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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 14. · p. Seite 107

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 14.
Date
1871-01-01
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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107 6. Kapitel. *) Mein Sohn? Es hat wohl auch Männer gegeben in Israel, die sich die Frage ernstlich vorlegten: was in in aller Welt das rabb Ceremonialgesetz für einen Werch haben könne in den Augen Gottes. Allein sie beschwichtigten chre Zweifel durch jene Lehre, die unter dem Namen Kabbala, oder Geheimlehre bekannt ist (die jedoch nicht zu verwechseln mit der sogenannter Kabbala practica, einer Art Magia, welche freilich mit diese: zusammenhängt, die eine mystische Philosophie ist, eine Lheosophie. Ich habe mich lange Zeit mit großer Zorichbegicr dieser eigenthümlichen Lehre gewidmet und sie in ihrer ganzen Großartigkeit, aber auch in ihrer ganzen Bodenlofi^eit kennen gelernt. (In meinem Nachlasse wirst du ein Manuskript finden, worin ich dieselbe, systematisch geordnet, in hebräischer Sprache dargestellt habe; denn in den Quellenschriften ist sie durchaus unsystematisch behandelt, was die Hauptschwierigkeit im Studium derselben ausmachte. Das einzige Buch (Mischnas Chasfidim von Emanuel Chai Rcli, 2. Austage Amsterdam 1880) das dieselbe systematisch darstellt, ist zu kurz gehalten und zu conzis geschrieben, um instruktiv zu sein., Sie ist ein gewaltiges riesenhaftes Lustgcbäude, ausgeführt auf phantastischen Prämissen. Aus heidnischem Boden (die Ideenlehre Platons und persisch-indische Weisheit und Phantasterei bilden ihren Urquell) wurde sie hierüber verpflanzt ins Judenchnm, wo sic ungefähr um das Jahr 1000 auftaucht, ohne daß auf ihren Ursprung hingewiesen wird. Sie entwickelte sich immennebr und erreichte ihre höchste Blüthe im 16. Jahrhundert, durch dev wunderbaren und phantasievollen Rabbi Jsak Loria und seinem Jünger Vital. Ich müßte einen voluminösen Traktat schreiben, wollte ich dir das Wesen dieser Lehre und ihren vielverzweigten schädlichen Einstnh aus das Judenthum bis am den heutigen Tag «namentlich in den Gemeinden Rußlands und Polens, dartbun. Unter Tdema anlangend, genügt dir zu willen, daß *1 Wir fd'tittn lai 5. Capitel aue, tae tcn allen vtafefeinen eigennützige, pfäffiscke Afesickten umerschiefel, war geschichtlich als entschieden falsch angenommen werten muß. Niemals beabsichtigten Autoritäten des Talmud ein herrschsüchtiges Pfaffentfenm zu begründen, sie lebten in der Armuth: ibre Fcfeler waren Jrrthum — kein Berfercchen. L ie können mit der Hierarchie anderer Religionrgeseltschasten, die feerrsck,» will, feien» nie verglichen werten.' Siedaction. **> T ad erwähnte Mstr. feesindct sich in meinen Händen una fein ich gerne feereit, es den HH. Geleferten. die fick dafür interosfiren sollten, zuzustellen. Anm. d. Herauogebert. die Kabbalah die Eeremonialgesetze dadurch zu ralionalifiren sucht, daß sie ihnen Wirkungen zuschreibt, welche hineinreichen in die geheimnißvolle göttliche Sphäre und wobei es darauf hinauskommt, daß die Beobachtung der Eeremonialgesetze, sowie das äußere Lippenwerk inr Gebete der Gottheit selbst zu Gute komme. Den Anhängern dieser Lehre erregt die Blasphemie kein Bedenken, die in einer solchen Anschauung liegt. Es kümmert sie wenig, daß die heilige Schritt iazt: „Was kannst du mit deiner Sünde Gott schaden, was mit deiner Frömmigkeit ihm nützend" (Hiob 35, 6. 7.) und daß Moses selbst spricht:" Beobachte die Gebote iGottcs und seine Gesetze, die ich dir gebiete, nur dir selbst zum Helle (Deut. 10, 18.) und zugleich als Grund hinzugesetzt: „Siehe, des Ewigen unseres Gottes sind die Himmel, die Erde und Alles, was darauf und darinnen" (d. h. also kann er das, was er von dir verlangt, nicht seiner selbst willen verlangen, gleich den heidnischen Göttern); oder daß die Propheten gegen das andachtslose Lippengebet so oft ibre zündenden Blitze schleudern. Das Alles erregt, wie gesagt, den Anhängern der Kabbalah kein Bedenken und sie zucken lächelnd die Achsel. wenn du sie auf diese Weise zu ividerlegen suchst, denn sic handhaben ebenfalls eme kabbalistische Eregeie „Sod" benamst, (d. h. Mysterium). welche den Sinn der" Schriftstellen in noch weit schauderhaflerer Weise'als die oben besprochene entstellt und die durch Wott und Zablenspielerei und anderc Kunstgriffe -den klarsten Sinn der Schriftstelle in Abrede stellt und alles darin finden läßt, was ihr beliebt. Es kann sich Niemand eine Vorstellung bilden von dieser Eregcse, der sie nicht selbst kennen gelernt hat. Die Alcgosiruug der Alerandrine ist gegen sie eitel Wahrheit. Was denkst du davon, wenn ein Kabbalist ein vo' luminöses Werl, schreibt das 252. sage zweihundertzweiundttinszig mystische Deutungen der Stelle 5 M. 8. 28 27 enthält. < Ter Mann war ein Pole und das Werk ist hochangesehen und bekannt unter dem Namen Megaleh Amukoth ) Qder wenn ein andres Werk 70 Deutungen des 1. Verses der Genesis gibt. (Das Wett ist tw'changesehen bei den-Kabbalisten und heißt: Tikunim.» Unter den deutschen Juden wird zwar die liabbalah weniger studitt: dennoch, oder vielleicht gerade deßwegen dient sie den Anhängern des rabb. Jdlh. zur Wehr, zur Verschanznng gegen die Angriffe auf dasielbe aus Vernunft und Schritt. Denn da sic ihnen nur dem Namen »ach, oder auch äußerlich durch populäre hebräische Werke bekannt ist, ibr mystisch Wesen aber ihnen imponirt. 'o vermeinen sic, daß in ibr wohl alle Angriffe ans das rabb. Jdtd. i

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