Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 13.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Db»Eschland nicht verloren sei« wird. Kan» «an auch jetzt fortfahren, i« „alten neuen Reiche" Mische Schule» und jüdische Lehrer als Stiefkinder zu betrachten? GM- >a4, «offin Mfaß gilt, nicht auch im alten «eiche?! Warschau. Am Hüttenfeste überfiel der christliche Pöbel die feiernden Juden in ihren Hütten. Tie Polizei gab der Klage darüber kein Gehör, weil ja Niemand getödtrt worden sei. Straflos ausgehend erkannte der Pöbel sofort sein Recht und wiederholte den Urbersall andern Tages bei einem Begräbnisse. Bor den Augen der Welt wurden zwar Einige arretirt, ater alsbald wieder freigelassen. Nach Oben wurde berichtet: es sei eine kleine Schlägerei gewesen, durch Juden wie Christen veranlaßt. Man firht, welche Hoffnungen man auf sdie Regenerationsideen setzen kann, welche angeblich Rußland für seine ebenso zahlreichen wie Unglücklichen Juden gefaßt hat. Bukarest, 12. Lcr. Nach Erledigung der Bahnfrage kommt der nachstehende Gesetzesvorschlag des Senators Desliu auf die Tagesordnung der rumänische« Sammern: Die Juden sollen vom flachen Lande vertricbeu und nicht das Recht haben. Grundbesitz zu erwerben. Ausgenommen find allein diejenigen Juden, deren Familien nachweislich seit zwei Generationen in Rumänien ansäsfig find. Dieselben haben zehnjährigen Militärdienst zu leisten oder mit jährlich 3000 Franken sich losznkaufen. (A. Z.) J ( « i I 1 t t o n. -rustschttsser. Alte Geschichten von I. (Fortsetzung.) Das waren trübe Tage für Veilchen, — dnrch kei- «e» Sonnenstrahl erhellt. Wenn ein Leben dahingegangen, das uns naheftand, so zieht sich die Seele von der Berührung mit der Außenwelt auf sich selbst zurück, — und das gab die Veranlassung zu den Traucrtagen. die uns aus Haus zu fesseln bestimmt find, um jene Einkehr zn unterstützen. Veilchens Berhättniß zu ihrem Vater war ein ganz eigen geartetes gewesen. Sie hatte ihn nicht von der leidenschaftlichen Hinneigung zum Spiele abhatten; und doch hatte chr Bück, und in ihrer Abwesenheit der Gedanke schon an die engelremc Tochter, an ihre Geduld, an ihr« kindliche Hingebung, eine große Gewatt über das Gcmüth des Verstorbenen, so, daß er mindestens nicht noch mehr ausartcte; daß er seinen Geschäften mit Ernst oblag, so lange der Spielteufet ih* nicht ergriff und so eine gewisse Wohlhabenheit in» Haus« herrschte, und daß Feiß sich hütete, das Heim dnrch seine Leidenschaft zu entweihen. Veilchen erkannte die Liebe zu ihr im Herzen des Vaters, und sie sorgte für ihn, io viel fie cs vermochte. Gesprochen wurde zwischen beiden nur wenig und so wußte Veilchen fast gar nicht» von seinen Geschäften und Verhältniffcn. Er brachte von Zeit zu Zeit Geld, so viel die Bedürfnisse de» Hausä erforderten und das war Alles; er hatte ein kleines Buch, in dem er die Geschäfte eintrug, welche er mit seinem Bruder „Klappermosche", — er sagte me anders— machte, das wußte sie wohl? Aber wo wäre» hingckommen? Sie hatte es bei seinen Lebzeiten wenig gesehen; er hatte dafür einen eigenen Aufbewahrungsort — aber wo? Jetzt fiel ihr das Ecksch'änkchen bei, da» ihr Vater auf seinem Todtenbctte öfters genannt hatten es haftete ihr wie ein Traum im Gedächtniffe, fie batte wohl damals nicht darauf geachtet, jetzt fiel e» ihr bei. dieses Eckschränkchen; aber wo war es? Sie stand hülflos da, ganz dem Belieben ihres Onkels preisgcgeben; das fühlte und erschreckte sie! Selbst ihre Wohnstätte war eigentlich ein Theil vom Hause ihres Onkels und fie wußte nicht, ob es ihr Eigenthum war und blieb; und dann — wohin? Ja. das waren ttaurige Tage? Nachdem die sieben gesetzlichen Traucrtage vorüber waren, kam ihr Onkel, der auch getrauert hatte, wie es vorgeschrieben ist, und sagte: „Veilchen, dn kannst hier wohnen bleiben; aber du brauchst doch keine zwei Stuben, die Vorderftube kannst du vergeben. Unsere Lina ist jetzt auch groß und muß ihr Zimmer für sich haben. — Was willst du weiter machen? Du kannst auch bei uns effen, denn du Haft nichts" — — und dabei blickte er sie scharf an und ein Zwinkern seines Auges zeigte, daß es in seinem Inneren mcht ganz klar war -, , ja, du Haft nichts! ich Hab» meinen Bruder erhalten, er hat Alles verspielt — ich erhalte auch Dich! Ja. du kannst., bei uns bleiben — wir — wir sparen eine Magd-—" „Ich habe mich noch nicht entschlossen. Onkel, ich werde die Tante und Marr tragen; ich werde mich entschließen, sobald mein Herz sich erholt hat. Jetzt noch nicht, ich kann nicht." — „Was entschließen, was kannst du dich entschließen? ch bin dein Onkel und dein Vormünder. Vormünder? ür was? Du hast nichts. Also bleibt cs, wie ich gesagt habe." „Ich werde-Onkel, laß mich, ich kann Drr noch keine Antwort geben. Bedenke, mein Vater, Dein Bruder, ist noch nicht volle 8 Tage unter der Erde. Wie soll ich. das einsam stehende Mädchen, das nie eine andere Sorge hatte, als die für den. Vater, jetzt schon gelernt haben, für mich sorgen?