Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 14.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4896751-5428704-5428758-5433889--3731-4899936- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nächsten wie dich selbst. (Skr verstehen: £a§ ist Judenthum.) Er tadelte die Dogmatik. Er suche das Christenthum in einem Leben voll Sittlichkeit und Aufopferung. Die Sünden der Genußsucht und .Habsucht finde er in England, wie zu Hause; sogar die astenunterschied« von Reich und Arm fehlen nicht. (In Indien sind die Kastenunterschiede sogar nur durch Wissenschaft und Tugend l «gründet). DaS praktische Leben sei mehr materiell alü geistig, mehr kirchlich (dogmatisch und ceremoniell) als religiös. Die Jncaruatiou sei mir so zu verstehen, daß der Geist der Religion ins Fleisch und Blut ihrer Anhänger übcrgegangen sei, denn Jesus habe nicht feinen Willen, sondern denjenigen Gottes zu befolgen geboten. Jeder, welcher in Wahrheit, Klugheit, Selbstverleugnung lebe, sei ein guter Christ, und somit macher Indier besser, als viele Namenchristen. Zen ist durch den Krieg abgehalten worden, nach Deutschland zu kommen. Biele seiner Freunde erwarten ihn noch. Es ist nicht zweifelhaft, welche Ansicht er hier aus dem katholischen Ulttanwntanrsmus mit feinen Kämpfen über Unfehlbarkeitsdogma und Syhsabus und ans dem evangelischen Pietismus mit seiner "Form- und Buchstabengläubigkeit, wie mit seiner politischen und kirchlichen Intoleranz über christliche Gesinnung und christliches Leben gewinnt. 4t«rrai», 29. Oct. Die großräthliche Commission rür Prüfung des regicrungSräthlrchen Berichts über die Ausscheidung der kirchlichen Befugnisse einigte sich unter Anderem über folgende Punkte: I) Tie Commission erwartet, daß die in Aussicht stehende Bundesrevifion die Bestimmungen der Verfassung. die ihren Grund im confesNonellen. Unterschiede haben, beseitigen werde. Sollte dies aber nicht der Fall sein», so soll der Regierungsrath eingeladen werden. einen bezüglichen Vorschlag dem Großen Rathe zur Prüfung einzubringen. 2) Die Führung der Civilftandsregister soll weltlichen Beamten übertragen werde». 3) Die obligatorische Eivilchc soll eingeführt und bei diesenl Anlasse die gesamuite Ehegeiehzebung einer Revision unterzogen werden. 4) Die Commission adoptitte den vom Regierungsrathe aiifgestelltcn Grundsatz, daß das Begräbuißwesen Polizeisache sei. Allfällig noch bestebende Verhältnisse, welche dem ausgestellten Grundsätze widersprechen, sollen aufgehoben und im Gesetze über die Organisation der religiösen Genossenschaften geordnet werden. 5) Der Staat soll von der Bistluimsangelegeubeit iin Sinne der bereits von: Großen Rathe gefaßten Schlußnahme enthoben werden. 6. Das Verhältgiß des Staates zu den in ihm lebenden religiösen Genossenschaften soll nach dem Grundgedanken der Gleichberechtigung sämmtlicher Religlonsgenossenschaften durch ei» Gesetz normirt werden. 7) Die erforderlichen Pfrundcapitalien sollen den Kirchgemeinden vom Staate ausgehändigt werden, sobald die Besoldungsvcrhältnisie der katholischen Geistlichen festgestellt find. 8) Der confessionelle Religionsunterricht soll aus der Schule verbannt werden. Der Staat ertheitt in der Schule einen fteien, auf gemeinsamer, für alle Schüler ohne Unterschied der Eonfesfio« passender Grundlage beruhenden Religionsunterricht.' (N. I. 6 ) $eillletOK. Lustschlösser. Alt« Geschichten von I. ^Fortsetzung.) „Der Lehrer muß aus dein One es. rnag kosten, was cs will." Das war der imnier wiederholte Grundgedanke einer Unterredung. die Klappermosche im geheimen Hinterzimme» mit Rabbi Pinchas hatte, (tau Flasche gute« Weines war schon geleert; eine zweite stand auf dem Tisch, und die lüsternen Blicke des alten Rabbi nnd Gemcindedieners schweiften immer zu ihr hin: „Er »ruß sott, aber wie? Ta niüßt Ihr helfen «ud Ihr könnt, Rabbi Pinchas! Trintt!" „Ich trinke "schon, ich trink schon. Warum trinkst Du nicht? Doch, ja, der Lehrer muß fort. Aber wie? Wie? Schenk mir ein Mosche und sage mir Deine Gedanken. Ich will Dir helfen, so viel ich kau». Was hat. er Dir eigentlich gethan?" „Was er mir gethan hat? Er ist ein hinterlistiger Mensch, ein Heimtücker nnd pasta" — Mosche klapperte mit den Thalcrn in seiner Lasche und schenkte de» Rabbi Pinchas ein frisches Glas ein — „ich >bin MoseS All mann, der Höchstbeftcucrte in der Gcmernde, der Lehrer ärgert mich und ich sollte ihn nicht fortbringcn? Ich? wenn ich will?" Pinchas schwieg. »Ja. sagte Herr Allmann leiser; „ich gebe Euch hundert Gulden, wenn Jbr mir den fortschaffen helft?" „Hundert Gulden?" lallte Rabbi Plnchas. deffcn Augen im unheimlichen Fyier der Halbtrunkenhert leuch teten „Soviel? Hahaha. das tov.ß ich doch nicht! Ich Hab immer genieint. Tu ärgerst Dich, weil er bei der Beerdigung deines Bruders Spielfciß so sehr viel gesprochen hat. was die Leute auf Dich bezogen haben und er hatte Recht, denn „..Du bist der beste Brude» auch nicht!"" Hahaha. mache mir keine solche Augen und ärgere Dich nicht; hundert Gulden und Wein, gib Wein her." „Jetzt nicht mehr? Jvr babt genug? Dock, wißt.