Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 7.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
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schlaffe von 130 der anerkanntesten (!) Rabbüien Europas unwürdig sei, rabbinische Funktionen vorzunehmen; er sott sogar die Trauungen rc. rc. dredieser bereits vollzogen, als ungültig erklären und fordert die Leute auf, die Existenz des Dr. G. völlig zu ignoriren. Ein Gleiches wird uns von einem iwrdiichen Nabbinen berichtet. Lolchen Thatfachen gegenüber wäre Schweigen moralischer Selbstmord. Spüren ivir einmal der übrigens allbekannten Quelle nach. Decken wir einige der fanatischsten, injuriöfeflen Lügen aus, die inan über die Synode in Äugshry und über ihre Besucher auszusprengcn wagte. Üui das 'chmutzize Treiben der sogenannten gesetzestrcuen Partei ganz und richtig beurtheilen zu können, verfolgen wir bloS das Referat über die Synode in ihrein Hauptorgane, im Mainzer „Israelit". Wir geben im Voraus unseren geschätzten Lesern die Versicherung: es soll nur dies einzige mal geschehen und sie für alle Folgezeit, wenn es nur irgendwie thunlich ist, mit Aehnlichem verschont bleiben. Wir machen natürlich die ehrlichen Männer, die dieser Richtung aus Ueberzeugunz angchörcn, nicht.für das verantwortlich, was in jenen Blättern geschrieben steht. Welcher gewissenhafte Mensch wird cs wagen, offenbare Lügen und Verleumdungen in die Welt hinauszusenden? Welcher ehrliche Gegner wird rine Versammlung verurtheilen, noch bevor sie stattgesunden hat? Cs wäre ja möglich gewesen, daß eine große Anzahl der eigenen Anhänger, 52 echte Orthodoxen, einen Staatsstreich wagten, — und in Augsburg erschien, um die 51 Neolcgen zu überstimmen? Doch nein, die Lügen, die Verleumdungen waren präparirt; sie mußten in die Welt, um Geräusch zu machen. Sckon in Nr. 28, die am 19. Juli erschien, also zu einer Zeit gedruckt wurde, als die Synode kaum zu tagen begonnen hatte, erösinete der „Jöraelit" sein Referat mit den Worten: .der Vorabend begann mit einer großen Enttäuschnng seitens der iSrael. Traiteurs unserer Stadt; denn eine beträchtliche Anzahl der Herren speiste in nicht israelitischen Hotels!" Und das wußte der Berichterstatter schon am selben Tage! wußte, daß die Herren, — von welchen sehr viele spät am Abend des 10. nnd am Morgen des II. erst eintrafen, — gespeist batten, wo und wir— vielleicht auch was siegespeist haben; denn das soll wohl doch durch diese verläumderischen, zweideutigen Worte gesagt werden, daß die Herren Trefa speisten. Und dieselbe Verleumdung wiederholt sich auf der anderen Seite des Blattes noch einmal. Darf man nach jüdischem Gesetze so etwas sagen, ohne es selbst gesehen, oder doch eine begründete, überzeugende Thatsache als Beweis dafür anzugeben? Es warm 51 Herrin gemeldet; die Hälfte kam spät in der Nacht und am andern Morgm; viele waren als Gäste in jüdischen Häusern ausgenommen — und die Traiteurs spüren es schon am Vorabend, daß die Herren Trefa speisen! Wir vertheidigen Niemand: aber zu constatiren haben wir, daß fastsämmtliche Herren alle Tage während der Dauer der Synode zusammen an der jüdischen Gasttafel speisten und daß Niemand gesehen wurde, der Trefa genoß. So viel Takt muß man wohl selbst auch.denjenigen unter den Synodalen Zutrauen, welche sich anderwärts nicht scheuen', zu bekennen, daß sie mit den Speisegesetzen gebrochen haben. Hier aber achteten sie die Stimme des Volkes. Das Einleitungsgebet Geiger'S wird eine Profanation des göttlichen Namens genannt. Wissen die froiumen Herren in Mainz nicht, daß auch das Gebet deS Sünders, wenn es aus andächtigem Herzen kommt, eine Heiligung deS göttlichen Namens ist. Können die Herren beweisen, daß dies nicht hier der Fall war? Können sie die Herzen erforschen, ob und wie wir andächtig fühlten? Unseren gesch. Lesern ist der Beschluß wegen Vornahme von Trauungen zu gcwissen Zeiten, an welchen bisher solche verboten oder nicht üblich waren, erinnerlich. Von vornherein (durch Hrn. Dr.Aub).ward i e Woche vor dem 9. deS Monats Abh als nationale Erinnerungsfeier ausgeschlossen und so lautet auch der Beschluß. Der gewiß gut unterrichte Berichterstatter weiß von dieser Ausnahme Nichts, nennt vielmehr ausdrücklich den 9. Tag des MonatS Ab, an welchem nun die Vornahme von Trauungen erlaubt sei und fügt bei: „Einem Gerüchte zufolge erösinete darauf Herr Dr. Geiger der Versammlung, daß er am nächsten 9. Abh. •) DoncrStag, 27. Juli, eine Trauung vollziehen werde, und daß er vom Bräutigam, einem sehr reichen Manne in Berlin ermächtigt sei, alle Mitglieder der Synode, als Belohnung und Anerkennung ihrer guten Gesinnung, zur Hochzeit cinzuladen; damit das Festessen am Tischoh beab gleich früh beginnen könne, so setze er die Trauung auf Morgens 7 Uhr fest*) **). Also wörtlich im „JS- *) Gleich darauf wird natürlich die.Geschichte berüchtigt — wollte fagen1, das Gerücht berichtiget: das natürlich von vornherein blosc Erfindung eiues verbrannten Gewissens war, — und selbst diese Berichtigung sttotzt von Lügen,'denn sie behauptet, daß ein Mitglied für die Tischebeaf-W o ch e nur Gnade erwirken wollte, wäre aber mit Schimpf und Schande davon gekommen, während der ursprüngliche Antrag, wie bereits gesagt, dieTischebeabhWoche ausschließt, und Niemand gegen diese Auslassung das Wort ergriff; diese Woche also faktisch von dem Gesammtbeschlusse ausgenommen ist, also in ihr keine Trauungen vorgenommen werden sollen. **) Gerade in diesem Betreffe haben wir etwas Merkwürdiges zu berichten. Der Sohn des Frömmsten der Frommen — Dr. Hildesheimer in Berlin — feierte sein Hochzeitsfcst mit einer frommen Russin in Homburg vor der Höhe.