche Bestrebungen nicht vom Wurme der im Finstern schleichenden Verleumdung annagcn und unterwühlen zu lassen. Die Schulstatistik der Stadt Frankfurt für die Jahre 61 —1809/70 spricht sich über die Frequenz der dortigen Schulen aus. Wir erfahren, daß in der israelitischen Real- und Volksschule wohl eine Steigerung der Frequenz cingctrcten, diese aber im Verhältnisse zu der Steigerung der Frequenz der übrigen Schulen Frankfurts die geringste ist — 9,1 pCt. Diese Schule wurde in diesen 10 Jahre» von 5268 Knaben und 2817 Mädchen, die UnterrichtSanstalt der (orthodoxen) israelitischen Religionsgesellschaft von 3331 Knaben und 2223 Mädchen besucht. Wer mit den Verhältnissen bekannt ist, und die Einrichtuugen der längstbestehenden und eines alt verdienten Rufes sich erfreuenden israelitischen Real- und Volksschule (früher Philantropin genannt) kennt, dem wird die diesen Verhältnissen nicht entsprechende Steigerung der Frequenz zur Unterrichtöanstalt der iör. ReligionsgeseUschaft vielleicht auffallend sein. Wir dürfen dabei jedoch nicht außer Acht lassen, daß eben alle Kinder aller der Orthodoxie sich zuneigcndcn diese letztere Anstalt besuchen und diese besonders auch von auswärtigen jüdischen Schülern bedeutend frequentirt wird; daß sehv viele in jüngster Zeit vom Lande nach Frankfurt übergezogene Israeliten sich der Orthodoxie äußerlich zuneigen und ihre Kinder dieser Schule zuführen. Wir dürfen ferner, um gerecht p» sein, nicht verschweigen, daß diese Schule durchaus nicht zn verwechseln ist mit anderen Anstalten gleicher Richtung, daß vielmehr dieselbe eines guten Rufes sich mit Recht' erfreut, denn in Frankfurt ist auch der Orthodoxe i .

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