Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 13.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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104 Freiherr vvn Maltzan schivett mm einen Besnch n der Hanptfynagoge am Freittag Abend. Der Bode« derselben war mtt herrlichen Teppichen bedeckt, eine Anzahl Lampen erhellte deren Räume. die dicht von Meniche» gefüllt waren. Alles war festlich gekleidet, die Knaben mitunter elegant und prachtvoll. Die heilige Lade ist künstlich geschnitzt und herrlich verziert, die Thora aui Lederrolleu geschrieben<Anch Lh>icham Firkowitz hatte in Augsburg Theile einer solchen ledernen Thoraroüe mtt sich, die ich be, demselben gesehen habe. — ) Der Oberrabbiner in Aden der den Titel Meri (tal- »ndisch auch im Syrischen in dieser Bedeutung) führt. heißt Renachem ben Mescheh — so wird das hebräische 7!vo daselbst ansgesprochen —; er ist bereits « Atter vorgerückt und in Aden keiner, der sein Nachfolger »erden könnte, denn seine Söhne wollte« von der Gelehrsamkeit nichts wissen, die in Ade« keinen Boden hat, wo Alles dem gewinnbringendem Geschäfte und Erwerbe sich hingibt. Seine Bibliothek besteht zumeist i« europäischen Drucken und einigen Handschriften ausLedcr. Wichtig ist, was Menachem ben Mescheh über die Ansfprache des Hebräischen mitgetheilt. Kamez auch Kamez chatuph, werde« wie O ansgesprochen, Zere wie l. Seqol aber wie a — vom Patach wenig unterschieden und Ehoiem wie e (.^ve-Mescheh) das 2 wird stets hart aasgesprochen, auch ohne Dagcsch, § klingt sehr »eich, wie englisches th, 2 wie ch, in der Stadt Sana dagegen wie g, 1 »ud n ohne Dagesch wie das englische th in tn«. In Ade« ist das Priesternnd Levitenthum noch in voller Bliithe; es leben daselbst 30 Kohanim, 10 Levim. alle Uebrigen heißen zum Unterschiede Israel. Die Levii« genießen nichr Achtung als die Kohauim. Daß beide von einem nnd demselben Stamme Herkommen, ist den Meisten nnbekannt. Die jDischen Bewohner in Aden sind zumeist Handwerker, Waffenschmiede, Silberschiniede, Metzger, Maurer nnd treiben Handel und kleine Wechselgcschäfte. Sie find im Verfertigen von Wasscngeräthen nnd kriegerischen Utensilien äußerst geschickt. Das Handwerk der Silberschmiede ist ein sehr einträgliches, da die Araber sich Totchscheide, »ugelbehältcr gewöhnlich aus Silber anfettigen lassen. Die Juden sind durch dieses Handwerk, welches die. Araber ihrer selbst nicht würdig halten, geschützt, da sie dadurch unentbehrlich find. §lar iu Hadhamaul werden Juden nicht geduldet, weil die dortige Bevölkerung centralarabischen Ursprungs ist, wo der Fanatismus zu Hanse ist. Auch in Sofia wohnen gcgenivärtiz keine Juden, früher war sogar ein Ott nach den Juden benannt «'Schädel Hahud.) Die Juden in Sndarabien «erden principiell geduldet, wenn man auch gegen andere ‘ Nichtmoslems noch so strenge verfähtt. In Sana, wo bei Religionsverfolgungcn', Andersgläubigen die Wahl zwischen Tod und Uebettritt gestellt wurde, blieb die zahlreiche Judengcmeinde daselbst ganz unbehelligt. Die Juden sind als WaffeufchmiÄe unentbehrlichebenso »egen Baumwollwebcrel, Tüncherei und anderer industriellen Zwe^e. Vor Mord sind die Juden durch einen thchüchteir ritterlichen Usus geschlitzt; manhöttost sagen, „die Juden sind wie die Frommen, einen dieser Beiden ru tödlen schändet den Mann,"-denn im Falle eines vortommenden Mordes könnten und dürsten sie von dem Rechte der Blnttache keinen Gebrauch machen. Doch find die Juden daselbst gewisse!» Dcmüthigungungcn ausgesetzt. In Marokko dürfen sie kein Pferd, sondern nur einen Esel reiten. Begegnet ein so berittener Jude einem Araber, so muß er voui Esel steigen, ihn am Halfter führen und zur linken Seite ausweichen. Bei Begrüßungen streckt der Araber dem Juden die Hand zum Kusse entgegen, die \ gehörige Distanz beobachtend, um nicht verunreinigt zu werden. Die Araber sprechen sich sehr fanatisch und verächtlich über die Juden aus, die sie wegen ihres andern Glaubens hassen. Es sind fabelhafte Gerüchte aus Unkcnntnih über den Ritus der Juden im Umlauf. So sollen sich die Juden bei gewissen Feierlichkeiten die Hände mit schwarzen Tüchern verhüllen, und eine Att Horn, auf die Stirne binden. Es find dies offenbar »die Tephillin; es ist nur zu verwundern. daß Freiherr von Maltzan das nicht ettannt hat, denn er schreibt. „Selbstverständlich ist das ein gehässiges Zerrbild, aber ich habe Ursache zu vermuthen, daß ein Fünkchen Wahrheit zu Grunde liegt, denn als ich weine jüdischen Bekannten darnach ftagte, wurden sie verlegen nnd gaben ausweichende Antwotten." Die Toleranz der englischen Regierung hat viel zur Verbesserung der Stellung der Juden in Aden beigettagen und dieselbe wirkt auch wohlthätig auf die benachbatten Sultanate. Die „AU. Jsr." hat den durch seine Reisen zu den abefsynischcu Kellaschah rühoilich bekannten Joseph Hallevy nach Central und Nord-Aemen entsendet, wo gleichfalls viele Juden wohnen, z. B. im Lande Thenayiin, in welchem nach Berichten des Missionärs Wolf! ein jüdischer Staat bestehen soll, ferner der seltsaot bedninisch lebende jüdische Staniin der Rachabiten.! Ein Unterschied zwischen der älteren noch im Drucke erzogenen und der jüngeren frei anfathmenden, frisch 1 nachstrebenden Generation ist sichtlich bcmettbar. Die Knaben der jetzigen Generation bcsttzen Bildung nach europäischen Begriffen, während ihre Väter außer ihrem Handwett gar nichts wußten. Die Juden in Südarabien allein haben das Stteben nach europäischer Bildung, sie sind daher als die Vorposten europäischerCultur und Gesittung in Arabien von gwßerBedeutung^ Kur den Kuwhandel in Kommission bei Ostar Leiner in Leipzig. — Z. Gottsleben's Buchdruckern in Mainz. Verantwortliche Redaction und Verlag von Zosrph «lsngenirein, Lehrer zu Ingelheim.