Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 7.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4896751-5428704-5428758-5433875--3665-4899875- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
schritte Hemmnisse entgegen, verführt daS Volk — -fordert eS auf die Rabbinen, welche aus religiösem Pflichtgefühl die Synode besuchten „als Leugner und Verletzer der göttlichen Lebre ihres Amtes zu entheben. Er ruft dem Volke zu: „Laßt Euch nicht durch '.falsches Mitleid beirren." (Fortsetzung folgt.) Wochenbericht. München, 7. Sept. Das Sigl'schc „Vaterland" brachte dieser Tage einen längern Artikel: „Die Juden und der Verfall Frankreichs". Dieses heitere Machwerk schließt mit den Worten:' „Daruin ist Frankreich sattes unglücklich geworden, weil es geduldet hat, daß der Jude sein König, sein Herr, sein Tyrann geworden ist." Seit 1846 namentlich seien, sagt das „Vaterland", die Juden recht eigentlich obenauf gekommen, als der Jude Cremteur Minister »vurde. Das habe sich unter dem Kaiserreich fortgesetzt, das einen Juden — Fould — mehrmals zum Fmcmzminister machte. Die Republik vom 4. Sept. habe gar drei (?) Juden — Cremieur, Picard i () und (Iambetta (?) — unter ihren Mitgliedern gezählt. Berlin. (Eine Jeremiade aus dem 10?* Jahrhundert.) In dem neuesten Jahresberichte der Berliner „Gesellschaft zur Beförderung des Chrislenthunis unter den Juden" heißt' es: „Im Rückblick aus die von unserer Gesellschaft bisher geübte Thätigkeit inuß die früher kaum erlebte Thatsache uns um so schmerzlicher berühren, daß hier in Berlin, in den beiden Jahren 18»>9 und 1870, in: ersten sieben uitd iin letzteren sechs Menichcn, die sich Christen nannten, zum Judenthum übergetreten sind; gewiß eine erschreckende, demüthigende- Erfahrung und das gerade Gcgcntheil unserer Bestrebungen, dem Herrn Jesu Seelen aus den Juden zu gewinnen — was wir auch mit der Gemeinde allsonntäglich im Kirchengebet erflehen. Dahin also hat der eingerissene Unglaube und der Abfall von Christo schon geführt! . . . Wohl haben wir in dieser beschränkten Zeit mit Freude und Dank begrüßt die ernste Mahnung, welche unsere geistlichen Oberen gegen den Ueberritt der Christen zum Judenthum ertasten haben, und ihr Bekenntniß zu dem Herrn Jesu. Aber unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Die armen verlorenen Söhne aus JÄael dagegen, mögen sie nun noch unter der Decke Mofis und steinernen Herzens in dem alten Haß ihrer Väter, die in Jesum gestochen haben, bis auf den heutigen Tag beharren — wie wir es durch unsere Missionäre vielfältig erfahren müffen, — oder mögen sie mit vielen Tausenden von Namenchristen, die, Gott sei's geklagt — an allem geoffenbatten Glauben Schiffbruch gelitten haben — mit Verachtung, Geringschätzung oder Jndsfserentismus auf den vor 18 Jahrhunderten Gekreutzigten — in dessen Namen dennoch allein Leben und >seligkeit ist — Hinsehen, mögen sie sich verschwören, daß sie und ihre Enkel niemals an Jesum, den Sohn Gottes, glauben würden, — wie sie cs in veröffentlichten Erklärungen jüdischer Varstände selbst auszusprechen sich nicht gescheut haben, — alle ihre Schmähungen dürfen uns nicht erbittern, ihre Beschönigungen unseren Ohren nicht schmeicheln, ihre Prophezeihungen unsere Zuversicht aus die Macht des Herren, der Herzen und Nieren prüft, nicht erschüttern." Aus Leipzig. Der Ausschluß des Gemeindebundes hat soeben folgenden Ausruf erlassen: An die Herren Rabbiner, Vorsteher, Vertreter der WohlthätigkeitS-Vereine und Notabeln der israelitischen Gemeinden in Rußland nnd Polen. Liebe Glaubensbrüder!' Eine ernste und heilige Angelegenheit veranlaßt den Unterzeichneten Ausschuß, welcher mit Vorbereitung des deutsch-iSraelitischen Gemeindebundes beauftragt ist, sich unmittelbar an Euch zu wenden. In kurzer Zeit steht die Gründung des Gemeinde-Bundes in Aussicht. Derselbe hat neben anderen, unsere Gemeinde Angelegenheiten betreffenden Aufgaben auch den Zweck, einem großen Uebel abzuhelfen, daS zum größten Theil aus Euerer Mitte zu uns kommt. Es ist das zwar ein altes Uebel; aber eS hat in neuerer Zeit eine so große Ausdehnung erlangt und droht sich immer noch zu vergrößern, daß endlich die Abhilfe auf jede Weise gesucht werden muß. Wir meinen dir Wan der bettele!, die jährlich Tausende von Männern, Frauen, Kindern, junge Leuten auS Euern Gemeinden nach Deuffchland führt, um da von Gemeinde zu Gemeinde, von Haus zu Haus milde Gaben in Anspruch zu nehmen,-um in kurzen Zeittäumen deffelben Weges zu demselben Zwecke wieder zu kommen. Wir wollen nicht sprechen von der Last, welche den Gemeinden dadurch erwächst und von der Belästigung, welche persönlich die Zudringlichkeit sowohl, wie der Anblick so vielen EleadS verursacht. Man würde in dem Bewußtsein, Gutes zu üben, jede Last oder Belästigung überwinden. Aber eS geschieht nichts Gute» damit, man befördert nur und vermehrt daS Uebel, dem man abhelfen will.