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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 13. · p. Seite 98

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 13.
Date
1871-01-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 überall sprechen sie eS deutlich aus, bafe Gott vom Menschen nichts andres verlangt, als die Bethätigung des Sittengesetzes: Gerechtigkeit. Menschenliebe, Redlichkeit in Handel und Wandel, Demuth rx. Ja, die Prophet« eifmn sogar in zündend« Reden gegen alle LeremoivalsrSmmigkeit »ud sprech« verächtlich davon, weil sie.wohl sahen, »ne das'Doll mit Gott und seinem Gewiss« durch gleichgiltige Handlnngcn sich abfindet und dadurch die wahre Verehrung Gottes durch einen reinen Wandel vernachlässigt. Sieh« Dir einmal an, mein Sohn, dre dickbändjgen Folianten des Schulchan Aruch, diese immense Bürde von Ceremonialgesetzen und schlage dann den Propheten Michah ans im 6. C. den 8. V., der da lautet: Er hat dir kund zethan, o Mensch, was gut ist. und »aS Er, der Ewige, von Dir verlangt: rnchts als Recht thun, Mi ldthätigkeit )i b eu und in Demuth wandeln vor DcinemGotte:" und beantwort ege- »issenhaft die Frage: Kann wohl LaS rabb. Judenthum dem prophetischen adäquat sein? Und lies. m. S., den prächtigen 15. Psalm, der da lautet: „Wer darf, o Herr, in deinem Zelte wohnen? wer auf deinem heiligen Berge ruh'n? (ft. h. wer ist der GotteSnähe würdig durch feine Frömmigkeit?) — Wer in Unschuld wandelt, Recht ausübt. von Herze« Wahrheit redet, mit seiner Zunge nie verläumdet, nie seinem Nächst« Böses thut, nie seinem Ncbenmensch« schmäht, in dess« Augen der Berächttiche verachtet, der Gottesfürchtige geehrt ist; der seinen Schwur hält, auch w«n er ihm zum Schaden gereicht, wer keinen Wucher treibt mtt seinem Geld«, »er ohne Bestechung die Unschuld schützet. Wer solches chut, der wird ewiglich nicht wanken." ~ Hier, mein Sohn, hast du auch einen Schulchan- Aruch. Er ist etwas kleiner als jener andere — ein schimmernder Diamant gegm einen Haufen Kieselsteine. Dem rabb. Judenchume gemäß müßte dieser Psalm ungefähr folgendermaßen lauten: „Wer darf, o Herr, in deinem Zette wohnen? »er auf deinem heiligen Berg: ruh«? Wer jeben Lag Tcphillin legt, (Pylakterieu) am Sabbat keine Cigarre raucht undj seine» Mund enthält von verbotenen Speisen; «er seinen Bart mit der Zwickscheere putzt und kein Rasirmeffer fahren läßt über sein Kinn. Wev solches chut, der wird nicht wanken ewiglich." M. S., von der reinen Religion Israels, die lediglich in der Verehrung Gottes durch einen reinen sittlich« Lebenswandel besteht, von ihr konnte der göttliche Richter Moses sagen: „Sic ist «re Weishett und euere Einsicht in den Augen der Völker, welch« hör« all diese Gesetze und sagen werden: „Seht, welch weises und verständiges Volk ist diese große Nation." (5. M. < 5.) Von dem rabb. Judeuthum wird dies wohl schwerlich behauptet werden können. Oder ist der NichtiSraelite von der Weisheit enchufiaSmirt, die sich in den jüdischen CereWonialgesetzen (z. B. in de^ Enthaltung von sogenannten Terefa-Spersen) offenbart? — das wird Niemand behauptet Holl«. Dir reine dyligion Israels ist bestimmt, eine Universalrellgion. eine RAigion der gesammten Menschheit zu »erd« (wie dies in viel« Schriftstellen ausgedrückt ist.) Ist es aber d«kbar, daß Las rabb. Judenchum je eine Religion der Gesammtmenschheit werde? Es therlt aber die Religion JSraeks die Schicksal. von der Thorheit ihre Priester verunstaltet und gefälscht worden zu sein, mit vielen and«« Religion«, mit der Religiou des Confuzius, mit dem Buddhismus und mit dem Christenthum. Auch sie find ursprünglich mchr oder minder rein und lauter; klar und kryftallen sprudeln die erquickenden Fluthen an der Quelle^ «ährend die Wasser des breiten Stromes faul und trübe und schlammig geworden. So aber Jemand sprechen würde, mein Sohn: „Wenn die Religion Jsrael's in nichts Anderem besteht, als in tugendhafter Gesinnung und tugendhaftem Wandel. waS hat sie dann voraus ande« Relrgionm, die ebenfalls dm Ke« des SittmgefetzeS in sich bergen?" jo antworte ihm und sprich: Gerade dieser Mangel ist ihr Vorzug; gerade darin zeigt sich die Göttlichkeit de» biblisch-prophcttschcn Judenthums, daß sie fast nur die Bethätigung des SittmgefetzeS allein fordert, daß keine Schlacken ihr bsigemischt sind, wie den ande« Religionen. weßhalb der Psalmist von chr begeistert fingt: „Die Worte des Herrn sind la utr e Worte, Silber aeschmolzen iu der Werkstätte der Erde geläutert siebenfach." (Ps. 12. 7.) (Fortsetzung folgt.) Air Zeremonie des Schuhausziehens, Kyati-a (Fortsetzung.) Daß die Levirathsehe mtt socialen Verhältnissen zusammenhängt, die in unserer Zeit nicht eiiunal annähernd eme Analogie haben, mutz jeden» Unbefangen« schon aus der Geschichte Thamar's (1 Mos. Cap. 38) klar fein. Das mosaische Gesetz batte sie, wie schon der Talmud anerkennt *)» verboten und unbedingt als Blutschande ausgestellt (3. M. 18. 16.). Wenn also, uin jeder Krittt aus dem Wege zu gchen und uns streng 1) Jrb. 39,. b jwiw non yrato w? Sbj i'i» m>«? ctau»

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