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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 13. · p. Seite 103

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 13.
Date
1871-01-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 „Das brauchst Du auch nicht. Du brauchst nicht ffür Dich zu sorgen; ich sorg für Dich! Ich habe p eigentlich immer für Dich gesorgt. Dein Vater...." „Bitte, lieber Onkel, schmähe jetzt Deinen Bruder nicht." „Was, Dein Vater war ein Lump — Spielfeih." Ein fahle Bläffe überzog das Gesicht Veilchens; sie wollte auffahren, sie konnte nicht; starr blickte sie ihren Onkel an, Thränen — es waren nicht di« erste», die sie in dieser Trauerwoche geweint hatte, — entstürzten ihren Augen. Sie wollte sprechen, aber sie konnte nicht. Da öffnete sich die Thür« und — Anendel Marx trat ein. Knendel verlieh seit Jahren, seit ihr Mann lodt war, nur selten ihr Häuschen; wir wissen auch, dah sie fetten, fast nie, 'prach. Selbst bei dem Tode des Bruders Feih, den sie ttotzdem mehr geliebt hatte, als ihren Bruder Mosche, verlieh sie nur ihr Zimmer, um wenige Häuser weit der Leiche nachzngehen; dann trat sie in ihr Haus zurück, hatte „JoelS Fanny." die gerade zugegen war, ein Ei und ein Brödchen für Veilchen gegeben — und in ihrem Haus in gewohnter Weise fottgewitthschaftet. Jetzt ttat sie gerade in dem Moment, wo Mosche das Wort „Lump, Spielfeih" gesprochen hatte, ins Zimmer zu Veilchen. „Tante Anendel!" riefen Mosch« und Veilchen zugleich, während ersterer fast kreidebleich wurde. Veilchen wollte «inen Sessel herbeiholen, aber die Taute ttat zu dem Mädchen, und legte ihre Hände auf Veilchens Sttrne und Haupt. „Klappermosche" sagte sie mit einer Stimme, die, so leis sie Lang, doch wie Trompetengeschmctter in's Gcwiffen Mosches hinemtönte — ..Klappermosche, du nennst Deinen verstorbenen Bruder Lump und Spielfeih — und Du hast ihn zum Lump, du hast ihn zum Spielfeih gemacht. Ich weih es — Du bist Schpld an seinem.verfehlten Leven aber ich wollte nichts sagen. Feih hat für Dich gearbeitet und gehandelt; welche Rechte er und sein Kind an Dein Vermögen habenich weih es nicht; aber ich wuhte, dah Du einmal das Kind darum bnngen würdest und konnte doch nichts dagegen thun, denn das Unglück kam zu schnell. Nun, gehe aus diesem Zimmer; dann packt Veilchen ihre Sachen und — geht mit mir! „Halt, sie bleibt hier;* sprach Mosche und seine Sttmme Mette, „ich bin ihr Vormünder." „Du bist ihr Vormünder, aber nicht ihr Herr. Du sagst ja, sie hat nichts. Also für was Vormünder? Feih hat Dir gedient, Veilchen ist die Magd Deiner Kinder gewesen, lang genug. Deiner Kinder, die mich fast nie begrühen, obwohl ich deine einzige Schwester und ihre Tante bin; denn ich bin Deiner Frau zu wenig" — und ein sanftes Lächeln glitt über die bleiche schöne Sttrne der würdigen alten Frau „nun, Veilchen, füll und wird Dir nicht mehr dienen.-Geh." Was verunlahte den starken Mann, dem Blicke ^iner Schwester aus dem Wege zu geben? AIS Veilchen mit Knendel allein war, sagte dieser „Tante, liebe Tante, lah mich uur noch ein paar Tage hier, ehe ich euch entscheide. Ich will die Stätte «och nicht verlassen, wo mnne Ettern lebten, wenn ich auch nicht glücklich da war, wie es Kinder sein sollen. Ah will «ns «erden mit mir; dann geh« ich — ich komme vielleicht z» Euch. Aber heute nach nicht.! — (Fortsetzung folgt.) Frankfurt a. M., i« Ottober 1871. Im Magazin für die Literatur des Auslandes, Nr. 41 d. I., findet sich ein sehr interessanter Artikel, von Heinrich Freiherr» von Maltzaa, überschrieben „die Juden in Südarabien" den ich Ihnen, so »eit er Thalsächliches über die Juden daselbst enthält, in gedrängte: Kürze mittheilen will. Trotzdem, dah die Moslems gegen Andersgläubige sehr unduldsam sind und den barbarischen Ausspruch im Munde rühren „Arabien müffe rein von Ungläubigen sein", werden doch Juden überall geduldet, zumal in dem von Nord- und Mittelarabien, durch geregeltere Zustände in Stadt und Staat abweichenden Sudarabien. Im Alterthum gab es in einzelnen Städten wie Satherb (Medina) und Chaibar anschuliche Judeugemeinden, aber sie wurden, durch den vordriugeuden Islam, spater aufgelöst und versprengt; nicht so in Südarabien, wo das Judenthum vor Mohamcd eine Zeittang zur staatlichen Herrschaft gelangt war. und ganze Araberstämme zu demselben übergettcten waren. Trotzdem aber ist die mdische Rare dott »«vermischt. gebliebxn, und ist der Jude dort durch Physiognomie , Hautfarbe und Gliederbau von den übrigen Bewohnern Südarabiens merklich unterschieden. Die Südaraber sind klein gewachsen, die Juden haben selten uuter, oft über Mittelgröhe; jene find von duntter Gesichtsfarbe, diese weih wie Europäer, die Gesichtszüne der Araber find klein und rundlich, die der Juden gedchnt und regelmähig, der Araber Haar kraus, das der Juden schlicht. Die südarabischen Juden sind im Ganzen ein sehr schöner Menschenschlag, namentlich findet man unter Kindern allerliebste Gesichter. Während die Jude« ebenso wie die Südaraber sehr mager sind — einen wohlbeleibten Juden findet man dott nie — unterscheiden sie sich doch von diesen durch ihren Batt. Die ersten Ansiedler in Jemen, die Beni Koraita, sollen der karäischcn Sekte angehött haben, worauf auch schon der Name hinweist, doch die jetzigen Einwohner verneinen dies. In Aden, wo die ansässige Judenschast eine einzige grohe Synagoge besitzt, bestehen noch zwei kleine Gotteshäuser, die aber nicht von den Adener ansässige« Israeliten, sondern von ftemden eiugewandetten ärmeren besucht werden, die sich m Mitte der Adener Patricier gedemüthigt fühlen möchten. Es besteht sonst durchaus kein Unterschied im Ritus.

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