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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 11. · p. Seite 75

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 11.
Date
1871-01-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 drittes Bedürfnis ist, daß kleine und arme Gemeinden in Dörfern und Flecken, in den Stand gefetzt werden,- entweder Lehrer, die zugleich den Cultus versorgen, cder Lehrer und Rabbiner aufzunehmen, um die Jugend nicht ganz verwildert und verkommen aufwachsen lassen zu muffen, Kultus nnd Unterricht aus Israel nicht verschwinden zu lassen. Denn die Schmach, daß in manchen armen Gemeinden die Jugend nicht einmal die täglichen Gebete lesen kann, müßte doch selost die Jungorthodoxie als eine traurige Erscheinung erkennen, als eine Schande für unsere Retigionsgenoffen und als einen Faustschlag gegen die herrschende deutsche Cnltur. Solche Ziele des Gcmeindelags wird kein redlicher Rabbiner zu begeifern. wagen, und zustimmend in diesem Sinne halte sich, wie wir gesehen, der orthodore Rabbiner Dr. Hildesheimer ausgesprochen. Ich darf es laut ansiprechen, daß mein seliger Lehrer, Rabbi Akiba Eg er, dem man doch gewiß Eiter für das mündliche und schriftliche Gesetz, für den Talmud und für die Decisoren nicht ^abiprcchen wird, ebenso gcurtheilt hat, wenn ähnliche Fragen an ihn herantraten. Wir glauben auch nicht, daß der Rcdacteur des „Israelit", Dr. L e h m a n n in Mainz, über den Kenieindetag so denkt wie Herr Salvendr, wenngleich er als Redacteur die verschiedensten Ansichten aufnotirt. Der Gemeindevorsteher in Bensheim sagt im „Israelit" <Rr. 34.) Es ist jedenfalls wünsck>e»swerth, daß dieier Gemeindcbund unter allen Umständen ins Leben trete, um in vorderster Reihe dem lästigen, andern Confcssionen gegenüber sehr unanständigen Bcttelunfug zu steuern, da diese Art von Almosengeben nicht nur, wie alle Welt weiß, die Bettler corruinpirt, wildern das Almosenspendende Pnblikum wird noch arg mißbraucht. Es muß wünschcnswertb sein, daß ein Centralorgan geschaffen werde, welches diese schmählichen Zustände gut zu beseitigen im Stande ist, hiergegen die wirklich nothleidenden Israeliten allerwärts wirksam und regclrnäßig zu unterstützen >m Stande ist. Das möge im Allgemeinen dem Dürkheimer Rabbiner Salven di genügen, um den richtigen Standpunkt zu begreifen, von welchem aus der Gcmeindebund zu bcuNhcilcn ist. Sein Ruhm, wie er selbst sagt, den Beitritt der Dürkheimer Geuleindc seit 2 Jahren verhindert zu baden, ist ein so kindischer nnd unehrenhafter, daß weder die Gemeinde noch der Rabbiner daraus stolz sein können. Herr Salvendi bildet eine eigene Cpecies von Frömmigkeit, eine orthodoxe Carricatur; weder Dr. Hildesheimer, noch Dr. Lehmann, noch Dr. Enoch tind ihm fromm genug, er bildet sich ein, daß nur er würdig sei, Gottes Gensdarm zu sein. Was will dem Hrn. Salvendi das Wohl der Gemeinde bedeuten, was gelten ihm die Uebclstände derselben, was kümmert ihn der schreiende Mangel von Kinderlchrern in den kleinen Gemeinden, wenn nicht der verkehrtesten Orthodoxie Salvendi's genügt wird? Herr Salvendi will nach wie vor seine Zeugniffe an die Wanderbettler ausstellen, um weit und breit in der Schnorrerwelt bekannt zu werden, obgleich die Schnorrer selbst ihm sagen können, daß seine Zeugniffe nicht im Geringsten beachtet werden, und obgleich wir ihm versichem können, daß diese «chnorrer anr meisten dazu beitragen, ihn als Am ha Arez bekannt zu machen. Wie es. mit Herrn Salvendi's Vorschlag aussicht, daß der Gemeindetag sich nach dem Schulchan Aruch zu richten hat und die Vorsteher darauf zu schwören habe», kann man sich denken. Es wäre gerade so, als wenn nian einer Gemeinde sagen wollte, sic zollcihr Budget, die Beschaffung ihrer Kinderlchrer, die Erhaltung , ihrer Annen, die Kleidung ihrer Nackten lediglich nach dem Corpus juri8 einrichten und die Almoicnvertheiler müßten erst im juristischen Examcnbcfteheu! Zu welcher Lächerlichkeit sich io ein Jungorthodorer versteigcn kann! Dazu kommt noch das Komische, daß Herr Salvendi keine Ahnung zu haben scheint, was der Schulchan Aruch ist, noch weniger, was er überhaupt für das Judcnthum zu bedeuten hat: wir wollen ihm daher in einer zweiten hannlosen Bemerkung, zur Nutz und Frommen eines heuchlerischen Gelichters, darüber Aufschluß geben. 'Prost Dr. Fürst. Aer Wavvineröeruf in der Gegenwart. ' Bon einem Laren. «Fortsetzung aus Nr. 5.) Sie werden cs einem - vielbeschäftigten Laien Nachsehen, wenn er erst nach vielen Wochen wieder zur Feder greift, nm seinem Versprechen nachzukoinmcn, um zu sagen, was er für die Aufgabe des Rabbinen der Gegenwart anerkannt sehen möchte. Ich habe die Predigt die erste Ausgabe deffelben genannt, die Belehrung der Erwachsenen; gestatten Sie mir nun die Behauptung, daß die Rabbinen zugleich die Lehrer der Kleinen sein müßten. Ich weiß wohl, daß ich damit den, Lehrcrbewußtsein, der pädagogischen Eigenliebe vieler Ihrer geschätzten Leser entgcgenttete; aber,, gemach, ich werde diese Herren, falls sie es nur redlich mernen mit ihren« Berufe — und das setze ich voraus —, ivicdcr mit meinen Ansichten aussöhnen; ich werde sie selbst dann aussöhnen, wenn sic mit aller Energie für die Emancipation der „Schule von der Kirche" einttctcn; umsomehr, als ich in dieser Hinsicht mit ihnen vollkommen übereinstimme. Ich setze voraus, daß es in den meisten größeren jüdischen Gemeinden Deutschlands eigentlich jüdische Volksschulen nicht gibt — und das ist gut! (?) Das Streben unserer Zeit ist die freie Menschenschule, die

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