Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 10.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 tcn. In dem Hauptschachturnier erstritt Herr Dr. S. Miekes aus Breslau den ersten, Herr A. Stern den zweiten Preis. Beide Gewinner sind Juden. Aus der Provinz Hesse» Nassau. Die Principien, nach welchen die Angelegenheiten der Juden im neuen deutschen Reiche geregelt werden sollen, scheinen noch nicht sehr fest zu stehen. Es hebt und senkt sich, ganz nach dem Belieben der Minister. Die Zeitungen berichten, daß den Rabbincn das Gesuch uni Befreiung von Communalabgaben, welche sie analog den Geistlichen anderer Confessionen beanspruchten, abgeschlagen sein soll. Wer angesucht und warum es abgeschlagen wurde, darüber erwarten wir Näheres noch zu erfahren, um cs Ihnen berichten zu können _ Posen. Die Brüdergemeinde hat Herrn Dr. Pb. Bloch, bisher Dircctor der isracl. höheren Bürgerschule in München, zum Prediger gewählt. Derselbe ist ein Schüler des jüdisch - theologischen Seminars in Breslau. _ Aus den sächsischen Herzogthümern r.'sa^, wo steht doch dieses Wort? Jsts kein jüdisches, ins nicht eine dev versöhnenden Geist des Judcnthums bezeichnende Lehre? — Dr. Heß in Eisenach, der alte, stürmische und danim sehr oft unbesonnene und darum auch oft unrecht handelnde Rabbiner, dein kein Einziger unter den deutschen Rabbincn nachahme» wollte, ist gestorben; gerade in derselben Woche gestorben, wo Sie ui Ihrer aufstrebenden Zeitschrift sein Vorgehen gegen das mosaische Ehege'etz tadelten. Wir wollen seine Ansschreitungen nicht entschuldigen — aber wir möchten ihn auch nicht mehr anklagen; jetzt nicht anklagcn, wo er vor dem Richtestuhlc dessen steht, der Herzen und Niere» prüft. Würden wir heute mit unwürdigen Worten von dein Manne sprelen, über dessen redliche Absichten inan getbcilter Ansicht sein kann, aber als Mensch doch nicht öffentlich zu urtheilen berechtigt ist, so würden wir gegen Lehren und Gebote des Judenthums handeln, die als sitlliche Gesetze ebenfalls mindestens von so sehrstoher Bedeutung sind, wie die anderen Gesetze, lim so mehr waren wir verwundert (?) im „Israelit" diesen Todesfall mit folgenden Worten angezeigt zu sehen. die sehr bezeichnend sind für Geist und Eharacter dieser Zeitschrift: „Eiienach. 22. Scpt. Gestern Abend verstarb dahier der jüdische „Schmidt (!?) von G.'etna Green," der pensionine Landrabbiner Dr. Heß, der noch von andeNhalb Jahren durch die Einsegnung einer-biblisch verbotenen Ehe st' großen cr~ t>irn gemacht, nach 36jährigcr Amtsführung." Ottensool. Tic hiesige kleine alte Gemeinde in am vorletzten Sabbat des Jahres von einem schweren Unfall betroffen worden, indem die Synagoge nebst dem Schulhausc durch einen in deren Nachbarschaft ausgebrochenen Brand ein Raub der Flammen wurde. Da die Gebäude ungenügend versichert waren, die Gemeinde aber durch mehrere in den letzten Jahren vorgenommcnc Neu- und Reparaturbauten noch belastet ist, so bittet der Vorstand derselben um milde Bcittäge zunr Wiederaufbau. Straßburg, 2 Oktober. ~ Wie wir vernehmen, sagt die „Straßb. Zeitung," hatten die hier crngewandetten deutschen Israeliten an ihren jüngftvcrpoffcuen hohen Feiertagen einen Separat - Gottesdienst veranstaltet. _ Es geschah dies indcß nicht, um etwa eine Spaltung zwischen diesen und der hicsigeir Gemeinde hervorzuruf n, sondern lediglich aus dem Grunde, weil die hiesige Svnagogc nicht Raum genug darbot. Die Gemeirrde unterstützt das Unternchmen, wie anerkennend hcworgehoben zrr werden verdient, drirch Ueberlassung von. Gesetzrollen und anderen heiligeir Geräthschaftcn, in bereitwilligster Weise. Am Gottesdienste nahmen circa 150 Personen Theil, darunter einige Elsäffer - und der größte Theil der hier 'garnisonirenbeii Soldaten mosaischen Glarlbens. Zugleich wurde bei dieser Gelegenheit wohl zum ersten Male hier in Straßburg unter den in der Synagoge üblichen Gebräuchen das Gebet für das Wohl des Kaisers in deutscher Sprache gesprochen. (Die „Straßb. Ztg." spricht seit einiger Zeit sehr oft in offiziöser Weise von den Juden. Was bedeutet das wohl * R ed.» Pestti. Sie empfangen hier ein merkwürdiges Aktenstück. Es ist ein Erlaß eines Vicegespans, der einem Rabbiner oder einem jüdischen Papste Ehre machen würde; was soll aber der Herr thun, wenn zwei Gemeinden solche Dinge vor Um bringen? Das Aktenstück laufet: „lieber das Gesuch der Zreistadklcr autonomen orthodoren Jsraelitengemeinde, tu welchem dieselbe um die Regelung, beziehungsweise Feststellung der Modalitäten des Gottesdienstes an den Hauptfeiertagen bittet, habe ich: > in Anbetracht des,Umstandes, daß zwischen den zwei Jsraelitcngcmeindcn in Freistadtl in Folge der dort bestehenden Verhältnisse in dieser Angelegenheit der freundschaftliche Ausgleich noch immer nicht za hoffen ist; in Anbetracht, daß cs sich als unumgänglich nöthig erweist, diese sonst in den Kreis der Kirchenvcrwaltung fallende Angelegenheit unter den. gegenwärtigen Umständen auf administrativem Wege zu erledigen; - in Anbetracht, daß in Freistadtl die Eonstituirung der autonomen orthodoren Jsraelitengemeinde eine vollendete Thaliache ist, und daß. da dort zwei ganz gleichberechtigte, sich selbst verwaltende Enltusgemeinden be-