Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 8.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4896751-5428704-5428758-5433877--3677-4899886- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
55 neuen Beweis dafür erkennt, das wirkliche Grad Josua's vor sich zu haben. Paris. Auch in Frankreich wird die Frage über den Raub der Israeliten an den Aegyptern, als sie mit deren Gold und Silber auszogen, neuerdings besprochen. Ein Schrift Schoebel's, welche auch in der Academie besprochen wurde, rechtfertigt die Juden durch die Septuaginta, welche das fragliche hebräische Wort falsch mit „leihen" statt mit „schenken" übersetze und dadurch den Jrrthum eingefühtt und verbreitet habe. Auch dies ist falsch. Diese Blätter, haben indessen den Gegenstand mehrfach eröttett. Paris. Die Alliance hat 1200 Fr. für die Hnngcrsnoth in Persien angewiesen. London. Bekanntlich hat der Kaiser von Bra- - silien bei Gelegenheit seines längsten Aufenthalts am hiesigen Otte auch die hiesigen Synagogen besucht und dem Gottesdienst mit Interesse ungewohnt, da er der hebräischen Sprache kundig sein soll. Eine der hiesigen Genieinden hat znni Andenken an dieses Ereigniß ihm eine schön gebundene und reich verziette Tephilla übeneicht. Bukarest, 7. Sept. Am Dienstag war hier das unsinnige Gerücht verbreitet, die Juden hätten ein christliches Kind in der Absicht entführt, sein Blut als Opfer anzubieten. Die Regierung ergrifi soforr Maßregeln und bewies öffentlich die Unrichtigkeit dieser Nachricht; aber der von einigen Individuen aufgereizte Pöbel griff in der Aussicht auf Diebstahl und Plünderung die Juden auf dem Markte an. Die Negierung schickte augenblicklich eine starke Abtheilung Gendarmen an Ort und Stelle, welche die Aufwiegler verhafteten. Am Dienstag Abend herrschte eine große Aufregung, aber in Folge der ergriffenen wirksamen Maßregeln ist die Ordnung wieder hergestellt. Adrianopel. Die türkische Regierung hat der an hiesigen Orte von der Alliance gegründeten Schule einen in der Staatsschule gebildeten nnd aus Staatsmitteln besoldeten Lehrer der tüttischcn Spraä e zur Disposition gestellt. „Gehet hin und lhnt desgleichen,"' ruft der barmherzige Samariter," des neuen Testaments den Regierungen christlicher Staaten und den Bettretcrn der Religion der Toleranz und Liebe par excellence zu. Cincinnati. Einem unbeschnittcnen Judenknaben wurde hier das Bcgräbniß auf jüdischem Friedhofe verweigett. Rabbiner Lilienthal und Wise striiten über die Zulässigkeit; jener verweigert das Bcgräbniß, dieser gesteht es au. Beide find Ultra-Reformer. Man erkennt darin die Uneinigkeit im Reformlager. Diese Uneinigkeit einer- und die bekannte religiöse Gleichgültigkeit andrerseits macht die Stärke der Orthodoxie aus, die. wenn auch noch einigen Boden in der Gegenwatt, doch keinen Halt in der Zukunft hat. Man siebt aber auch hieran, wie selbst die Reform sich ihrer Ziele nicht bewußt ist; darum find auch ihre Bewegungen unsicher und schwankend. In Amettka finden sich aber von-jeher dir Gegensätze. die politischen wie religiösen, dicht neben einander. Feuilleton. Lustschlösser. Alte Geschichten von I. (Fortsetzung.) Nach AuSzang des ersten in Deriihkim verlebten Sabbat, bevor er za Bette ging, schrieb Lehfeld in sein Tagebuch, das er regelmäßig führte: „Wenn wir Lehrer als Bildner aufs Volk wirken wollen, müssen wir von unten anfangen, bei der Jugend. Dem Volke aber-müffen wir seinr Gewohnheiten ablauschen und — unS fügen. Die Zeit bringt Rosen. Wird sie auch mir solche bringen? Meine Hoffnungen — werden sie sich erfüllen? Dornen habeich schon gefühlt — werde ich sie aus dem Wege räumen können? O, meine liebe Mutter. — eine herrliche Blüthe steht auf meinem Wege- Morgen werde ich zum ersten male vor meinen Kindern als Lehrer stehen; der Geist der Wahrheit schütze mich!" — Dort steht ein Baum. Tief hinunter in die Muttererde reichen seine Wurzeln und frei in die Luft hinein ragt seine prächtige, grüne Krone. Sein Schatten entzückt den Reisenden — und er verheißt sich auch schon von Ferne reiche Frucht. Aber näher gekommen, gewahtt er, daß die Krone Täuschung und die Wurzeln den Baum vor den: Absterbcn nicht schützen können; denn eine ftevclndc Hand hat die Rinde des Stammes abgeschält und noch tief hinein in den Stamm ist das verwundete Beil gedrungen, das die gesunde Lebenskraft gebrochen hat und das