Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 11.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4896751-5428704-5428758-5433883--3704-4899910- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
stellen. Man würde ferner von den Eingeborenen, welche noch keine Familiennamen und auch keine bestimmten Bornanien haben, verlangen, daß sie solche nach ihrer Wahl annähmen, damit die Eintragung in die Listen mit der nötbigen Genauigkeit erfolgen könne. Jeder Israelit, der diese Förmlichkeiten verabsäumte, würde" I nach Ablauf der LOtägigen Frist voll den Wählerlisten gestrichen werden und könnte nur in Folge einer spätej rcn Revision wieder einen Play finden. Wenn diese! Anträge. Herr Präsident. Ihre Billigung finden, so bitte j ich Sic, beifolgendes Decret mit.Ihrer llnlerschrifk zu versehen u. s. w' DerMinisler des Innern: F. L a m brecht. Rom. Bor neun Jabren in in Rom ein sehr hübsches jüdisches ItWmges Mädchen, Namens Lea Awinion, aus ihrem elterlichen Han'e verschwunden. Dir Eltern Nichten dasselbe, fanden aber nur seine Kleider und Schube au den Ufern der Tiber. Die. Elten beweinten nun ''eit damals ihre Tochter als eine Ertrunkene. Al-? vor Kurzem viele Nonnenklöster durch die italienischen Regiernngs-Eommis'are an'gelö'i wurden, stellte sich eine Nonne dem Eommiii'är in den Weg. warf sich ihm Füßen und bat Um, ne zu befreien und zu ihren Eltern, von denen sie schon seit neun Jahren nichts vernommen, zu nihren. Sie nannte ihm ihren Rainen wie auch den' des damaligen Wohnortes ihrer j Eltern, und erzählte ihm, wie ne ein noch beute lebeni der Geistlicher. Namens Hubertus, enlsübrt, ihr Gewalt J angethan und sie dann als „Bekehrte und Getan'te" ins Kloster unter strenge Bewachung brachte. Die Regierung ließ nun gleich nach den Eltern suchen, von denen "inan auch bald die Mutter außzeninden batte <der Pater war gestorben >, da dieselbe durch körperliche Leiden und den Religionszwang »ehr gealtert hatte. Wie cs sich jeyt berausstelll, hat man damals absichtlich die Kleider der Perschwundenen an das User der Tiber gelegt, um io die Eltern hin'icbklick' ihres 'ernereu Suchens irre zu führen. (Pesth. jüd. Jig., nach einem poln.-ung Blatter. Cincinnati. Herr Daniel WoU. 'eit einer Reihe von Jahren hervorragendes Mitglied des Stadlraths von Cincinnati. ist letzten Donnerstag als Senator in der Staatsgesetzgebung von Dbio von der revublikanischen Convention noniliiirt worden. Seine Erwählung ist sicher. Hen Wolf erhielt die meisten Stimmen in' der noiiliuirenden Convention. und steht deßhalb an der Spitze der Wahlliste. Herr Dolr ist in Rheinbayern geboren, kam als Knabe nnt seinen Eltern hierher, hat als Bürger. Kaufmnn und Politiker sowohl, wie als Mitglied und Beamter unserer Gemeinde und unserer Wohlthätiakcits - Anstalten sich immer als thätiger und redlicher Mann bewäbrt und immer einen Maineil vom besten Klaiig echaltcn. (Dcb.) Feuilleton. ^Luftschtösser. Alte Geschichten von I. | t Fortsetzung.) Wohlthnend iil das Mitgefühl; es erhebt selbst das tiewenvundete Herz. Aber dieses in der Natur des Menschenherzens begründete Gefühl darf nicht für alle Fälle Dbservanzen bilden, die hier verwunden, während sie dort erbeben. Die Gebräuche versteinern; und ivährend sie ehemals und in einzelnen Fällen ein Zeugniß edler, hingehender, tröstender Menschcirliebe waren, die Alle verbindet, sind ne vielleicht heute und in anderen Fällen, Grausamkeit oder dienen iinlauteren Zwecken. Als mit dessen Eintreten der rast besinnungslos daliegende Feiß den Rabbi Pinchas ansichtig lvurde, trat eine so sichtbare Erschütterung desselben ein, daß selbst die finster dahinbrütende Peilchen sie augenblicklich bemerkte. Die Augen des Kranken traten rast aus ihren Höhlen und bohrten sich fest in die Augen des Rablü Pinchas ein. Was Wunder k Der Alte war ja seit einem halben Jahrhundert an allen Todtenbetten in der Gemeinde gesessen; er hatte die letzten Seufzer Aller in dieser Feit verstorbenen Mitglieder der Gemeinde anrgenommen und ihnen durch „Schema — Echad" die letzten Augenblicke zu versüßen gestrebt, oder dochzu gottesdienstlichen umgeskaltet. Er verstand cs, wie nur >e ein Arzt, die Stunde voräuszubestiminen. ivo der Tödesengel naht und den herben Tropfen in den Mund des Sterbenden fallen läßt, wovonsein Gesicht sich entstellt, uitd der Stillstand des Herzens eintrilt. Er war nicht ohne Mitgefühl; aber — seine Stellung als Gemeindediener machte ihn zum gefügigen Werkzeug eines Jeden; wankelmüthig, ohne Selbstständigkeit, that er stets das, was der von ihm verlangte, der eben bei ihm war. Ein großer Freund eines guten Glas Weines sprach und that er dafür Alles, was »lau sagte; und vcrueinte heute beim Glase, was er morgen bejahte. Er war nicht ohne jü-