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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 8. · p. Seite 53

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 8.
Date
1871-01-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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53 — wirken. Die Rabbiner werden dann sicherlich nicht Zurückbleiben. Auch der Kostenpunkt wird dann für V ele nicht mehr in Frage kommen. Für die kleineren Gemeinden sind in der Regel die größeren maßgebend. Diese sind sich gewöhnlich selbst genng, und es fehlt ihnen daher der Gcineinsinn, sich dem Streben für das Ganze und mit der Gesamintheit anzuschließen. Es wird daher alle Kraft anzusetzen sein, diese zu gewinnen; aber auch Len kleineren Gemeinden ist deutlich zu machen, daß der Einzelne nicht zu warten hat, bis alle zusammen gekommen sind. Das Heil geht oft gerade von den Kleinen aus. Aus dem Kleinen entwickelt sich das Große; aus den Einzelnen setzt sich das Ganze zusammen. Berlin, 9. Sevt. Die hiesige Gemeinde feierte heute das Andenken ihres 200jährigen Bestehens, eine an Erfahrungen reiche Zeit. In beiden Synagogen fand Festgottcsdienst Statt. Die neue Synagoge prangte in prachtvoller Beleuchtung und reicher Ausschmückung; der Synagogcnchor ward von Posaunen und Orgel unterstützt. Lewandowski hatte besondere Gesänge componirt, und Geiger hielt die Festpredigt. Oberbürgermeister, Magistrat und Stadtverordnete waren in Amtstracht zngegen. Die alle Synagoge besteht seit 1712 und war durch den von Friedrich Wilhelm I. geschenkten Tabernakel verziett. Die Liturgie war dieselbe, die Gesänge waren von Instrumental-Musik begleitet. Aub predigte. Die von Ludwig Geiger auf Veranlassung des Vorstands verfaßte Gelegenhcitsschrift schlägt einen zu stark politischen Ton an. Berlin, im Scp. In der antheropologifchen Gesellschaft hielt Professor Lazarus (?'-') einen Vortrag, worin er das israelitische Lammopfer am Pesäch besprach nnd zu erklären suchte, warum an demselben die Knochen nicht zerbrochen werden durften. Er findet darin einen Zusammenhang mit der Vorstellung germanischer Völker, welche an einer Wiederbelebung der Thiere glaubten und deßhalb den Leib dieser wie den der Menschen unversehrt zu erhalten suchten. Den Gedanke an diese Wiederbelebung der Thiere soll durch die im Frühjahr in die Erscheinung tretende Wiederbelebung der Natur geweckt worden sein Auch sollte die religiöse Sitte den heidnischen Gebrauch der Urvölker cntgegcntreten, durch Aufschlagen der Röhrenknochen das noch lebenswarme Mark zu verzehren. Virchow erinnerte dabei an die griechische Sage, wonach Helden mit dem Mark der Eber uud Bären genährt worden seien, Bastian an die Heilighaltung der Knochen bei amerikanischen Jägervöl- *) Wir glauben, daß liier der Name irrthünilich und es wohl Virchow heißen soll. Lazarus ist seit Monaten nicht in Berlin und unten wird Virchow genannt. Red. kern, die sie vor ihren Hütten aufhängen, damit ihnen das Wild nicht mangle. Wir erwähnen diese Anschauungen ihrer Sonderbarkeit wegen und um ihrer berühmten Träger willen, nicht um sie als Wahrheit aus- - zugeben. Berlin, 19. September. Vorgestern feierte die hiesige jüdische Gemeinde in sämmtlichenGotteshäusern das Fest ihres zweihundertjährigen Bestehens. Die Hauptfeier fand natürlich in der großen Synagoge in der Oranienburgerstraße statt, in welcher der Prediger Dr. Geiger die Festrede hielt. Eine zur Feier des Tages ausgegebene Festschrift von Leopold Geiger, einem Sohne des Predigers, schildert die Entstehung und das Wachsthum der hiesigen jüdischen Gemeinde in diesen zweihundert Jahren und verweilt der Verfasser besonders ausführlich bei der Zeit, wo Männer wie Moses Mendelssohn, Friedländer, Bendavid, Zunz u. a. m. die ersten Anregungen gaben;n jenem Aufschwung der hiesigen Gemeinde in wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht, welcher nothwendiger Weise der staatlichen Emancipation vorausgchen mußte. Frankfurt a. M. Die „Zweiseelentheorie,^ von welcher die nationalliberalen Blätter so gerne sprechen, scheint mindestens in einem Falle eine Thatsache werden zu sollen. Die beteits confcssionell eingerichteten höheren Schulen». Seminarien im Elsaßsollen wieder confessionslos, überhaupt Resultate des Kühlwelter'schen und Bismark-Bohlcn'schcn Regiments durch Herr v. Müller wieder rückgängig gemacht werden. Selbstverständlich kann das elsassische Judenthum dabei nur gewinnen. Wir täuschen uns sicher nicht, wenn wir annehmen, daß auch die jüngstmitgetheilte Erklärung in der „Straßburger Zeitung" u. die nachträgliche Anstellung einiger Israeliten ein Ausfluß dieser Strömung ist. — Aus 23 er li n wird gemeldet, daß die Gesellschaft der Mission unter den Heiden gewonnen hat — einen Prozeß gegen den Fiscus. Bis zum Jahre 1869 zahlte die Regierung genannter Missionsgesellschafl 500, Rthlr. als Staatszuschuß; da diese nun vom Abgeordnetenhause im Etat des Jahres 1870 gestrichen und vom Cultusministerium deßhalb nicht gezahlt wurde, wurde die Missionsgesellschafl klagbar; der 4. Civilsenat das Kammergerichts hat den Fiscus zur Fortzahlung dieser 500 Thlr. verurthcilt. Erhält auch die Mssion unter den Juden einen solchen Staats- Zuschuß? Eigentlich wäre es ganz ä, la Rom, wenn : biefe Zuschüsse direct von den Juden erhoben > würden; geht wohl doch nicht mebrd l Leipzig, 20. August. Das Buiides-Oberhan- - delsgcricht bat jüngst entschieden, daß an einem jüdi-

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