Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 15.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Theil den Inhalt des hebräisch Vorgeleseuen; sehr Viele haben nicht einmal den Pentateuch vor sich, Plaudern verkürzt die Langeweile, im Fraueuchore gehört, «ährendder Vorlesung. di« gesÄlige Unterhaltung zur Tagesordnung; der V-rteser eilt, jagt, um nur den am wenigsten erbaulich gewordenen Thal des Gottesdienstes so rasch, wie nur möglich, zu beenden. Also schon von der negativen Sette bettachtet, hat der dreijährig« Eyclus einen nicht zu verkennenden hohen Werth. Er hat aber auch einen ihn empfehlenden positiven Gesichtspunkt. Durch diese Kürzung können wir auf den verständlichen Theil des Got- . teSdienfteS, die Vorlesung. einer Schriftstelle als Haftara in deutscher Sprache, mehr Zeit verwenden. Nun brauchen «ir für den dreijährigen selbstverständlich dreimal so viel Hastara's, als für den einjährigen Eyclus. Angaben zu einem solchen sind mir zwei bekannt, voll Hr. Dr. Philippson, Zeitung des Judenthums Jahrgang 1846, von Neuem abgcdruckt 1868, und von Dr. Stein, Volkslchrer 1852. Dr. Philippson hat bei seiner Aus-rahl sich nicht davon leiten lasten, daß die Haftara einender Thoravorlesung adäquaten oder doch einen an diese anklingendcn Gedanken oder Lehrsatz zum Ausdruck bringen, sondern für das erste Jahr, mit Ausnahme der für die bisherigen Sidra's bestehenden, aus den ersten, für das zweite eben so aus den späteren Propheten, für das dritte Jabr Capitel aus den Hagiographen gewählt, daniit der Gemeinde ein großer Theil von dem Inhalte der ganzen Bib.l im Zusammenhänge vorgeftihrt werde. Tr. Stein dagegen nahni bei seiner Auswabl gerade darauf Rücksicht, daß in der Haftarck gedankliche Anknüpfungspunkte an die Pcntalcuchvottesunz sich linden. Nach meiner Ansicht ist diese Wahl vorzuzi.hen, sie empsiehlt sich schon aus homiletischen Gründen: die Predigt oder Homilie wird io in ihrem Texte von zwei Grundpfeilern und doch nur einem einbeittichcu Gedanken getragen. Außerdem ist meines Erachtens ein l)äufizercs Borlesen in der Synagoge aus den ersten Propheten um deswillen nicht cmpfehlcnswerch, weil der Inhalt für die öffentliche Vorlesung dicht erhaben geuug, nicht lehrreich genug ist. Ja, es käme vielleicht bisweilen Manches mitunter, das erst eine Apologie hrrvorruien oder ausführlicher erklärt werden müßte, was n'.cht immer thunlich ist. Gesetzt, es stände auf ders Tagesordnung jRichter 1; was machten «ir mit der mitgetheilten, von Israeliten verübten Grausamkeit, der furchtbaren Handhabung des jua talionis gegen Adoni Besek, über welche die Schrift selbst kein Wort des Tadels ausspricht? Aber Herr Dr. Philippson sagt auch. selber. die Haphtara's dürfen nicht gerade stereotyp sein, die Auswahl müffe vielmehr den besonderen Umständen und Ermeffen überlasten bleiben, und das ist auch das Beste; wir »ollen uns nicht selber binden, und wenigstens auf diesem Gebiete nnS jetzt schon frei bewegen. >> Zu wünschen wäre 1) Wie frei man sich auf diesem Gebiete noch jur Zeit aber dennoch eine Art Feststellung im Großen und Ganzen, damit mancher Lehrer oder sonstiger Euttusdeamter, der sich nicht berufen und compctent hält, die jedesmalige Auswahl zu tteffen, auf eine Autoriät sich berufen könne Vielleicht legt unser würdiger College Dr. Hochstädter der nächsten Synode ein Schema nebft Motivirung ähnlich seiner Abhandlung über den Thora-Cyclus auch über diesen wichtigen Theil d«4 Gottesdienstes, der Hatthara vor; jedenfalls verdienen die Schemata jener beiden Herren Collegen Anerkennung und Dank. Für die Festtage hat Dr. Philippson die biÄer üblichen beibehalten. Dr, Stein einige andere eingeführt, mit vollem Rechte; — warum sollten «ir nicht Besteres geben, wo »ir die Auswahl haben?! Nun »erden die Hastara's ja deutsch vorgettagen, da wüsten es Vorttäze sein, an denen sich die Gemeinde erbaut; wir wüsten ihr das Beste geben. Es wundett mich darum, daß Stein als Haftara für den ersten Tag Succcth Sachar. 14, 1—9, (wie Dr. Geiger s. 'Gebetbuch 2. Austage 9—22 (Ende) gewählt oder beibehalten haben. Mit Ausnahme von V. 9. der in' der einen, wie in der andern Eincheilung zur Vorlesung kommt, eignen sich die übrigen Verse, also 1 bis 8 und 10 bis 21 wahrlich sehr wenig zum Pottrage. Ich richte an alle Collegen die bescheidene Frage, ob sie durch das Vorlesen, mit Ausnabmc des V. 9, in allen andern 20 V. des 14. Cap. irgend einen Gewinn für die Erbauung der Gemeinde sich versprechen können? Nein, solche Vorlesung kann nnr die grvtzte Langweile, Andachtilosigkeit und Abneigung gegen Reformen, gegen Einfüherung deutscher Elemente zur Folge haben. Kann bei deuteschcr Vorlesung derselben die auch von Stein beibehaltene Haftara zu Schebuoth aus Habakuk bestehen? Sie hat hohen Schwung, feierliche Diction, einen großen dichterischen Werth, aber in der Uebcrsetzung glauben wir einen bombastischen Dithrambismus glaubt das Volk ein leeres Wottgeklingel zu vernehmen cnx D’*on vip D’tn “rem o'ycv, von Belehrung keine Spur. Man wende nicht ein, das Lanze Capitel müffen araphrasitt »erden, wir wüsten es verstehen, Nutzanwendung zn ziehen; ja dann höret Alles auf, dann kommen wir aus dem Paraphrasiren gar nicht heraus, und das haec tabula docet können wir aus jedem Apolog in der Thier- und Pslanzeu-Fabel :zur Anwendung bringen, wir sind dann die alten Darschanim. »ir geben nicht mehr die Schrift, wir geben unser eigenes anstatt des Schriftwottes. Gestatten Sie mir aus meiner eigenen Wirksamkeit Mittheilung zu machen. Ich ttug früher die üblider Tosafistr» bewegten, wie flüssig damals «och die Borle« lung nickt nur der Hastara's, sonder« seldst der Tboraabscknittr waren, s. Mcgil. 31 » Stickwon mn: das. 31b. >m> mpn.