Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 6.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
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' Natur und Hat sich ganz vorzüglich, auch, wegen seiner Lebensstellung zu hüten, daß'es nicht ganz dem Realen. und Materiellen verfalle. .Der Verfasser will «ns den Philosophischen Entwicklungsgang Spinoza's darlogen, der von den jüdischen Philosophen ausge- . gangen und auf sie zurückgekommen ist. Cartesius war für chn nur ein Durchgangspunkt und mußte es sein, weil E.'s Richtung christlich und Sp.'s durch und durch jüdisch war und blieb. Abweichungen und Eigenthümlrchkeiten sind von Sp.'s selbstständigem Denken und Reden nicht ausgeschlossen; diese finden sich auch bei den anerkannt jüdischen Philosophin der Vorzeit. Es ist von großer Bedeutung und Wichtigkeit, Sp. ganz zu uns zählen zu können, um so mehr, da er als der Vater der modernen Philosophen anerkannt ist. Wir haben also wieder einen neuen Beweis zu den vielen, daß selbst in dem finstern Mittel- - alter Juden die Träger und Vermittler der Bildung waren, und die Neuzeit mit ihrer Erkenntniß der Wahrheit eigentlich nur zum Judenthum zurückkehrt und daraus fußt. Um so bedauernswerther ist es, daß Sp. von den. Juden seiner Zeit verkannt und seine Bestrebungen als außerhalb des Judenthums stehend betrachtet wurden. Wir heben dies besonders hervor, weil mit solchem Pantheismus im Judenthum und daraus resuttirender Verfolgung Spinoza nicht allein steht. David Kints, der berühmte Verfasser des „Mate Dan" oder Kusrr II., worin er das rabb. Judenthum gegen den Karaismus vertheidigt, wurde, weil er als Philosoph Gott mit dem Universum (Leus Universum) idenlificirte, ebenfalls verketzert und mußte von Ehacham Lewi in Schutz genommen werden. Es ist nur. irrig, hierbei die Natur in ihrer endlichen Erscheinung zu fassen oder zu glauben, daß Gott hierdurch zum bloßen Begriffe (Deus rationis) herabsinke. Ist doch die Bezeichnung Gottes mit orpcri (universelle Natur) im Judenthum populär geworden und sogar in die Gebersprache gedrungen (cn/'jro). Auch die alt-jüdischen Neligionsphilosophest haben theosophische Fragen, wie z. B. die Vereinigisng der Allwissenheit Gottes mit - der Freiheit des Menschen, die Frage über generelle oder individuelle Vorsclung in verschiedenster Weise beantwortet. Frühere Lösungen wurden von den Späteren verworfen und andere versucht, ohne daß deshalb die Vorgänger verketzert worden wären. Läßt doch selbst Maimonidcs, trotz seiner Lehre von der Schöpfung aus Nichts — ebenfalls ein philosopbonnu — die Ansicht von der „ewigen Hyla" gelten und der Unsterblichkeit nur diejenigen lheilhaf ig werden, welche sich durch geistige Gotteserkenntniß, nicht bloß moralische Lebensweise, derselben würdig machen. Tie vulgäre Theologie wird dies gewiß beanstanden, und doch hat Maimonidcs zu allen Zeiten seinen verdienten Rus bewahrt. Wir erkennest in derDogmenlosigkeit desJudenchtstnr den Vorzug, daß in chm die weiteste Denkfreiheikznlässig ist. Dieser Ansicht stimmen gewiß Alle bei, welche nicht nur die Verketzerung und Verbannuna Spinoza's seitens des Amsterdamer RabbinatsgerickM beklagen und verurtheilen, sondern ihn fort und fort dem Judenthume zuzählen und als einen treuen Sdhw und Verfechter desselben verehren. vr. R. Feuilleton. LufWösser. Alte Geschichten von I. (Fortsetzung.) Vor dem Orte ist ein schöner Garten. Ei» Rosenstrauch streckt seine vollen Dlüthen heraus; Lehseid bleibt lange stehen und erquickt sich am Wohlgerucke, am Anblick der geordneten Berte, des reichen Blüthenschmucks. Da kommt Klappermosche — Herr Allmann. — „Nun, Herr Lehr.r, wollen Sie nicht sich eine Rose pflücken? "Der Garten gehört mir," sogt er stolz. „Ich pflücke keine Blumen." „So fromm, dcß Sie nichts abpflückcn am Sabbat? Hm, Hm!" fragt Herr Allmann lauernd. Herr Lehfeld besinnt sich eine kurze Weile. „E» ist nicht Frömmigkeit, wie Sie etwa meinen, denn ich würde es nicht als eine Sünde ansehen, eine Blume zu pflücken, wenn ick, mich nicht mrbr an ihrem Anblicke erfreute, den sie am Vellen Rosenstrauch, mit ibren Schwesterblülhen zusammen gewährt, als wenn ich sie einige Minuten nur, bis zu ihrer Entblätterung, in der Hand trage." „Und die Sabtatgesetze, die stören Sie nickt." „Ich halte es nicht für eine Entweihung des Sabbats; der Gedanke der Cotbalweihe ist zu hoch, zu erhaben, als daß er durch selche Kleinlichkeiten gefördert werden könnte. Tie geistige Erhebung, die der Sdbbat unS bietrn soll, leidet durch die Bande, mit welchen die haar spaltenden Gesetze ihn eingeengt hoben. Sehen Sie — und er zog ein Buch aus seiner Tasche —, wenn ich die Gesetze, welche den Sabbat eknzäünen, strenge haltm will, so darf ich dies Buch nicht mit mir nehmen. Ich dachte aber, tort aus dem Hügel mich damit zu beschäftigen und zugleich den er» irrschenden und erhebenden Anblick ins Thal beim Untergänge der Sonne zu g nießeN. Halten Cie doS nicht für eine würdigere Weise', zum Sodbataudgang sich vorzubereiten, zudem ich Morgen zum «rstenmale in meinem Berufe als Lehrer thälig sein will?