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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 15. · p. Seite 117

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 15.
Date
1871-01-01
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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117 1 chen Haftara's hebräisch und deutsch der. Manches mußte freilich paraphrafirt. oft diele Vase ganz üdcrgangen »erden, bisweilen selbst in den sonst so echadenen Reden JesaiaS, hefpielsweife 63,1 bis6, wo das Rachegefühl, ge»ist gegen unsae bessere Ueberzeugung. in einn so drastischen Weise, Ausdruck findet. Manche der hergebrachten Haftara's fand ich nach ihrem Inhalt gar nicht bedeutend genug, um sie deutsch zu überttagen. Nun wurde mit Einführung deS neuen Geiger'schen Gebetbuches am Sabbat Schofetim die Hastora ausschließlich in deutscha Sprache zu lesen da Anfang gemacht. Ich konnte mich nun nicht entschließen, am ersten Tage Succoth die Hastara Sechariah zu lesen und wählte dafür Jesaj. 32, 15 bis 33, 22, *) welche Stelle eine Fülle der trefflichsten Sentenzen und außerdem 32, 18 das u’jys, Auklängc an das Succothfcst in fich schließt. Hier bietet sich mir Gelegenheit, an die Bemerkungen des ungenannten geschätzten Correspondenten aus Frankfurt in Nr. 9 anzuknupfcn, dem ich aufrichtig Lanke für die gute Meinung, die derselbe von mir hat, wie für die taktvolle, urbane Ausdrucksweise, womit er meinen Ansichten entgegentritt. Wie schön wäre es, wenn auf dem Gebiete der Wissenschaft, da religiösen Anschauungen überall mit solchen Waffen gekämpft würde! Wie groß wäre da Gewinn für die Wissenschaft des IudenthumS. für Ermittelung da religiösen Wahrheit, wenn auch von den heutigen fich gegenüber stehenden Schulen, wie von Hillel nnd Schamai bei ihren Discussionen des on* o»ter.i nDxm nie außer Acht .gelassen würde! Ich muß jedoch »«einem geschätzten Gegner erwidern, daß nur für Geschichts-, Alterthums-, Sprachkunde u. dgl. jeda Vers oda gar jedes Wort der Bibel Wctth hat, bcstteite aber, daß jeda Vers eine Belehrung fürs Volk, ein sittliches Moment in sich schließe. Gerade bei da jetzigen Kürzung, im dreijährigen Eyclus tritt Ln von mir in Nr. 6 befprochcne Uebelstand noch auffälliger entgegen. Nächsten Sabbat lesen - wir mit Gottes Hilfe 1. M. 5, 1 bis 6, 8 Welche Momente der Belehrung, der Erbauung, der Vnsittlichung schöpfen die Zuhörer, mit Ausnahme des ersten, aus den Versen 2bis'28? Nichts als eine monotone Nomenklatur wird ihnen geboten, außadem einige Vase (2 bis 4 in Cap. 6,) die nur dunkle, nobelhatte — verzeihe mir jeder, da an diesa Acußerung Anstoß nimmt — mythologische Vorstellungen, enthalten. Meinem aus dem damaligen Wochenabschnitt gewählten Beispiele, da Behandlung da kriegsgefangenen Frau, suchte der geschätzte Corresp. einen humanen Untergrund zu geben. Seine Apologetik macht seinem Geiste und Hcnen Ehre, steht aber in Widerspruch mit den ältesten Commen- 2) Freilich mit ttder.^unz ti-lrr r.j: bu-4-’tt? unn’-au- «h scheinenden Verse. tatoren, welche in der vorgeschriebcnen Trauer nur die beabsichtigte Entstellung da Gefangenen, bchufs chra gänzlichen Entfernung, erkennen. Und wie dem auch sei, jedenfalls wird durch die minutiöse Spccialifirung da Vorschrift. die in ihrer Detaillirung von da Toilette bis auf die Zulüftung da Nägel sich ausdehnt, auf den Hörer unsera Zeit kein vortheilhaster Eindruck gemacht, da Hauch der göttlichen Inspiration geht dabei oerloren. Mit Hiob 6, 25 rufeich aus: „Belehret mich, ich will dann schweigen, verständigt mich Larüba, worin iq irre." Ich will gerne Belehrung annehmen, sie dankbar anakennen. Lcida übt das Hakonimen, das Gesetz der Trägheit, eine despotische Gewalt selbst üba denkende Männer, die Abstimmung in der Synode zu Leipzig hat es gezeigt; abn die Thorävorlesung da Zukunst wird, wie schon jetzt die aus Propheten und Hagiographen — das ist meine feste Ueberzeugung — keine andere als die einer sorgfältigen Auswahl sein. Wochenbericht. Aus Bayern. Dus „Erlanger Tageblatt" be richtet überdie Beerdigung dcä ProfessorsHrn. Dr-Herz: Zahlreiche Deputattonen von Auswärts waren erschienen, Bamberg allein hatte drei Deputationen gesandt, außerdem waren solche gekommen aus Nürnberg, Fürth und Bayreuth. Der allen Erlangern wohlbekannte Professor Brinz, der gefeierte Rechtslehrer, war herbeigeeilt, um seinem alten Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Kopf an Kopf gedrängt stand die Menschenmasse vor.der Halle des Leichenhauses auf dem Neustadter Gottesacker. Trotz Wind und Regen, der während der ganzen Feier in Strömen sich ergoß, harrte man unverdrossen aus, und wer es bei der großen Ungunst der äußeren Verhältnisse irgend vermochte, folgte mit gespannter Aufmerksamkeit den Rednern, die in der Halle das Bild des Verewigten vor den trauernden Gemächern ausführten. Der Sarg, in dem der Tode ruhte, war mit Blumen, Kränzen und Zweigen überdeckt, die von den verschiedensten Seiten aus^der Nähe und Ferne gekommen. Der geschmackvoll mit Blumen gezcerte Leichenwagen war von einem prachtvollen Viergespann von Rappen aus de» Ställen der Häuser Helbig und Franz Erich gezogen und von einer Anzahl Studenten, Mitgliedern der Burschenschaft „Bubenruthia", die Fackeln trugen, umgeben. Das 6. Zägerbataillon hatte zur Anerkennung der Verdienste, die sich der | Verewigte um die Verwundeten der Jahre 1866 und

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