Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 13.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428704-5428758-5433887--3719-4899925- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
100 ^ichnet wird, «eßhalb er GoSl heißt, und diesen Name» muh der Frau gegenüber behält, die auch zum nachgelassenen Erbe gerechnet wird, während der puristisch«, sprachlich unerklärbare Name des Levir oy ist'). Wir halten, wie bemerkt, dieses Eintreten des fernen Verwandten bei Ruch, für eine durch die Bedürfnisse des Lebens entwickelte, mit dem mosaischen Erbschaftsrechte zusammenhängende Erweiterung deS Gesetzes: denn für eine Einschränkung oder Aenderung desselben wie bei den Karäern **), woran mau auch denken könnte, liegt hier kein Beweis vor, da kein Bruder mehr da war. Da aber die Erhaltung das Gutes in der Familie an daS getobte Land gebunden war, so steht es fest, daß die Levirathsehe außerhalb desselben, und mithin auch die^Chaliza als Strafe für den Verweigerer, oder, wenn man lieber will, als Surrogat derselben, alle Berechtigung verloren hat und bei der letzteren am allerwenigsten von einer „rein mosaischen Institution" die Rede sein kann. 'Bedenkt man aber ferner, daß selbst der Talmud die Levirathsehe und die Chaliza aus dem angegebenen Grunde bei dem Bruder blos von mütterlicher Seite als unanwendbar erllärt "). und man doch zugeben muß, daß bei uns derlelb« Grund bei den Brüdern von väterlicher Seite Platz greift, so ist cS bei jedem Andern, als dem ignoranten Troß der Jungorthodoxen wahrhaft unfaßlich, wie man sich gegen die endliche Aufhebung einer Eeremonie, die so völlig allen Halt und allen Boden verloren hat, noch sträuben mag. \ (Fortsetzung folgt.) Alliance israelite universelle. (Fortsetzung der Briefe auS Jaffa.) 28. Juli 1871. Ich bestätige Ihnen mein Schreiben vom 21 b. Da me Sitzungen der Allianz wieder begonnen, so habe ich mir vorgenommen. Ihnen, da ich doch meinen Bericht noch nicht erstattenkann, mit jeder Post zu schreiben und Sie von Allem, was vorgeht, in Kenntniß zu setzen. Unser Getreide liegt noch in der Tenne; die Gerste ist zum größten Theile eingeyeimst; wir haben nur noch Sesam (eine Oelpflanze) und Wassermelonen .auf unfern Feldern; unsre Bauten schreiten langsam voran, da die Bauern, unsere gewöhnlichen Arbeiter, noch mit dem Dreschen-beschäftigt sind. Aus 9) Michaeli» Mos. Stecht l. l. «ad des. Seiger l. l. 10) Seiger L I. und Hechaluz VI. S. 26, ff. 11) Ied. 17, d. cf. B. Bathr» 110, d. Tur. EL» Haeser 157 e. Beth. Lot. gleichem Grund fehlt es auch an Kalk auf dem Markte. Zn diesem Augenblicke beendigt man die innere Bekleidung der Cisteruen, nördlich vom Goldschmidt-Flügel^ man arbeitet an der Grundlegung von acht Zimmern am End« der Scheunen, dem großen Wafferbehälter gegenüber, dessen Steine uns je nach ihrer AuSgrabuug zu dem Bureau dienen, das sich zwischen dem Brunne» und dem Goldschmidt-Flügel, auf der Einebnung des ersten HofeS befindet. Heute ist die Bermeffung des Bodens fertig geworden; der damit beauftragte Archttect (?) ist nach Jerusalem zurückgereist, von wo er Ende der nächsten Woche den Plan mitbringen wird. Der Kaimakan oder Gouverneur des Bezirks Jaffa wird dann die Leute des Jasor berufen und man wird die Grenzsteine, die ich bereits vorbereiten ließ, definitiv setzen. Wir werden einen Plan nebst einer Scharbad«, d. h. eine» regelrechten Urtheilsspruch empfangen und von vornherein jeder weiteren Nachforschung oder Unters suchung enthoben sein. Mit der lebhaftesten Ungeduld erwarte ich daS Holz aus Rußland, das Hr. Erlanger bestellte, von dem ich glaubte, er würde hier durchkommen. Aus Belgien erwarte ich daS Zink zum Dachdecken. Unser Gärtner, der in Urlaub zu Beyruch war und, da er nach Europa geht, erst Ende September zurück sein sollte, kam gestern wieder an. Er versvricht mir von den jetzt im Garten befindlichen Erdbeerstöcken für das nächste Betriebsjahr eine Gesammtzahl von 100,000 Stöcken und einen Verkauf von 20 Kilo Erdbeeren per Woche, was, zu 7 Va Francs per Kilo, wöchentlich 150 Francs, zehn Monate des Jahres hindurch, wäre. Die Spargelpflanzen gedeihen, Gott sei Dank! ganz vortrefflich und wir werden genug haben, um mehrere Hectaren damit zu bepflanzen. Dies wird eines unserer lohnendsten Erzeugnisse sein und zu Port Scrkd, Beyruch und Alexandria einen sichern Markt finden. Ich erwarte die Ankunft Sr. Excellenz des Pascha, um über die Straßenreinigung in Jaffa mit ihm in Unterhandlung zu treten; dieß wird einen nur wenig kostspieligen Dünger abgeben, was in Europa für einen Garten die größte Ausgabe ausmacht. Gestern erhielt ich einen Brief, worin man mir einen ehemaligen Kaufmann in Beyruth, einen Israeliten, als rechnungsführenden Casstrer empfiehlt; er hat vortreffliche Zeugnisse. Ich lade ihn ein, hierher zu kommen und kann Ihnen vielleicht in meinem Nächsten mittheilen, daß uh ihn engagirt habe. Als ich Ihnen von den in Ausführung befindlichen Arbeiten sprach, vergaß ich, einen neuen Brunnen zu erwähnen, den ich an der Are des Baues, am äußersten Ende des in Aussicht genommenen zweiten tofes habe graben lassen. Dieser Brunnen soll zum egießen der Thäler Rahel und Rebecca dienen uife