Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 12.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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87 werden, welche sie um b Uhr Abends verlassen. In dieser Zwischenzeit findet eine stete Neberwachung statt. Ein arabischer Arbeiter gibt sich oft erstaunliche Mühe, um eine Arbeit schlecht zu machen. Sie sehen ihn bei der Arbeit, es kommt Ihnen ein Gedanke und Sie gewinnen einen Arbeitstag, indem Sic ihn anleiten, die Sache anders anzugreifen. Wir haben immer 40—dO Arbeiter per Tag. In, Laufe des Vormittags mnß man die Ankäufe machen, für welche man immer viel >$eit verliert, denn der Araber fordert niemals einen Preis; er erwartet ein Angebot, das er immer erst nach langem Hin- und 'Widerreden annimmt; dann kommen die Ankaufsrechnungcn aus der Stadt — Alles llntcrbrochcn von den Fragen der Maurer, des Gärtners u. s. iv. Run kommen Kamceic oder Ochsen oder Esel, die in unseren Feldern betroffen worden waren, und die als Pfand zurückbehallen werden ' müssen', bis das Strafgeld für sie erlegt ist; da kommen nun die Eigenthümer, welche die Strafe zahlen sollen, küssen die Füße, schwären, daß sie keinen Para besitzen, und ziehen z>»letzt aus einein Lappen er,« ein Viertel, dann die Hälfte von dem, was sie zu entrichten haben. Nun kommt die Post, ein Berg von Briefen ist zu lesen, zu beantivorlen; es kommt die „Jüdische Presse" von Berlin und fordert mich zu dem Beweise aus, daß ich nicht mit den Missionaren im EinocrstLndniß sei. Auf der Straße von Jaffa nach Jerusalem findet ein ewiges Gehen und Kommen von Fremden statt; viele kommen bis in unsere Anstalt. und wir sind noch!» neu, um ihnen nicht alle geivünschtcn Erklärungen zil machen. Nun kommt ein Schreiben-des Kainiakan oder Statthalters von Jaffa, die vierte Nachmessung unseres Gutes betreffend; dann gilt cs, die Zahlungslistc aufzustellc», was.wegen der Gleichheit der arabischen 'Namen eine ziemlich verwickelte Sache ist. Ich setze mich zur Arbeit nieder; inan bringt mir ein .Kind, das voil einem Gerüste herunter gefallen ist; ich mus; cs verbinden, dcnln einen Arzt haben mir nicht. Ich kehre zur Arbeit zurück; man bringt mir einen Ochsen, ein Maullhicr zum Kauf. Die Nachtwächter kommen, man muß sie auf ihre Posten führen und Nachts die Runde machen, um sich zu versichern, ob sie auch wirklich dageblieben sind. Und nun in der Mitte von Zlll' diesem einen Bericht verabfassen! Ich versichere wie, wenn der Abend kommt und ich daran arbeiten will, kann ich schon nach den ersten Zeilen den Schlaf nicht vermeiden. Wie soll man nach Methode und Ordnung berichten, wenn man jede» Augenblick gestört wird? , Hch bin auf der zweiten Seite meines Briefes, wiffen Sie, wie oft man mich, seitdem ich angefangcn habe, unterbrochen hat? Zweiundzwanzig DÜl. _ Ich.komme auf unser Personal..zurück: e3..iit sehr schwierig, Jemanden, den man nicht kennt, zu sagen, wie viel man ihm geben kann. Ich bin der Meinung, daß wir in Hinsicht des Anthcits am Reinertrag schr weit gehen, aber in Bezug auf das fixe Gehalt uns in den engsten Grenzen halten, womit ich jedoch nicht gesagt haben will, daß man aus kleinlicher Sparsamkeit eine gut« Gelegenheit versäumen solle. Alles hängt von dyn Manne ab. In keinem Falle können wir uns hinsichtlich des Ackerbaues binden, bevor wir ihn an der Arbeit gesehen.- (Schluß folgt.) Wochenbericht. Qber-Jngelheim, 22. October. Die jüngste Nunnner der „Israelitischen Wochenschrift" ist ausschließlich dem sicbcnzigjährigen Geburtstagsfcstc des Directors des Breslauer Rabbincrseminars Herrn Dr. Z. Frankel gewidmet, welches am vergangenen Simchath Thora in jolennestcr Weise gefeiert wurde. Wir schließen uns, wenn auch sehr spat, doch nicht minder herzlich. der großen Zahl der Glückwünschenden an. Welcher religiösen Richtung wir auch angchören mögen, —die hervorragenden Träger der jüdischen Wiffenschast gchörcn dem Gcsammtjudenkhuin, sic sind sein Stolz und seine Zierde, beim nur durch die Pstege seiner Leyrc wurde Israel erhalten; nur durch das Aufblühen der jüdischen Wiffenschast in der Neuzeit ist die innere Cultur, wie der Fortschritt nach Außen im eminentesten Sinne gefördert worden; und nur die Achtung, die Alle der Wiffenschast zollen, kanir den Glanz der jüdischen Lehre, seine herrliche Zukunft, die unser Aller heißeste Hoffung ist, herbeisühren. Ja, das hoffen nicht minder die Männer der fortzefchritteilste» religiösen Richtung wie alle diejenigen, welche überhanpt aus der Versumpfung heraus in das Eulturleben unserer Zeit eingetreten sind und welche anerkennen ivollen, daß ein Heraustreten aus dein GeifteSghetto voriger Jahrhunderte geboten war. Wir begreifen es, wenn die Männer, deren eminente Geistesarbeit fast ausschließlich dem altjüdischen, insbesondere talmudischen Schristthuine geyörte, glauben, daß sich das Lebe« ihrer Wiffenschast anvequemen; und wieder nicht glauben können. daß wir nicht minder von hoher Achtung für jenes Schristlhuin erfüllt sind, wenn wir auch das von chm geschaffene Leben für unsere Zeit ungeeignet und unverbindlich, für. eine abgeschloffene Phase des Judeuchum» . Halten- Herr Dr. Smil Lehmann in Dresden, der gewiß als