Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 12.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 85 — jübiföcn Publikums ohne Unterschied der religiösen Richtung in reichem Maße zu. Man sah «in, bat Etwas für Palästina geschehen müsse, was außer aller Relation mit dem stehe, was bisher geschehen ist und als fruchtlose Bemühung gelten kann. Colonisation mit einem Schlage ist unmöglich; und so oft auch dahin gearbeitet worden, die dortigen Bewohner aus ihrer Lethargie zu reißen. — es ist nicht gelungen. Die steten palästinensischen Betteleien aber sind ein Krebsschaden auch unseres Armenwesens. Wie es mit den Hunderttausenden zugcht, welche ohne jede Conttolle jährlich dorthin wandern, hat L. A. Frankl in seiner berühmten Schritt „ Nach -Jerusalem" bewiesen. Es muß also auch in Palästina von vorn — d. i. mit der Jugend — angefangen werden. Das ist die Aufgabe der Ackerbauichule in Jaffa. Mittlerweile haben sich die Ansichten in Deutschland leider vielfach geändett. Es ist eine Krisis «ingetreten, die wir nicht zurückhaltcn können; die Orthodoxie hat Bedenken gegen die Ackerbauschule geäußert — wir «erden an anderer Stelle darauf zurückkommen und hoffen nur. durch diese Auszüge der Sache zu dienen und Austlärung zu verbreiten. Der französische Bericht der Alliance ist erschienen und versendet; der deutsche wird in höchstens 14 Tagen folgen. A » » zügr >«» de« Briefe« de- Herr« Ä. Netter, datirt aus der Ackerbausch ule aus Jaffa. 4. Jan. 1871. .Ich äußere eine Idee, es Ihnen überlassend, ob und welche Folge Sie derselben geben wollen. Wir könnten Obligationen ausgeben, die Zins tragen von dem Tage an, wo die Anstalt einen Gewinn abwerfen wird. Die Sache würde oder könnte doch dadurch diejenige Ausdehnung gewinnen, die man chr zu geben wünscht und möglicher Weise sogar ein ganz ausgedehntes Geschäft werden. Bereits fängt die türkische Regierung an, in der Landschaft Galilea ganze Dörfer zu verkaufen; auch an Palästina wird die Reihe kommen und man wird vortrefflichen Boden zu Schleuderpreisen verkaufen. Warum sol'tm wir bei einer solchen Gelegenheit nicht kaufen — nicht, um den Anbau zu eigenem Vortheil, wohl aber im Jntereffe der Anstalt zu unternehmen? ...... In einer solchen Angelegenheit kann man sich entweder ganze Jahre lang mühsam hinschleppen, oder aber allesRochwendige auf einmal thun. Wir müffen bereits im Sptember die wesentlichsten Bcmteu besitzen; es müssen diesen Herbst alle unsere Hügel mit Reben angepflanzt sein; wir brauchen nochwendig drei Brunnen, bit wir den bis jetzt nur in unserer Einbildung bestehenden artesischen Brunnen besitz««; «b- «tHew jetzt schowunsere Speisevorräth« für's ganze Jahr einkaufen und unsere Transportmittel vervollständigen. Vielleicht finde ich viele Arbeiter in Aegypten; dieser Tage wird man schiffbares Wafler in Kairo haben, der Landtransport wird aufbören und ich werde Maulthiere zu halbem Preise kaufen. Den Bau des ersten Flügels unseres Vorderhauses können wir aufschieben; Äer eine Reihe von Nebengebäuden müffen wir haben. Wenn ich. nach Triest S, so könnte ick Bauholz um 25°/0 billiger beten als hier. Roch immer kaufen wir unser Brod in der Stadt; bald werden wir nur noch das Mehl kaufen, aber noch kann ich keine Windmühle anlegrn, wie es deren in Alexandria eine Menge gibt. Wir werden befferrs Brod und eine Preisminderung von 50% haben. .Was Zöglinge betrifft, so wird es uns daran nicht fehlen; es vergeht kein Tag, an welchem ich nicht solche abweisen muß; hätte ich Platz für 100, ich würde sie in einem Monat haben. Zwar gibt eS unter den Bewerbern welche, die nicht viel taugen, allein die Mittelzahl ist gut, bester als ich es zu hoffen wagte. Ich bräuchte einen Ackersmann, einen Gärtner und einen Rechnungsführer. 5. Juli 1671. Ich schlage das Erzeugnis, für das eben abgelaufene Betriebsjahr auf 20 bis 80% in Gerste und Korn an. Es wird die Frage entstehen, ob wir das bisher befolgte System auch für den Betrieb von 1871/72 beibehalten. Ich halte es nicht für vortheilhast. Der schlecht angebaute Boden erzeugt wenig. In etwa 14 Tagen werde ich Ihnen sagen können, was wir cingeheimst haben. Wir haben unter gleichen Verhältnisten noch Welschkorn und Pasteten (Waflermelonen) draußen stehen. Wir besitzen etwas über 240 Hektaren. Wenn wir deren 80 für Weinberge, 12 für den Garten, 30 für Plantagen bestimmen, so bleiben unS mehr als 118 für den großen Ackerbau. Ich gebe Ihnen da nur annähernde Ziffern; in meinem Berichte werde ich Genaueres mittheilen können, den» der Boden wird dann nach Hektaren abgechellt sein. Diese 118 Hektaren müffen einem Manne übergeben werden, der Theorie und sehr viel Praxis besitzt; ein eben die Schule verlassender Mann taugt dazu nicht. Ich bin der Ansicht, daß man diesem Manne nicht so wohl ein große- Gehalt, alS einen Autheil am Erträge gebe. Ist er seinem Amte gewachsen, so muß er wiffen, was der gut aagebaute Boden ihm eintragen kann. Ich habe nach Elsaß und »ach Ungarn geschrieben; noch hat «an Niemanden für «ich gefunden; vielleicht «erde ich anderwärts glücklicher fein.