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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 8. · p. Seite 52

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 8.
Date
1871-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 Die Kegner der Synode. (Fortsetzung.) Wir sind nicht zu Ende: Nur Eines noch. Wir ftmgen jeden ehrlichen Menschen; ob Christ, ob Jude, ob Reformer oder Orthodox, was er zu folgenden Worten sagt, die in einer Correspondenz aus Augsburg in Nr. 30 des „Israelit" enchalten sind: „Wie mir von glaubwürdiger Seite berichtet wird, haben drei der Herren Synodal-Rabbiner am mp na® im Cafs Bosch .zu Augsburg öffentlich Cigarren geraucht; Sobald ich die Namen derselben mit Evidenz erfahre, werde ich solche veröffentlichen!" — Wir geben hierzu keinen Commenkar! Glaubt das Herr Dr. Lehmann? Stellt er es hin, ohne überzeugt zu sein, so beleidigt und verleumdet er damit, und zwar mit Vorbedacht, nach bekannter, logischer Folgerung nicht.drei, da er ja Niemand ausschließend nennt, sondern alle 21 Rabbiner, die in Augsburg waren, die' es ja alle sein könnten. Durfte Herr Dr. Lehmann eine solche Mittheilunz aut bloses Hörensagen, oder vielleicht als selbstgemachte Erfindung feinem Publikum vertragen?- Freilich, Hr. Dr. L. ist „sehr gläubiger" Natur; wir D’yns, Ungläubige, wir sind nicht io. leichtgläubig. Da führte uns vor Kurzem eine dringende, unaufschiebbare Angelegenheit mit unserem Söhnchen am Sabbat nach Mainz und im Bahnhof trafen wir Herrn Dr. Lehmann! Im Coupe sag noch ein Mann, fccrt wir als Jude» erkannten. „Was mag nur Herr Dr. Lehmann am rosmp im Bahnhof zu schaffen haben, und was wird er sagen, wenn er uns hente fahren sieht?" sagte ich zu meinem Sohne! „Was, sagt der fremde Jude, dieser Herr ist Dr. Lehmann?, das ist ja unmöglich, rein unmöglich! Der fromme Lehmann, der Redact ur des „Israelit?" Diesen Mann sah ich gestern, Freitag Abend, mit noch einem andern Herrn, und mir zwei Damen, deren Haarputz mir allerdings in dieser Lage befremdlich erschien, in einem Bosquet der neuen Anlage,— die Herren rauchten Cigarren, die Damen aßen Schinkenbrödchen; ein cigcnthümliches. zwiespältiges Coqucttiren ließ auch den sittlichen Character der Damen zweifelhaft erscheinen.... Und das war dieser Herr! das kann Herr Tr. Lehmann nicht sein!" So sagte der fremde Jude! Natürlich, ich widerstritt auis Heftigste und cs war darum nicht möglich, den Namen des Mannes zu erfahren ..... ich glaubte cs nicht, trotzdem der Mann mit Hartnäckigkeit auf seiner Aussage bestand und ich würde gegen Jederniann mit aller Kraft eines beleidigten Gewissens streiten, der io etwas von Dr. Lehmann zu behaupten wagte! Man soll ja nicht von seinem Nächsten Böses glauben, dan nie sagen, wovon man nicht überzeugt ist. Und nun gar, wenn man, wie ich, vom Gegentheil überzeugt ist. Gewiß, jener Mann wollte mich täuschen! Wie, wenn ich nun aber doch so leichtgläubig gewesen wäre, wie Herr Dr. Lehmann, und würde auf Hörensagen hin in die Welt hinausposaunt haben: Einer oder mehrere von den 133 haben am mp na® rauchend in einem Bosquet in der Mainzer Anlage mit Schinkenefsenden Damen coquettirt, wurde mich Herr Dr. Lehmann mit Fug und Recht nicht als niederträchtigen Verläumder denuncirt haben? Doch, ich bin ein Ungläubiger, Herr Dr. Lehmann aber ist ein „Gläubiger"; der „Israelit" bringts mit sich!- Genug des Schmutzes! Welche Folgerungen ergeben sich aus diesem Getriebe für die fortschreitenden, strebenden, fteisinnigen Männer in Israel? — (Schluß folgt.) Wochenbericht. Vom Rhein, 10. Sept. Es ist traurig, daß selbst gesinnungstüchtige Blätter, wie die ung. jüd. Wochenschrift, gegeu die Synode Partei ergreifen. DieKritil sehen wir ihr nach; sie führt ja zur Wahrheit. Aber feindselig darf sie nicht werden. Das Wirken der Synode hatte in ihrer Zusammensetzung seine Begründung und Berechtigung; das zügelnde und bessernde Correktiv hätte in einer größeren Bethciligung gelegen. Und gerade die kritisirenden Herren sind zurückgeblieben: Jndeß hatte der Präsident Unrecht, für die geringe Betheiligung ausschließlich (? ) die Rabbiner verantwortlich zu machen/ Ich will die zurückgebliebenen nicht verteidigen, abgesehen davon, daß es für Biele gewiß recht kräftige Abhaltungsgründe gegeben hat. Aber der Präsident vergaß, daß cs sich um eine Synode und nicht eine Rabbinerversanimlung gehandelt hat, und daß nicht nur viele Rabbiner, sondern noch mehr Vorsteher, Laien- Gelehrte und Gemeinde - Deputirte gefehlt haben. Ja im Gegensatz zu deucn, welche über die Laien-Abftimmung bei rituellen Entscheidungen spotten, erscheint uns die Laicnbetheiligung recht nothwcndig, um zu ermessen, ob die Anträge und Beschlüsse in den Gemeinden Boden haben und Wurzel schlagen können;- um zu verhüten, daß sie über den Boden des realen Lebens hinauswachsen und in der Luft schweben. Viele Nabbiuer sind sicherlich zurückgeblieben, weil ihre Gemeinden sich gleichgültig gegen die Syiwdc verhalten oder gar in Opposition dazu stehen. Es handelt sich also zunächst darum, die Gemeinden und deren Vorstände für di^ Synode zu interessiren und deren Beteiligung zu er.

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